Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Sonderforschungsbereich an der LMU - Molekulare Grundlagen der Leukämie und Blutzellbildung

18.11.2005


Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB 684) eingerichtet. Die darin zusammengeführten Forschungsprojekte beschäftigen sich mit dem Thema "Molekulare Mechanismen der normalen und malignen Hämatopoese", also den Mechanismen, die bei der Bildung von Blutzellen im gesunden Körper eine Rolle spielen und deren Störung zur Entstehung von Blutkrebs führt. Die Wissenschaftler erhoffen sich von den Einblicken in diese wichtigen Prozesse mögliche Ansatzpunkte für Therapien nicht nur bei Leukämien, sondern auch bei anderen Krebsarten. Besonders wichtig ist, dass bei dieser Initiative angewandte Forschung und Grundlagenforschung eng verzahnt sind. Der SFB wurde von den Professoren Wolfgang Hiddemann und Stefan Bohlander von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Klinikums der Universität München (Standort Großhadern) initiiert. Sprecher des SFBs ist Professor Hiddemann, Sprecherhochschule ist die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, von der auch die Mehrzahl der beteiligten Wissenschaftler stammt. Zum neuen SFB gehören ebenfalls Forscher der Technischen Universität München und des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF) in Neuherberg.



Krebs ist immer noch eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Bösartige Erkrankungen nehmen an Bedeutung sogar noch zu, weil sie meist im Alter auftreten und die Lebenserwartung in den westlichen Gesellschaften steigt. Wirkungsvollere Therapien sind also nötig, aber auch Prävention und Früherkennung spielen eine wichtige Rolle. Bevor in diesen Bereichen neue Wege gefunden werden können, müssen zunächst aber die Biologie und die Entstehung bösartiger Erkrankungen besser verstanden werden. Modellcharakter für Krebserkrankungen wurde schon immer der Leukämie, dem Blutkrebs, zugeschrieben. Bei dieser Krankheit steigt die Zahl der weißen Blutkörperchen und deren Vorläuferzellen, die noch nicht funktionstüchtig sind, stark an. Der Begriff "Leukämie" bedeutet "weißes Blut". Die Zellen verbreiten sich nach und nach im Knochenmark und Blutkreislauf und verdrängen die gesunden Blutzellen.

... mehr zu:
»Blutzellbildung »Blutzelle »LMU »Leukämie


Die Vorreiterrolle der Leukämien in der Forschung rührt daher, dass die leukämischen Zellen leicht gewonnen und untersucht werden können. Bislang wurden Leukämien genutzt, um grundlegende Prinzipien der Tumorerkrankungen und ihrer Therapien zu untersuchen. So waren akute Leukämien, die unbehandelt schnell zum Tode führen, die ersten Krebserkrankungen, an denen die Wirksamkeit einer systematischen Chemotherapie gezeigt werden konnte. Ebenfalls bei Leukämien wurde erstmals nachgewiesen, dass bestimmte Chromosomenveränderungen relevant für die Entstehung der Erkrankung sind. Mittlerweile stehen moderne Techniken und Methoden der molekularen Analyse zur Verfügung, die chromosomale und molekulare Veränderungen sowie die Funktion der leukämischen Zellen im Detail analysieren können.

Gene, die bei bestimmten Leukämiearten durch Mutationen oder andere Veränderungen betroffen sind, spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung normaler Blutzellen. Neue Erkenntnisse zu ihrer Rolle im Krankheitsfall werden also auch Aspekte ihrer Funktion im gesunden Körper aufzeigen. Manche Projekte im SFB beschäftigen sich mit dem Einfluss epigenetischer Prozesse, wie DNA-Methylierung und Verpackung der DNA, die die Genaktivität, nicht aber die Gene selbst verändern. Aber auch die Untersuchung der normalen Blutzellbildung ist nötig, weil sie wiederum Rückschlüsse auf die Entstehung von Leukämie zulässt. Deshalb wollen die am SFB beteiligten Forscher die molekularen Wege und Mechanismen sowohl der normalen als auch der malignen Blutzellbildung analysieren. Im intensiven Austausch zwischen den Kooperationspartnern sollen die Charakterisierung einzelner Schlüsselmoleküle und definierter zellulärer Signalwege mit Modellen zusammengebracht werden, die die Krankheit in ihrer Komplexität erfassen. Mit Hilfe von Tiermodellen und in Zelllinien soll versucht werden, die Differenzierungsprozesse bei der Blutzellbildung und deren Fehlsteuerung bei den Leukämien besser zu verstehen. Zusätzlich steht eine große Sammlung von Patientenmaterial zur Verfügung, die im Rahmen von klinischen Studien angelegt wurde. Erkenntnisse, die aus den Analysen des Materials gewonnen wurden, werden zur Entwicklung der Modellsysteme verwandt. Zudem kann die Relevanz der Erkenntnisse aus den experimentellen Studien an diesem Material überprüft werden.

Das größte Potential ihrer Kooperation sehen die beteiligten Wissenschaftler in der Zusammenführung von klinischen Gruppen mit Grundlagenforschern. Denn nur so kann jede Stufe auf dem Weg von der normalen Blutzellbildung bis zur Leukämieerkrankung untersucht werden, von Details der molekularen Mechanismen auf atomarer Ebene bis hin zu Tiermodellen, die entsprechend den in Patienten gefundenen Veränderungen erzeugt werden. Ihre interdisziplinäre Zusammenarbeit sehen die Forscher als einzig sinnvollen Ansatz, um die schwierigen Fragen der Entstehung von Leukämie und auch der normalen Blutzellbildung möglichst umfassend anzugehen. Die größte Hoffnung dabei ist, dass diese Forschung auch einige neue potentielle Ziele und Ansatzpunkte für Therapien der Leukämie liefern wird - möglicherweise auch mit Relevanz für die häufigen soliden Tumore. (suwe)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Stefan K. Bohlander
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Tel.: 089 / 7099-357, oder: 7095-4970
Fax: 089 / 7095-5550
E-Mail: stefan.bohlander@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Berichte zu: Blutzellbildung Blutzelle LMU Leukämie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik