Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorsicht vor Vergiftungen im Haushalt und Hobbybereich!

21.02.2005


Ärztliche Meldungen zu Unfällen mit Chemikalien liefern wichtige Informationen für den Schutz vor Gefahren



Ganz gleich, ob es sich um Haushaltsreiniger, Hobby- oder Heimwerkerprodukte, Holz- oder Pflanzenschutzmittel handelt: Sobald es zu Vergiftungen durch Chemikalien kommt, sind die hinzugezogenen Ärzte verpflichtet, diese gemäß Chemikaliengesetz an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu melden. Um den Menschen vor Schäden durch gefährliche Stoffe und Zubereitungen wirksam schützen zu können, ist die umfassende Kenntnis der Vergiftungsdaten unerlässlich. "Für eine realistische Einschätzung der gesundheitlichen Gefährdung des Menschen durch chemische Stoffe und Erzeugnisse", so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, "gewinnt die Dokumentation und Auswertung von Vergiftungsfällen zunehmend an Bedeutung". Im Gegensatz zu Arzneimitteln, die systematisch am Menschen erprobt würden, bildeten bei Chemikalien die Vergiftungsmeldungen die wichtigste und häufig die einzige Quelle, um relevante Informationen über die Giftigkeit von Stoffen für den Menschen zu erhalten.

... mehr zu:
»Ethylenglykol »Vergiftung


Im Jahr 2003 wurden der zentralen Erfassungsstelle für Vergiftungen im BfR über 6.500 Vergiftungen gemeldet. Außerdem sind in diesem Zeitraum mehr als 19.000 neue Produktinformationen zu Chemikalien und Zubereitungen von Herstellern und Vertreibern eingegangen. "Die Informationen stehen allen Giftinformationszentren in Deutschland zur Verfügung und helfen ihnen bei der Beratung und Behandlung", erklärt Dr. Axel Hahn, Leiter der Erfassungsstelle für Vergiftungen im BfR. Außer einer effektiveren Hilfe bei Vergiftungen tragen die Angaben dazu bei, Risiken genauer abzuschätzen und Gefahren wirksam abzuwehren. In der soeben veröffentlichten Broschüre "Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen 2003" hat das BfR die wichtigsten Zahlen zu Vergiftungsmeldungen und eine Auswahl von Fallbeispielen zusammengestellt.

Auch wenn es sich beim Großteil der Vergiftungsmeldungen um Arbeitsunfälle handelt, stellen Vergiftungen in Haushalt und Freizeit immer noch eine der größten Herausforderungen dar. "Der Fall eines zweijährigen Kindes, das Abflussreiniger schluckte und dadurch schwere Verätzungen der Speiseröhre erlitt, macht deutlich, dass selbst bekannte Gefahrenquellen durch Fahrlässigkeit immer wieder verheerende Wirkungen entfalten können", so Hahn. In dem genannten Fall hatte ein Handwerker Kalilauge-haltigen Abflussreiniger in eine Tasse umgefüllt. Unbemerkt gelangte das Kind an die Lauge und trank davon. Das Kind hatte noch Wochen nach Behandlung der schweren Verätzungen in Speiseröhre und oberem Magenbereich mit erheblichen Schluckbeschwerden zu kämpfen und musste erneut stationär behandelt werden. Mit der Schilderung dieses Unfalls verbindet das BfR die Warnung, dass Abflussreiniger trotz korrekter Kennzeichnung und kindergesicherter Verschlüsse durch einen unsachgemäßen Umgang zu einer Gefahrenquelle im Haushalt werden können.

Ebenfalls mit Blick auf den Haushalt erneuert das BfR seinen Appell, giftige Substanzen stets in den Originalverpackungen und nicht etwa in Getränkeflaschen aufzubewahren. In mehreren Fällen kam es auf diese Weise zu Verwechslungen mit dem Frostschutzmittel Ethylenglykol. Einige der Vergiftungen endeten tödlich. Das BfR wird seine Aufklärungsarbeit über dieses Risiko deshalb fortsetzen. Ärzte sollten mit solch schweren Vergiftungen durch Ethylenglykol rechnen: Je früher behandelt wird, desto besser kann der Verlauf der Vergiftung beeinflusst werden.

In seiner Informationsbroschüre, die sich besonders an Ärzte, Klinik- und Rettungspersonal richtet, beschreibt das BfR für weitere ausgewählte Vergiftungsfälle ausführlich die Symptome, den Verlauf des Unfalls und die Therapieansätze.

Zusätzlich zu den jährlich erscheinenden Berichten pflegt das BfR zur Unterstützung der Arbeit der Giftzentralen seit 1997 eine Giftinformationsdatenbank. Mit den 2003 eingegangenen Meldungen stehen rund 200.000 Einzelinformationen zu Vergiftungsfällen, chemischen Stoffen und Zubereitungen zur Verfügung. Durch die Novellierung des Chemikaliengesetzes sind nun auch die Daten von 7.221 meldepflichtigen, gefährlichen Zubereitungen und Biozidprodukten, wie Desinfektions- und Schädlingsbekämpfungsmittel, unter den erfassten Produkten.

Die in der Reihe "BfR-Information" veröffentlichten "Ärztlichen Mitteilungen bei Vergiftungen" der Jahre 2003 und 2002 sind kostenlos erhältlich. Sie können schriftlich in der Pressestelle des BfR, Thielallee 88-92, 14195 Berlin angefordert werden (Fax: 030-8412-4970, Mail: pressestelle@bfr.bund.de). Sie stehen außerdem auf der Homepage des BfR http://www.bfr.bund.de unter dem Menupunkt Publikationen/Broschüren und Faltblätter als pdf-Datei zum Download zur Verfügung.

Dr. Irene Lukassowitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

Weitere Berichte zu: Ethylenglykol Vergiftung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise