Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diagnose der Zuckerkrankheit: Infrarot-Strahlung statt Blutabnahme

20.10.2005

Die Diagnose der Zuckerkrankheit und die langfristige Kontrolle der Blutzuckerspiegel könnten bald ohne Blutabnahme möglich sein. Wissenschaftler um Dr. H. Michael Heise vom ISAS - Institute for Analytical Sciences an der Universität Dortmund weisen den Diabetes stattdessen mithilfe von Infrarot-Strahlung nach, die in die Haut eindringt und dort teilweise reflektiert wird. Die Methode funktionierte in umfangreichen Testreihen bereits so gut, dass sie schlecht eingestellte Diabetiker mit einer Zuverlässigkeit von über 85 Prozent identifizierte. Ihre Entwicklung wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.

"Aus dem Reflexionsmuster der Infrarot-Strahlung können wir ableiten, welche Substanzen in der Haut vorkommen", erklärt Heise. So lässt sich feststellen, ob dort zu viele glykierte ("verzuckerte") Proteine und deren Folgeprodukte vorhanden sind. Glykierte Proteine entstehen unter anderem durch den für die Zuckerkrankheit typischen erhöhten Blutzuckerspiegel. Heise: "Unser Verfahren misst im Grunde genommen die Farbe der glykierten Proteine und ihrer Folgeprodukte. Viele chemische Substanzen haben ,Farben’ im Infrarotbereich. Das ist eigentlich dasselbe wie bei Kleidungsstücken oder Blumen, die ja auch ihre Farben haben." Im täglichen Leben begegnet man glykierten Proteinen zum Beispiel auf dem Sonntagsbraten. Sie färben gebratenes Fleisch braun.

Die Apparatur für die Diabetes-Diagnose mit Infrarot-Strahlung verwendet zur Hautmessung eine Sonde, die wie eine kleine Pistole aussieht. Sie wird auf die Haut gerichtet, die Untersuchung dauert dann etwa eine Minute. Um die optimalen Wellenlängen der Infrarot-Strahlung und den optimalen Messort zu bestimmen, führte Heises Team mehr als 1.000 Messungen bei 109 Studienteilnehmern durch. Die besten Ergebnisse wurden mit Messungen an der Fingerkuppe erzielt. Als nächstes sollen nun Partner aus der Industrie gefunden werden, die sich für das Verfahren interessieren und es weiter entwickeln wollen. Ziel ist ein kleines, unkompliziertes Gerät, das in Arztpraxen oder Apotheken eingesetzt werden kann. Heise und seine Kollegen sind überzeugt, dass ihre Technik den Kampf gegen die Zuckerkrankheit voran bringen wird. Ohne Pieks sinkt die Hemmschwelle der Patienten, sich untersuchen zu lassen, so ihre Hoffnung. Vorteil: Der Diabetes wird früh erkannt und früh behandelt. Dadurch lassen sich schwere Folgekrankheiten mit Gefäß-, Augen- und Nierenschäden verhindern.

Neben Heises Team aus Dortmund waren an dem Projekt Wissenschaftler um Professor Dieter Ihrig von der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn und Privatdozent Markus Stücker von der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum beteiligt.

Dr. H. Michael Heise | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.ansci.de

Weitere Berichte zu: Diabetes Infrarot-Strahlung Protein Zuckerkrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics