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Auf neuen Wegen zur Medizin der Zukunft

26.10.2005


Erfolg durch Konzentration auf Kerngebiete: Innovative Wirkstoffe gegen Krebs und Thrombose


Mit der Konzentration auf die Therapiegebiete Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen / Diabetes ist die Pharmaforschung und -entwicklung von Bayer HealthCare (BHC) auf einem Erfolg versprechenden Weg. Diese Bilanz zog Dr. Wolfgang Plischke, Pharmaleiter von Bayer HealthCare, auf dem internationalen Presseforum am 24. Oktober 2005 im Bayer HealthCare Pharmazentrum Wuppertal. „Mit unserer strikten Ausrichtung auf Innovation und der Fokussierung auf Kerngebiete entwickeln wir nicht nur Medikamente, die auf einen hohen medizinischen Bedarf treffen. Unser Bestreben ist es auch, mit neuen Wirkmechanismen und Therapiekonzepten zur Spitze der Pharmaforschung zu gehören", so Plischke.

Zentrale Themen waren die beiden fortgeschrittenen Entwicklungsprodukte des Unternehmens: Das innovative Krebsmedikament Sorafenib, für das die Zulassung zur Behandlung von Nierenkrebs in den USA und Europa beantragt ist, und der neuartige Thrombosewirkstoff BAY 59-7939, der in Kürze die Phase III der klinischen Entwicklung erreicht. Während der ganztägigen Veranstaltung gab es zudem Einblicke in die zukunftsweisenden Konzepte der Kernforschungsgebiete Onkologie und Herz-Kreislauf-Risikomanagement sowie Informationen über innovative Technologien. Die wegweisende Strategie, mit der Bayer HealthCare aktuellen wie künftigen Herausforderungen begegnet, erläuterte Professor Wolfgang Hartwig, Leiter der weltweiten Pharmaforschung und -entwicklung von Bayer HealthCare.


„Von den ersten Schritten der Wirkstoffsuche bis zur Zulassung eines Medikaments vergehen im Schnitt 13 Jahre. Pro Medikament liegen die Kosten bei rund 900 Millionen Dollar. Dennoch liegt die Erfolgswahrscheinlichkeit, dass ein Medikament auf den Markt kommt, industrieweit nur bei ca. 0,7 Prozent“, fasste er die Hauptprobleme zusammen, mit denen sich die forschende Pharmaindustrie global konfrontiert sieht. Dieser Herausforderung begegne Bayer HealthCare mit einer integrativen Strategie in Forschung und Entwicklung. „Der Fokus ist auf die Erhöhung der Erfolgswahrscheinlichkeit und die Reduzierung der Entwicklungszeiten gerichtet“, sagte Hartwig.

Ein zentrales Element zur Beschleunigung des Entwicklungsprozesses sei der frühe Wirksamkeitsnachweis am Menschen (Proof-of-Concept) als erster bedeutender Meilenstein in der Medikamentenentwicklung. Der „Proof-of-Concept“ umfasst alle Schritte, die dazu dienen, nachzuweisen, ob das in Forschung und Präklinik bestätigte Wirkprinzip einer neuartigen Substanz auch beim Menschen trägt. „Durch einen frühen Wirksamkeitsnachweis am Menschen erhalten wir die Chance, die aussichtsreichsten Wirkstoffkandidaten so früh wie möglich zu identifizieren, um sie dann weiter zu entwickeln“, erklärte Hartwig. Für sieben Phase-I-Projekte in der Pharma-Pipeline erwartet Bayer HealthCare in 2006 Ergebnisse aus Proof-of-Concept-Studien.

Hartwig verwies auch auf die anerkannt starke Technologie-Plattform, in deren Aufbau Bayer HealthCare innerhalb der vergangenen acht Jahre insgesamt mehr als 500 Millionen Euro investiert hat. Dazu zählen unter anderem die Substanzbank mit rund 1,7 Millionen zum Großteil exklusiven Verbindungen, das Ultrahochdurchsatzscreening und die Kombinatorische Chemie. „Der Thrombosewirkstoff BAY 59-7939 und das Krebsmedikament Sorafenib zeigen, dass es durch den integrativen Einsatz dieser hoch entwickelten Technologien gelingt, neuartige Strukturen zu entdecken und so innovative Medikamente zu entwickeln“, betonte Hartwig.

Zum Beispiel zur Behandlung von Krebs. „Dies ist eine der größten Herausforderungen für die Pharmaforschung“, sagte er. „Krebserkrankungen fordern jedes Jahr weltweit sieben Millionen Tote.“ Deshalb zähle die Onkologie zu den Kernforschungsgebieten von BHC Pharma. Schwerpunkte seien die Entwicklung von Medikamenten zur Bekämpfung von verbreiteten und rezidivierenden Krebserkrankungen sowie zur Behandlung bei Metastasenbildung. Weiteres Ziel sei die Entwicklung von Wirkstoffen, die Tumorzellen bei minimalen Nebenwirkungen gezielt angreifen.

Diese Aufgaben übernimmt das Krebsforschungszentrum von Bayer HealthCare in West Haven, USA, unter Leitung von Dr. Joseph Catino. Dieser erläuterte die zukunftsweisende Forschungsstrategie des Unternehmens zur Entwicklung neuartiger Therapieansätze. „Ziel ist, dass es zukünftig für jede Tumorart eine individuelle Krebstherapie geben wird”, sagte er. Diesem Anspruch werde die Pharmaforschung von Bayer HealthCare durch ein vielfältiges Projekt-Portfolio gerecht, das sich an den unterschiedlichen Krankheitsmechanismen von Krebs orientiere. Als Beispiele nannte er tumorspezifische Signalketten, die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese) in Tumorzellen oder den bei Krebszellen gestörten Mechanismus des so genannten `pro-grammierten Zelltods` (Apoptose). Die Kompetenz der Bayer HealthCare Krebsforscher auf dem Gebiet der Kinase-Inhibitoren hob Catino ebenfalls hervor. Kinasen sind Vertreter einer großen Enzymklasse, die in Energieübertragungsprozessen der Zelle eine Rolle spielen. Zahlreiche Kinasen gelten als potenzielle Targets für innovative Krebsmedikamente.

Das viel versprechende Krebsmedikament Sorafenib aus der gemeinsamen Forschung von Bayer HealthCare und Onyx Pharamceuticals zählt ebenfalls zur Klasse der Kinase-Hemmer. „Sorafenib wirkt jedoch durch einen einzigartigen, dualen Mechanismus“, erklärte Dr. Dimitris Voliotis, Klinische Entwicklung Krebs bei BHC. Der Wirkstoff hemme sowohl die Krebszellteilung als auch die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese). Voliotis stellte die überzeugenden Ergebnisse der präklinischen und klinischen Studien zu Sorafenib umfassend dar. „Es konnte gezeigt werden, dass Sorafenib bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenkrebs im Vergleich zu Placebo die Überlebenszeit ohne Fortschreiten der Krankheit signifikant verlängert. Zudem konnte bei einer Mehrheit der mit Sorafenib behandelten Patienten eine Schrumpfung des Tumors beobachtet werden“, fasste er die wichtigsten Ergebnisse zusammen. Überdies hob er die gute Verträglichkeit und Sicherheit des Medikaments hervor. Die Zwischenergebnisse weiterer Studien zur Behandlung von metastasierendem Hautkrebs und fortgeschrittenem Leberkrebs seien ebenfalls ermutigend.

Ähnlich Erfolg versprechend verläuft die Entwicklung des Hoffnungsträgers BAY 59-7939 aus der Herz-Kreislauf-Forschung von Bayer HealthCare, die Dr. Frank Misselwitz, Leiter der Klinischen Entwicklung des Wirkstoffs, unter dem Titel „Faktor Xa-Inhibitor – Paradigmenwechsel in der Thromboseforschung“ zusammenfasste. „Thromboembolische Ereignisse wie Lungenembolie oder durch Vorhofflimmern ausgelöster Schlaganfall zählen zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrienationen“, sagte er. Das Interesse an neuen Präparaten, die die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Überwachung der Gerinnungsparameter im Blut überflüssig machen und den Komfort einer Anwendung in Tablettenform bieten, sei daher sehr hoch.

Der Faktor Xa-Inhibitor von Bayer HealthCare habe das Potenzial diese Therapielücke zu schließen. „Der Faktor Xa-Inhibitor ist ein direkter Hemmstoff des Blutgerinnungsfaktors Xa und erlaubt eine orale Einnahme ohne die Notwendigkeit eines regelmäßigen Sicherheits-Monitorings“, erklärte er. Misselwitz erläuterte ausführlich die positiven Ergebnisse der Klinischen Studien der Phase II. „Es konnte gezeigt werden, dass der Faktor Xa-Inhibitor bei der Prävention von Thrombosen nach orthopädischen Eingriffen mindestens ebenso wirksam und sicher ist wie die Standardtherapie.“

Therapiebedarf besteht nicht nur bei der Indikation Thrombose. „Auch bei chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es hohen Bedarf an neuen innovativen Medikamenten“, sagte Professor Andreas Busch, Leiter der Pharmaforschung Europa. Forschung auf den Gebieten `Koronare Herzerkrankungen`, `Herzinsuffizienz` und ´Diabetes´ gehören daher ebenfalls in den Fokus der Bayer-HealthCare-Strategie . Busch erläuterte, dass sich die Herz-Kreislauf-Forschung von Bayer HealthCare außerdem auf Mechanismen zu häufig vorliegenden Mehrfacherkrankungen konzentriere Trotz unterschiedlicher Symptomatik liege hierbei auf molekularer Ebene oft ein gemeinsamer pathophysiologischer Mechanismus zu Grunde. „Diese „common-mechanism“-Strategie ist daher neben klassischen Forschungsansätzen ein weiterer Ansatz in der Herz-Kreislauf-Forschung“, so Busch. In seiner Präsentation stellte er einige der viel versprechenden frühen Forschungsprojekte vor, die sich auf die Entwicklung von Wirkstoffen zur Behandlung solcher Mehrfacherkrankungen richten.

Ob in der Herz-Kreislauf- oder in der Krebsforschung – im komplexen Entwicklungsprozess von der Leitstruktur zum Wirkstoff spielt die Medizinische Chemie eine zentrale Rolle. Dr. Hanno Wild, Leiter der Medizinischen Chemie von Bayer HealthCare, machte deutlich, dass Chemie und Biotechnologie in diesem Prozess eng miteinander verknüpft sind. Dies ergebe sich bereits aus der Aufgabe der Chemie in der Pharmaforschung. „Pharmazeutische Wirkstoffe sind chemische Substanzen, die mit biologisch relevanten biologischen Makromolekülen in Wechselwirkung treten. Unsere Aufgabe ist die Entdeckung von Leitstrukturen und deren Optimierung zu solchen Wirkstoffen“, erklärte er. Dies leiste die Medizinische Chemie bei Bayer HealthCare im engen Wechselspiel mit allen Disziplinen der Forschung und unter Einsatz modernster Technologien. Dazu zählte er unter anderem die Substanzbank, das High-Throughput-Screening sowie die computergestützte Chemie.

Dass dieser Prozess in vielen Fällen zum Erfolg führt, erläuterte Wild am Beispiel von Sorafenib und BAY 59-7939: „Bei beiden Substanzen gelang es, in dem Prozess von der Leitstruktur zum Wirkstoff mithilfe gezielter Molekülveränderungen eine dramatische Wirkverbesserung zu erzielen.“

Zukunftsweisende Technologien werden die Effizienz der Medikamentenentwicklung bei Bayer HealthCare weiter erhöhen. Dazu zählt zum Beispiel der Einsatz von Biomarkern. „Im Rahmen der so genannten „Theranostik“ bieten Biomarker die Möglichkeit Diagnose und Therapie individuell aufeinander abzustimmen“, sagte Dr. Brian Dixon, Leiter Forschungstechnologien USA. Bei Bayer HealthCare sei die Biomarker- Forschung bereits weit fortgeschritten. Dies belegte er mit viel versprechenden Daten aus dem Therapiegebiet Krebs. Zudem profitiere Bayer HealthCare bei der Biomarker-Entwicklung von den Synergien, die sich aus der Zusammenarbeit der Divisionen Pharma und Diagnostics ergäben. Dixon sagte: „Mit der Biomarker-Technologie ist Bayer HealthCare auf die individualisierte Medizin der Zukunft vorbereitet.“

| Bayer AG
Weitere Informationen:
http://www.bayer.de

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