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Cholesterin als Risikofaktor von altersbedingten Krankheiten identifiziert

26.04.2005


Neuer Einsatz für cholesterinsenkende Medikamente


Der fettähnliche körpereigene Stoff Cholesterin gilt seit langem als Risikofaktor für Arterienverkalkung und andere Herz-Kreislauferkrankungen. Wie Forscher um Marcus Fändrich und Gerald Gellermann vom Leibniz-Institut für Molekulare Biotechnologie (IMB) in Jena in der jüngsten Ausgabe der renommierten amerikanischen Wissenschaftszeitschrift Proceedings of the Natural Academy of Sciences U.S.A. berichten, übt Cholesterin aber auch einen Einfluss auf die Bildung von sogenannten "Amyloid-Ablagerungen" aus. Neu ist die Erkenntnis, dass die Ablagerungen nicht nur aus Eiweiß-Verklumpungen bestehen, sondern auch Fette und Cholesterin enthalten. Derartige Ablagerungen treten im menschlichen Körper im Verlauf der nach ihnen benannten Amyloid-Krankheiten auf. Dazu gehören beispielsweise Alzheimer- und Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder der Typ II Diabetes. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Bildung der Ablagerungen in allen Fällen derselbe biochemische Prozess zugrunde liegt.

Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass Amyloid-Ablagerungen im Wesentlichen aus Eiweißen bestehen. Diese Eiweiße sind zwar ursprünglich körpereigene Stoffe, doch nehmen sie in den Amyloid-Ablagerungen eine abnormale, faserartige Gestalt an. Alterungs-assoziierte Amyloid-Ablagerungen findet man in der Aortenwand praktisch jedes Menschen ab dem sechsten Lebensjahrzehnt. Sie können zu einer langsamen Zersetzung der Blutgefäßwand führen. In ihrer aktuellen Studie beschreiben die Jenaer Forscher, dass Amyloid-Ablagerungen nicht nur aus den bisher bekannten Eiweiß-Verklumpungen bestehen, sondern auch Fette und insbesondere Cholesterin enthalten. Dieser Befund bestätigte sich unabhängig davon, unter welcher Art von Amyloid-Erkrankung der betroffene Patient litt, oder dem Gewebe, in welchem die Amyloid-Ablagerungen gefunden wurden. Es handelt sich bei Cholesterin also offensichtlich um eine allgemeine Komponente der Amyloid-Ablagerungen. In zellbiologischen Studien wiesen die Wissenschaftler nach, dass die Amyloidbildung an cholesterinreichen Inseln von zelluären Membranen erfolgt und die Verabreichung von Cholesterinsenkern wie dem in der Klinik verwendete Lovastatin die Amyloidbildung reduziert. Die Wissenschaftler glauben daher, dass es einen für verschiedene Krankheiten gemeinsamen zellulären Bildungsmechanismus dieser Ablagerungen gibt.


Diese Strukturen könnten als Angriffspunkte für neue Therapien dienen, in welchen bereits jetzt klinisch getestete Wirkstoffe (Statine) zu einem neuen Einsatz kommen. Außerdem werfen die Arbeiten die Frage auf, ob das Risiko von Amyloid-Erkrankungen individuell und ernährungsbedingt beeinflußbar ist, etwa durch eine cholesterinarme Diät. Marcus Fändrich jedenfalls hat Cholesterinbomben bis auf Weiteres von seinem Ernährungsplan gestrichen.

Die Veröffentlichung erscheint gedruckt am 3. Mai 2005 und vorab online (http://www.pnas.org/papbyrecent.shtml, Erscheinungszeitraum 25.-29. Mai). Die Sperrfrist läuft am 25. April 23:00 Uhr MESZ ab. PNAS hat zugesagt, für Pressezwecke auch früheren Einblick in die Publikation zu gewähren. Bitte beachten Sie die Embargofrist.

Titel: "Raft lipids as common component of human extracellular amyloid fibrils"

Autoren: Gerald P. Gellermann, Thomas R. Appel, Astrid Tannert, Anja Radestock, Peter Hortschansky, Volker Schroeckh, Christian Leisner, Tim Luetkepohl, Shmuel Shtrasburg, Christoph Röcken, Mordechai Pras, Reinhold P. Linke, Stephan Diekmann, Marcus Fändrich

Zeitschrift: Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A.

Kontakt:
Dr. Marcus Fändrich
Leibniz-Institut für Molekulare Biotechnologie (IMB)
Beutenbergstrasse 11
D-07745 Jena, Germany
Tel: +49 3641 656306
Fax: +49 3641 656310
E-Mail: fandrich@imb-jena.de

Das Leibniz-Institut für Molekulare Biotechnologie gehört mit 83 anderen außeruniversitären Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen für die Forschung zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen, Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat von 950 Millionen Euro.

Dr. Frank Stäudner | idw
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/papbyrecent.shtml
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

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