Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzenschutzmittel in Lebensmitteln: Risikobewertung von Mehrfachrückständen soll optimiert werden

15.11.2005


Auf dem zweiten BfR-Forum Verbraucherschutz haben Wissenschaftler und Verbraucherschützer über neue Konzepte und Ansätze beraten



Bei der Untersuchung von Lebensmitteln auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln werden in Früchten und Gemüse häufig die Reste gleich mehrerer Wirkstoffe gefunden - so genannte Mehrfachrückstände. Welche Wirkung ein Gemisch aus verschiedenen Wirkstoffen auf den Menschen hat, ist nur für wenige Wirkstoffgruppen wissenschaftlich beschrieben. Um Mehrfachrückstände in Lebensmitteln zukünftig umfassender gesundheitlich bewerten zu können, müssen somit geeignete Konzepte entwickelt werden. Auf dem zweiten Forum Verbraucherschutz des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) haben Wissenschaftler und Verbraucherschützer am 9. und 10. November in Berlin über geeignete Bewertungsmodelle beraten. Ein diskutierter Ansatz, der auch in anderen Staaten verfolgt wird: Stoffe mit gleichen Wirkmechanismen werden zusammengerechnet und Stoffe mit unterschiedlichen Wirkungen als Einzelstoffe betrachtet.

... mehr zu:
»Pflanzenschutzmittel


Wie alle Chemikalienreste sind auch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln unerwünscht. Allerdings sind sie technisch nicht immer zu vermeiden. Das Auftreten von Rückständen mehrerer Wirkstoffe kann unterschiedliche Gründe haben: Verschiedene Pflanzenschutzmittel werden in zeitlicher Folge gezielt gegen unterschiedliche Schädlinge angewendet, es werden spezifisch wirkende Kombinationspräparate eingesetzt oder landwirtschaftliche Erzeugnisse unterschiedlicher Herkunft wurden bei der Vermarktung vermischt - um nur einige Ursachen zu nennen.

Grundsätzlich gilt: Rückstände von Pflanzenschutzmitteln dürfen die Gesundheit des Verbrauchers nicht beeinträchtigen. Für die Einzelstoffe wurden deshalb Höchstmengen abgeleitet, die mit Sicherheit kein gesundheitliches Risiko für den Menschen darstellen. Wird eine Höchstmenge überschritten, darf das Lebensmittel nicht mehr im Handel angeboten werden.

Doch wie steht es mit der gesundheitlichen Bewertung von Rückständen mehrerer Wirkstoffe in einer Probe - selbst wenn diese unterhalb der zulässigen Höchstmengen liegen? "Schon jetzt zieht das BfR für einige wenige Wirkstoffgruppen zur Abschätzung von Mehrfachrückständen so genannte Summenhöchstwerte heran", sagt Dr. Ursula Banasiak, Leiterin der Abteilung Sicherheit von Stoffen und Zubereitungen im BfR. Möglich ist dies für bestimmte Fungizide und Insektizide, die einen einheitlichen Wirkmechanismus haben. Der Großteil der Stoffe wird aber nach wie vor einzeln bewertet. Als Kenngrößen für die gesundheitliche Beurteilung werden bei der Festlegung der Höchstmengen sowohl die abgeleiteten Werte für die Langzeitaufnahme als auch die akute Giftigkeit des Wirkstoffes zugrunde gelegt. Zwischen den festgelegten Höchstmengen und den Konzentrationen, die im Tierversuch giftig wirken, liegen in der Regel zwei- bis dreistellige Sicherheitsspannen.

Zur gesundheitlichen Bewertung von Mehrfachrückständen entwickelt das BfR ein Konzept, das auf internationalen Kenntnissen und Erfahrungen aufbaut. Dafür werden vor allem umfangreiche Daten zur Exposition benötigt. Unter Exposition versteht man die Menge eines Stoffes, mit der ein Verbraucher aus allen relevanten Quellen in Kontakt kommt. Im Zusammenhang mit der Bewertung von Mehrfachrückständen von Pflanzenschutzmitteln sind vor allem aktuelle Daten zu den Verzehrsgewohnheiten der Verbraucher wichtig. Des Weiteren sind Untersuchungen zu Wirkmechanismen und möglichen Interaktionen der Substanzen untereinander notwendig. Auf der Basis dieser Daten können dann Wirkstoffgruppen mit gleichem Wirkungsmechanismus identifiziert und Äquivalenzfaktoren zur Gewichtung der Einzelstoffe nach ihrer Giftigkeit abgeleitet werden.

"Es muss festgehalten werden, dass wir über ein Restrisiko und die Verbesserung der Bewertungspraxis reden - wir bewegen uns hier im Bereich der Vorsorge", sagte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Die Veranstaltung habe auch unterstrichen, dass ein auf europäischer Ebene einheitlich abgestimmtes Bewertungskonzept für Mehrfachrückstände entwickelt werden müsse. "Ein umfassendes Bewertungsmodell muss auf einer wissenschaftlichen Basis stehen, darüber wurde hier Einigkeit erzielt", so das Fazit von Hensel.

Weitere Informationen zum Thema Mehrfachrückstände finden Sie in einer Hintergrundinformation auf unserer Homepage http://www.bfr.bund.de unter dem Menüpunkt Presse/Themenbezogene Hintergrundinformationen.

Dr. Irene Lukassowitz | BfR - Pressedienst
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/cms5w/sixcms/detail.php/6978

Weitere Berichte zu: Pflanzenschutzmittel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie