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Klarer Blick nach Grauem Star

12.08.2005


Der Graue Star betrifft viele alte Menschen. Wenn die Linsentrübung den Alltag beeinträchtigt, hilft nur die Operation. Im EU-Projekt MIRO entwickeln Wissenschaftler neue Kunststoffe für dünnere Intraokularlinsen. Sie erlauben bessere minimalinvasive Operationstechniken.


Nachdem der Chirurg die trübe Linse entfernt hat, ...


... schiebt er die gerollte Kunststofflinse durch einen winzigen Schnitt unter die Hornhaut.
© ACRIMED GmbH



Der Graue Star gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen. Ab dem 50. Lebensjahr machen sich erste Anzeichen wie verschleierte Sicht oder größere Blendempfindlichkeit vor allem bei Nachtfahrten bemerkbar. Die graue Trübung der Augenlinse verursachen Proteine, die langsam kristallisieren. Erst wenn ältere Menschen in ihren täglichen Aufgaben beeinträchtigt sind, raten Ärzte zur Operation. Mit Ultraschall zerstört der Chirurg die alte, trübe Linse und saugt sie ab. In den Linsensack bringt er eine neue Linse aus Kunststoff ein. Rund 670 000 davon werden jährlich allein in Deutschland eingesetzt.



Ist der Schnitt in der Hornhaut sehr klein, muss hinterher nicht mehr genäht werden - er schließt sich selbst und heilt. "Ziel der Mediziner ist es, die Schnittbreite bei der Operation von bisher drei Millimeter auf 1,5 zu verringern", erläutert Joachim Storsberg, Chemiker am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Golm bei Potsdam. "Faltbare Intraokularlinsen aus Hochleistungspolymeren ermöglichen eine mikro-invasive Chirurgie, die ambulant durchgeführt werden kann und noch besser vertragen wird als bisherige Operationsverfahren." Erste OP-Techniken, bei denen der Schnitt derart klein ausfällt, gibt es bereits. Allerdings sind noch keine dazu passenden Intraokularlinsen auf dem Markt. Im CRAFT-Projekt MIRO (Micro Incision Research in Ophthalmology) entwickelt Storsberg mit europäischen Kollegen neue Kunststoffe dafür.

Der Brechungsindex für Intraokularlinsen liegt derzeit bei rund 1,5. Die Höhe des Werts gibt an, wie stark Licht an der Grenze zweier Stoffe gebrochen wird - in diesem Fall Wasser im Auge und Kunststoff. Je größer der Brechungsindex, desto dünner kann man die Linsen fertigen. Die Fraunhofer-Forscher erreichen bereits einen Wert, der deutlich höher liegt als bei derzeit erhältlichen Linsen. Die aussichtsreichsten Materialien sind hochbrechende Acrylate mit Vernetzern und Polymere, die Nanopartikel aus Titanoxid enthalten. Beide besitzen eine hohe optische Transparenz und Flexibilität, also Falt- und Rollbarkeit. Sie sind nicht toxisch, biokompatibel und langzeitstabil. Im gefrorenen Zustand lassen sie sich maschinell bearbeiten oder durch photochemische Polymerisation direkt in der gewünschten Form herstellen. "Bereits 2006 sollen die neuen Linsen für den Einsatz an Patienten zur Verfügung stehen", hofft Dr. Wolfgang Müller-Lierheim , Projektkoordinator beim Unternehmen CORONIS GmbH in Martinsried bei München. "Die klinischen Tests sollen ebenfalls im kommenden Jahr abgeschlossen werden."

Ansprechpartner:
Dr. Joachim Storsberg
Telefon: 03 31 / 5 68-13 21, Fax: -25 21
joachim.storsberg@iap.fraunhofer.de

Dr. Eckhard Görnitz
Telefon: 03 31 / 5 68-13 02, Fax: -30 00
eckhard.goernitz@iap.fraunhofer.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.iap.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Brechungsindex Intraokularlinse Linse MIRO

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