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Bestrahlung in vier Dimensionen

01.07.2005


Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus erhält Innovationspreis der deutschen Hochschulmedizin / Auszeichnung für Entwicklung der schonenden vierdimensionalen Strahlentherapie



Den bösartigen Tumor effektiv bestrahlen, umliegendes gesundes Gewebe schonen: Das ist das Ziel jeglicher Strahlentherapie. Mit der neuen Methode der vierdimensionalen Bestrahlung, die nicht nur die Ausdehnung des Tumors, sondern auch seine zeitliche Lageveränderung berücksichtigt, ist man diesem Ziel nun erheblich näher gekommen.



Für die Entwicklung dieser neuen Therapieform wurde Professor Dr. Dr. Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Radioonkologie und Strahlentherapie des Universitätsklinikums Heidelberg, mit dem Innovationspreis der Deutschen Hochschulmedizin ausgezeichnet. Die Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Preises fand anlässlich des 1. Innovationskongresses der deutschen Hochschulmedizin vom 23. bis 24. Juni 2005 in Berlin statt.

Kurzfristige Lageveränderungen des Tumors werden bei neuer Therapie berücksichtigt

Bei der 4D-Strahlentherapie werden nicht nur die räumlichen Dimensionen des kranken Gewebes beachtet; auch den Parameter Zeit berechnen die Experten in den individuellen Bestrahlungsplan ein. So verändert sich z.B. die Lage eines Lungentumors mit jedem Ein- und Ausatmen des Patienten. Die Position eines Prostatatumors hängt davon ab, wie stark Darm und Blase gefüllt sind.

In Kooperation mit Professor Dr. Wolfgang Schlegel, Abteilung Medizinische Physik des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg, und Partnern aus der Industrie ist es Professor Debus gelungen, ein neuartiges Bestrahlungsverfahren zu entwickeln, das eine vierdimensionale Strahlentherapie erlaubt. Für die computergestützte Bestrahlungsplanung werden mit einem Computertomographen der neuesten Generation Bilddaten von der zu bestrahlenden Körperregion erstellt. Durch die Entwicklung entsprechender Software ist es nunmehr möglich, die atembedingten Verlagerungen von Organen mit der Zeit zu erfassen.

Anhand dieser Aufnahmen können die Experten die zeitabhängige Position des Tumors beobachten und den Bestrahlungsplan an die Veränderungen anpassen. Das Verfahren wird daher auch adaptive Strahlentherapie genannt. So wird das umliegende gesunde Gewebe besser geschont und eine Bestrahlung von Krebszellen mit höherer Dosis möglich. Vor allem Patienten mit Prostata- oder Lungenkrebs wurden bisher mit der neuen Methode erfolgreich behandelt.

Ionenstrahlung ist präziser als konventionelle Röntgenstrahlung

Darüber hinaus ist es Professor Debus gelungen, in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI), Darmstadt, und dem Deutschen Krebsforschungszentrum, Ionenstrahlung für die Strahlentherapie einzusetzen. Diese Strahlen haben einzigartige Eigenschaften, da sich ihre Eindringtiefe mit millimetergenauer Präzision steuern lässt und somit im Gegensatz zur konventionellen Röntgenstrahlung das Gewebe des Patienten besser geschont wird.

Diese Strahlenart, die zudem eine hohe biologische Effektivität hat, wurde mittlerweile nach Erprobung im Rahmen von klinischen Studien bei 250 Patienten eingesetzt. Die klinischen Ergebnisse übertrafen besonders bei Tumoren der Schädelbasis und der Wirbelsäule die Ergebnisse der konventionellen Therapie deutlich. Derzeit laufen in Heidelberg klinische Untersuchungen zur Behandlung von Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs.

Neue Therapie ab Herbst 2007 im Heidelberger Ionenstrahl-Therapie Centrum

Derzeit werden Patienten, die eine Schwerionentherapie benötigen, an der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt bestrahlt. Ab Herbst 2007 wird die Therapie im neuen Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT), in unmittelbarer Nachbarschaft der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg, angeboten. Die weltweit einzige Anlage zur Krebsbehandlung mit Schwerionen und Protonen befindet sich derzeit im Aufbau. Eingebettet in das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, sollen dann mindestens 1.000 Patienten pro Jahr von der neuen Therapie profitieren.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

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