Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rückenschmerz muss nicht chronisch werden

01.08.2001


Bilder: MedRUBIN



Ein am Institut für Medizinische Psychologie (Prof. Dr. Monika Hasenbring) entwickeltes PC-gestütztes Instrumentarium ermöglicht es Ärzten jetzt, Risikopatienten für chronische Rückenschmerzen frühzeitig zu ermitteln und entsprechend zu behandeln. Die Chance, wieder schmerzfrei zu werden liegt dreimal höher als ohne die spezielle Therapie.

  • Rückenschmerz muss nicht chronisch werden
  • Risikopatienten erkennen und behandeln
  • MedRUBIN: Zweites Sonderheft erschienen

Ob Rückenschmerzen chronisch werden oder nicht, hängt stark von psychologischen Risikofaktoren ab: Depressive Stimmung, Alltagsstress und ungünstige Schmerzbewältigung können dazu beitragen. Ein am Institut für Medizinische Psychologie (Prof. Dr. Monika Hasenbring) entwickeltes PC-gestütztes Instrumentarium ermöglicht es Ärzten nun, Risikopatienten frühzeitig zu ermitteln und entsprechend zu behandeln, damit die Schmerzen nicht chronisch werden. Derart therapierte Risikopatienten haben Studien zufolge eine dreimal höhere Chance, langfristig wieder schmerzfrei zu werden.

Psychische Faktoren machen den Schmerz chronisch

"Mir geht’s nicht gut, ich hab’s im Kreuz" - wer kennt das nicht: Rückenschmerzen kommen und gehen wie eine Grippe. Zu Anfang sind sie meist ein orthopädisches Problem. Jedoch werden sie in etwa einem Drittel der Fälle chronisch, d. h. sie dauern über drei Monate an. Beim Übergang vom akuten zum chronischen Schmerz spielen psychologische Risikofaktoren eine große Rolle. Depressive Stimmungen verringern z. B. die Ausschüttung körpereigener Opiate, was den Patienten schmerzempfindlicher macht. Anhaltender Stress erhöht Studien zufolge die Aktivität der Rückenmuskeln im Lendenbereich.

Gleich schlechte Extreme: Ängstlichkeit und Durchhalten

Ausschlaggebend ist auch, wie ein Patient Schmerzen individuell bewältigt. Patienten, die sich ängstlich schonen, vermeiden häufig möglichst körperliche und soziale Aktivitäten. Das führt langfristig zu Muskelschwäche und dadurch zu vorschnellen Schmerzen. Der Kreis schließt sich, wenn Betroffene durch ihre selbstgewählte Isolation in depressive Stimmung verfallen. Genauso schädlich ist ein übertriebenes Durchhaltevermögen. Betroffene unterdrücken den Schmerz in Gedanken und Verhalten und können keine Entspannungspausen machen. Entweder haben sie dies nie gelernt, oder sie haben Barrieren, deren Wurzeln in der frühen Kindheit liegen: Wer immer zu hören bekommen hat, dass "faul herumzuliegen unanständig ist", der wird Probleme haben sich zu entspannen.

Pause machen kann man lernen

Um Risikopatienten frühzeitig erkennen zu können, haben die Psychologen nun ein Telemedizinisches Patienten-Diagnose-System (TPDS) entwickelt. Es erlaubt Ärzten in ihren Praxen, Rückenschmerzen zu diagnostizieren und sich für die richtige Behandlung zu entscheiden. Besteht das Risiko, durch vorübergehenden Stress am Arbeitsplatz chronische Rückenschmerzen zu bekommen, kann schon eine eingehende Beratung helfen. Bei lerngeschichtlichen Faktoren wie einem ungünstigen Schmerzverarbeitungsverhalten ist eine individuelle, verhaltenstherapeutische Behandlung notwendig. In Einzel- oder Gruppengesprächen mit Schmerztherapeuten können Patienten lernen, wie sie ihre Schmerzen im Alltag besser bewältigen. Sie lernen z. B. muskuläre und mentale Tiefenentspannung und wie sie effektive Pausen einlegen können. Studien belegen bereits den Erfolg dieses Konzepts: Während von einer Gruppe Risikopatienten ohne Verhaltenstherapie 34 Prozent einen Antrag auf Frührente gestellt hatten, waren es in einer Risikogruppe mit Verhaltenstherapie nur acht Prozent.

MedRUBIN erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in MedRUBIN 2001, neben anderen Themen: Und immer ist der Arzt dabei (Chirurgie); Abwehr aus dem Gleichgewicht: Allergie durch Grippeviren (Allergologie); Ohne Schnitt unter die Haut (Dermatologie); Ein (Kunst-)Herz für Kinder (Herzchirurgie); Mit Blutstammzellen gegen Krebs (Innere Medizin); Parkinsongenetik: Schutz und Vorsorge im Blick (Neurologie); Endlich hinein in die Lehrpläne (Ethik und Schmerz); "Hauptsache gesund" (Humangenetik); Dicht am Herzschlag (Biomedizinische Technik); Reparaturstrategien des Gehirns: Schaden macht jung (Neurophysiologie); In der Bäckerhefe Erbkrankheiten auf der Spur (Zellbiochemie). MedRUBIN ist für 9 DM im Dekanat der Medizinischen Fakultät erhältlich (Tel. 0234/32-24960).

Weitere Informationen

Prof. Dr. Monika Hasenbring, Institut für Medizinische Psychologie der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25439, Fax: 0234/32-14203, Email: monika.hasenbring@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Psychologie Rückenschmerz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie