Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kann individuelle Therapie Brustkrebs heilen?

27.09.2005


Ein Brustkrebs-Biochip mit ausgewählten, brustkrebsrelevanten Genen ermöglicht eine differenzierte Diagnose und damit eine individuelle Therapie.


Die Gründe für das Wachstum von Brusttumoren sind vielfältig. Anhand einer differenzierten Diagnose mit Hilfe von Biochips kann der Arzt im Voraus abschätzen, mit welcher Behandlungsmethode die Heilungschancen am größten sind. Ein solcher Biochip wird am Fraunhofer IGB in Zusammenarbeit mit dem Robert-Bosch-Krankehaus Stuttgart und den Universitäten Stuttgart und Tübingen entwickelt und getestet.

... mehr zu:
»Biochip »Brustkrebs »Gen »Krebserkrankung

Brustkrebs gilt als häufigste Krebserkrankung von Frauen in industrialisierten Ländern. Etwa jede neunte Frau erkrankt im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs. Die Ursachen der Krebsentstehung können sehr unterschiedlich sein. Für etwa fünf Prozent aller Fälle ist eine erblich bedingte Ursache nachgewiesen, bei den übrigen Patientinnen sind die eigentlichen Entstehungsmechanismen weitgehend ungeklärt. Daher existiert noch keine Therapieform, die bei allen Betroffenen gleich erfolgreich ist.

Die gegenwärtige Diagnostik beinhaltet in der Regel zunächst das Ertasten von Knoten in der Brust, die dann durch bildgebende Verfahren wie der Mammographie weiter untersucht werden. Bei fortbestehendem Krebsverdacht wird das Gewebe operativ entfernt und untersucht. Die Gründe für das Tumorwachstum sind vielfältig, z. B. kann dies die krankhafte Überexpression von Wachstumsfaktor-Genen sein. Die individuelle Ursache zu kennen ist deshalb grundlegend für den behandelnden Arzt, um sich für die richtige Therapie entscheiden zu können. Er benötigt dringend eine differenzierte Diagnose, um im Voraus abzuschätzen, mit welcher Behandlungsmethode die Heilungschancen am größten sind. Hierzu kann die Untersuchung der Tumoren mit Hilfe von Biochips ein geeignetes Mittel sein.


In einem von der Landesstiftung Baden-Württemberg geförderten Verbundforschungsprojekt entwickelt das Fraunhofer IGB in Zusammenarbeit mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart sowie den Universitäten Tübingen und Stuttgart seit Mitte 2002 einen Biochip zur verbesserten, individuellen Brustkrebsdiagnose. Hiermit werden mehrere hundert ausgewählte Genabschnitte zur Klassifizierung von Mammakarzinomen innerhalb eines einzigen Ansatzes schnell und zuverlässig untersucht. "Der Biochip wird gegenwärtig mit klinischem Probenmaterial getestet. Diese Ergebnissen sollen helfen, den optimalen Therapieansatz individuell zu bestimmen." sagt Nicole Hauser, Projektleiterin in der IGB Arbeitsgruppe "Genomics, Proteomics, Screening".

Die Biochips wurden zunächst mit Hilfe von bereits etablierten Brustkrebs-Zelllinien entwickelt. Seit dem Start des Forschungsprojekts wurden in einer Gewebebank am Robert-Bosch-Krankenhaus über hundert Mammakarzinome gesammelt. Diese werden fortlaufend mit dem erprobten Biochip untersucht. Aus den Analysen ergeben sich so genannte Genexpressionsprofile von Tumoren, die auch dazu dienen, bioinformatische Verfahren für Vorhersagen über den klinischen Verlauf einer Krebserkrankung zu entwickeln.

"Der große Unterschied zu bisherigen Studien ist, dass hier kein unspezifischer Biochip genutzt wird, sondern eine ausgesuchte Zahl von Genen zusammengestellt wurde. Dies konzentriert die Analyse auf brustkrebsrelevante Gene, die im Unterschied zu gesamtgenomischen Biochips eine kostengünstige, zielgerichtete Herstellung und damit eine zukünftige Verbreitung dieser Technologie für alle Patienten ermöglichen" erklärt Nicole Hauser. Die Entwicklungen werden von Partnerfirmen begleitet, die an der zukünftigen Nutzung und Vermarktung dieser spezifischen Biochiptechnologie interessiert sind. Bei erfolgreicher Anwendung ist es denkbar, die Technologie auch auf andere Tumorarten wie beispielsweise Coloncarcinome auszuweiten.

Der Brustkrebs-Biochip wird gezeigt auf der diesjährigen Biotechnica vom 18.-20. Oktober in Hannover. Wir freuen uns auf einen Besuch am Stand des Fraunhofer-Verbunds Life Sciences in Halle 3, Stand E16.

Dr. Claudia Vorbeck | idw
Weitere Informationen:
http://www.igb.fhg.de/WWW/Presse/Jahr/2005/dt/PI_Brustkrebs-Chip.html
http://www.igb.fhg.de

Weitere Berichte zu: Biochip Brustkrebs Gen Krebserkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE