Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bessere Lernerfolge durch Dopamin?

22.09.2005


Wie lässt sich das Lernen verbessern? Diese Frage ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund des schlechten Abschneidens deutscher Schüler bei der PISA-Studie von besonderer Aktualität. Die Diskussion konzentrierte sich dabei allerdings bislang vornehmlich auf politisch beeinflussbare Aspekte wie Klassengröße oder Lehrpläne. In einem soeben bewilligten Forschungsprojekt an der Universität Münster wollen Wissenschaftler unterschiedlicher Fachgebiete jetzt untersuchen, inwieweit Lernen, Gedächtnis und eine Funktionserholung des Gehirns (etwa nach Schlaganfall) durch eine Beeinflussung des Gehirnbotenstoffs Dopamin verbessert werden kann und welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird dieses Verbundprojekt, dessen Sprecher Prof. Dr. Stefan Knecht von der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster (UKM) ist, für drei Jahre mit gut 1,1 Millionen Euro fördern.



Die besten Voraussetzungen für Lernerfolge und Gedächtnisbildung bestehen während der Gehirnreifung, das heißt im Kindes- und Jugendalter, sowie in Situationen, die für die jeweilige Person von besonderer Bedeutung sind. Mittlerweile haben Wissenschaftler verschiedene Faktoren im Organismus identifiziert, die das Lernen fördern. Einige von ihnen können sogar gezielt beeinflusst werden. Dazu gehört der Neurotransmitter Dopamin. Wie Prof. Knecht berichtet, kann eine medikamentös (durch Gabe einer Vorläufersubstanz) bewirkte Erhöhung dieses Botenstoffs im Gehirn sowohl den Lernerfolg verbessern als auch eine Erholung geschädigter Hirnfunktionen nach einem Schlaganfall beschleunigen. Diese "dopaminerge Modulation", das heißt die Beeinflussung dieses Gehirnbotenstoffs, bietet laut Knecht "vielversprechende therapeutische Möglichkeiten".



Diese Möglichkeiten und die Mechanismen, die dabei eine Rolle spielen, näher zu erforschen, ist Ziel des soeben genehmigten Verbundprojektes in Münster. Thematisch wird dabei ein großer Bogen geschlagen von Veränderungen des Lebensstils bis hin zu neuronalen Stammzellen. Das Forschungsteam umfasst daher Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen. Neben Neurologen sind Sportwissenschaftler, Neuropsychologen, Psychologen Neurolinguisten, Physiker, Verhaltensbiologen und Biokybernetiker beteiligt. Die Methoden, die dabei zum Einsatz kommen, reichen von bildgebenden Verfahren wie Magnetenzephalographie und Kernspintomographie über Verhaltens- und Sporttraining bis hin zu molekulargenetischen Untersuchungen.

Im Rahmen dieses groß angelegten Projektes werden die Forscher unter anderem der Frage nachgehen, ob Dopamin das Lernen bereits auf der Ebene der Sinnesreizverarbeitung beeinflusst. Ferner wollen sie untersuchen, welche Gehirnsysteme intakt sein müssen, damit es überhaupt zu einer Verbesserung von Lernen und Gedächtnis durch Dopamin kommen kann. Im Fokus ihres Interesses steht aber beispielsweise auch, wie weit sich eine Spracherholung nach Schlaganfall durch den Gehirnbotenstoff verbessern lässt. Darüber hinaus wollen sie herausfinden, ob das Lernen auch durch körperliches Training gefördert werden kann, weil dadurch der Dopamin-Spiegel im Gehirn angehoben wird. Nicht zuletzt richten die münsterschen Wissenschaftler ihren Blick auch auf die molekularen Mechanismen, die bei der durch Dopamin bewirkten Lernverbesserung eine wichtige Rolle spielen.

Von den Ergebnissen des Forschungsprojektes sollen Medizin und Gesellschaft profitieren. So könnten auf der Grundlage der Ergebnisse neue neuromodulatorische Therapien in der Klinik, etwa zur noch effektiveren Behandlung von Schlaganfall-Patienten, entwickelt werden. Zum anderen wollen die Wissenschaftler der Gesellschaft Erkenntnisse über optimale Bedingungen für Lernen und Gedächtnis liefern. Dieser doppelte Nutzen ist auch Ziel des BMBF-Programms zur "Förderung von Forschungsverbünden zu kognitiven Leistungen und ihren Störungen beim Menschen", in dessen Rahmen das Projekt in Münster gefördert wird. So soll laut Ausschreibung eine Brücke geschlagen werden zwischen der klinischen Forschung an Patienten und einem Forschungsansatz, der das grundlegende Verständnis höherer Hirnfunktionen zum Ziel hat.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://neurolog.uni-muenster.de/cms/front_content.php
http://www.uni-muenster.de

Weitere Berichte zu: Dopamin Gehirnbotenstoff Schlaganfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie