Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risikofaktor Homocystein - das "neue Cholesterin"

11.04.2005


Internationaler Kongress mit Diskussionsrunde für die breite Bevölkerung 14. bis 16. April 2005


Die Klinische Chemie u. Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums des Saarlandes ist mit ihren Forschungen auf dem Gebiet der Hyperhomocysteinämie weltweit anerkannt. So gelang es dem Direktor Professor Dr. Wolfgang Herrmann zum vierten Mal 260 Experten aus 26 Ländern - darunter Australien, Neuseeland, Arabische Länder, Taiwan, Russland und die USA - zu einem Spitzenkongress ins Saarland zu holen.

Über drei Tage hinweg werden sich die besten Köpfe der Welt in zehn großen Themenblöcken mit allen Aspekten des Risikofaktors Homocystein befassen, das in Fachkreisen auch als das "neue Cholesterin" bezeichnet wird. Positionspapiere und neue Forschungen werden vor allem in Zusammenhang mit Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, kognitiven Störungen, neurodegenerativen Erkrankungen, Thrombosen und Knochenerkrankungen (Osteoporose) sowie Schwangerschaftskomplikationen diskutiert werden. Nachwuchsforscher und junge Mediziner stellen zudem auf rund 90 Postern ihre aktuellen Arbeiten vor.


Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Wissenschaftsminister Jürgen Schreier. "Die Erforschung der Hyperhomocysteinämie ist eine verhältnismäßig junge Wissenschaft von in hohem Maße politischer Natur. Die Ergebnisse Ihrer Forschungen sind für immer mehr Menschen von existenzieller Bedeutung. Um die Forschungsinfrastruktur der Universität des Saarlandes weiter zu verbessern entsteht auf dem Campus des Universitätsklinikums in Homburg ein Forschungsverfügungsgebäude, das den wissenschaftlichen Schwerpunkten, insbesondere in den Bereichen der Neurowissenschaften, der onkologischen Forschung und der Human- und Molekularbiologie neue Möglichkeiten eröffnen wird", betont Staatssekretärin Dr. Susanne Reichrath.

Die interessierte Bevölkerung und die Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen zur Diskussionsrunde "Hyperhomocysteinämie - Von der Wissenschaft zur Praxis" am Samstag, 16. April 2005, von 13.00 bis 15.00 Uhr, in der Congress-Halle Saarbrücken.

Die Diskussion wird von Prof. Dr. Wolfgang Herrmann moderiert. Unter den international ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Hyperhomocysteinämie wird auch ein praktizierender Arzt (Dr. med. Michael Schmidt, Gynäkologe und Endokrinologe aus Saarbrücken) vertreten sein, der seine praktischen Erfahrungen bzgl. Diagnostik und Therapie erläutert und für Fragen zur Verfügung steht.

Homocystein gilt als das "neue Cholesterin": Ist der Homocystein-Wert im Blut erhöht, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Thrombosen, Schlaganfall, für atherosklerotische Gefäß- und neurodegenerative Erkrankungen, wie kognitive Störungen, Depressionen oder Alzheimer Demenz, aber auch für Komplikationen in der Schwangerschaft. Hyperhomocysteinämie kann darüber hinaus mit einem erhöhten Tumorrisiko assoziiert sein.

Beim Homocystein handelt es sich um eine schwefelhaltige, nicht in der Nahrung vorkommende Aminosäure. Sie entsteht als Zwischenprodukt des Zellstoffwechsels beim Abbau von Methionin zu Cystein. Ist der Methionin-Stoffwechsel aufgrund eines Enzym- und/oder Vitaminmangels (Folsäure, Vitamin B12, B6) gestört, reichert sich Homocystein verstärkt im Blutplasma an und auch im Urin ist eine erhöhte Ausscheidung des Oxidationsproduktes Homocystin feststellbar: Die Folge nennt man Hyperhomocysteinämie.

Die Homocysteinkonzentration nimmt generell mit dem Alter zu und Männer haben im jüngeren Alter normalerweise höhere Werte als Frauen. Besonders ältere Menschen weisen aufgrund eines häufigen Vitaminmangels eine Tendenz zur Hyperhomocysteinämie auf, die jedoch durch eine entsprechende Vitamingabe leicht zu therapieren ist.

Erhöhte Konzentrationen von Homocystein werden bei 5 bis 10 Prozent der Allgemeinbevölkerung und bei bis zu 40 Prozent der Patienten mit Gefäßerkrankungen gemessen. Eine Konzentration von bis zu 10 µmol/l (mikro-Mol pro Liter) gilt als unbedenklich, bis zu 12 µmol/l sind bei ansonsten gesunden Menschen noch tolerierbar. Steigt der Wert aber über 12 µmol/l, sollte eine Therapie erfolgen.

Bei seltenen schweren Defekten von Enzymfunktionen, die genetisch bedingt sind, entwickeln Betroffene unbehandelt bereits im jugendlichen Alter neben anderen Symptomen schwere atherosklerotische Gefäßveränderungen, geistige Retardierung und Knochendeformationen. Häufig erleiden diese Patienten schon vor dem 25. Lebensjahr einen Herzinfarkt und ihre Lebenserwartung liegt bei unter 50 Jahren.

Neben einem Mangel an Folat, Vitamin B12 und B6 oder einem Enzymmangel kann auch eine Niereninsuffizienz Ursache für erhöhte Homocystein-Werte sein. Weiterhin beeinflussen zahlreiche Wirkstoffe, Medikamente, Erkrankungen (u.a. Diabetes) und Lebensstilfaktoren (Vegetarier, Schwangerschaft, Alkoholmissbrauch, Rauchen) den Homocystein-Stoffwechsel.

Zur Vorbeugung eines Folatmangels wird empfohlen, fünf Portionen frisches Obst und Gemüse am Tag zu sich zu nehmen. Diese Empfehlung ist allerdings nur schwer zu praktizieren und ist letztlich auch nicht erfolgreich, da aufgrund des modernen Umgangs mit den "Grünprodukten" wie auch mit der Essenzubereitung ein großer Teil des Folats verloren geht, so dass bei unserer Bevölkerung ein Folatmangel besteht, der über die Einnahme von Vitamin-Ergänzungen auszugleichen ist. In den USA werden beispielsweise Getreideprodukte mit Folsäure künstlich angereichert, um dadurch den Folatmangel auszugleichen und damit bei Frauen das Risiko für Schwangerschaften mit Neuralrohrdefekten zu reduzieren. Der genügenden Aufnahme von Vitamin B-12 ist ebenfalls Beachtung zu schenken, beispielsweise entwickeln ältere Menschen oder Vegetarier leicht einen Vitamin B-12 Mangel. Tierische Nahrungsmittel (Fleisch, Eier, Milchprodukte) oder Fisch sind gute Vitamin B12-Quellen. Vitamin B6 kommt besonders in Fleisch, Milch, Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse vor.

Für weitere Fragen steht Ihnen gerne zur Verfügung:
Prof. Dr. Wolfgang Herrmann, Tel. (06841) 16 30700, Fax (06841) 16-30703,
E-Mail: prof.wolfgang.herrmann@uniklinikum-saarland.de

Diskussionsrunde
"Hyperhomocysteinämie - Von der Wissenschaft zur Praxis"

16. April 2005
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Herrmann

13.00 - 13.10 Uhr Einführung zu Hyperhomocysteinämie und Risikofaktoren
(O. Stanger)

13.10 - 13.20 Uhr Hyperhomocysteinämie bei Risikogruppe I (Alter/Demenz, Nierenerkrankung, Thrombose, Vegetarismus)
(W.Herrmann)

13.20 - 13.30 Uhr Hyperhomocysteinämie bei Risikogruppe II (Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall)
(O. Hess)

13.30 - 13.40 Uhr Epidemiologie der Hyperhomocysteinämie
(K. Pietrzik)

13.40 - 13.50 Uhr Interventionsstudien zur Hyperhomocysteinämie
(J. Schneede)

13.50 - 14.00 Uhr Richtlinien der D.A.CH.-Liga Hyperhomocysteinämie e.V. (Behandlung und Prophylaxe)
(J. Geisel)

14.00 - 14.10 Uhr Empfehlungen der D.A.CH.-Liga Hyperhomocysteinämie e.V. zur Präanalytik, Analytik und Stufendiagnostik
(B. Fowler)

14.10 - 14.20 Uhr Homocystein in der Praxis
(M. Schmidt)

14.20 - 14.30 Uhr Diskussion

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Berichte zu: Cholesterin Homocystein Hyperhomocysteinämie Vitamin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten