Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tägliche Blutwäsche im Bauchraum

18.02.2005


Die Peritonealdialyse bietet dem Patienten Vorteile, wird in Deutschland jedoch wenig angeboten / Schonende Alternative zur Hämodialyse an der Maschine


Bei der Bauchfelldialyse wird Dialyseflüssigkeit über einen Katheter in den Bauchraum eingelassen. Das Bauchfell filtert die Giftstoffe aus dem Blut und setzt sie in die Flüssigkeit ab, die dann über den Katheter wieder abgelassen wird. Quelle: Dialyse-Net.de



In Deutschland sind rund 60.000 Patienten auf eine regelmäßige Blutwäsche angewiesen. Nur etwa fünf Prozent wenden täglich ein Verfahren an, das schonend und sehr effektiv den Körper von Schadstoffen befreit und entwässert: die Bauchfell-Blutwäsche (Peritonealdialyse, PD) - im Gegensatz zu 15 Prozent aller Dialysepatienten weltweit.



Neue Forschungsergebnisse und Techniken sprechen dafür, Patienten diese Alternative zur Blutwäsche an der Maschine (Hämodialyse, HD) verstärkt anzubieten. Dies hat eine Tagung an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg am 12./13. Februar 2005 gezeigt.

Höhere Lebenserwartung nach Nierentransplantation, bessere Funktion der Spenderniere

"Dass die Bauchfelldialyse Vorteile bietet, haben wissenschaftliche Studien in den letzten Jahren erwiesen", erklärt Professor Dr. Martin Zeier, Ärztlicher Leiter der Sektion Nephrologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. "Hier ist Deutschland jedoch nach wie vor ein Entwicklungsland." So zeigen umfangreiche Daten aus den USA, dass PD-Patienten eine höhere Lebenserwartung nach Nierentransplantation haben als HD-Patienten. Erhalten PD-Patienten eine Spenderniere, funktioniert das Transplantat zu Beginn schneller als bei HD-Patienten. Auch bei der Zufriedenheit mit ihrer Behandlung liegt Bauchfelldialyse vorne.

Das Verfahren ist seit rund 25 Jahren eine Behandlungsmöglichkeit für Patienten, deren Nieren versagt haben. Im Gegensatz zur Hämodialyse, die seit etwa 40 Jahren praktiziert wird, ist dafür keine Maschine erforderlich. Die Filterfunktion übernimmt das Bauchfell, das den Bauchraum auskleidet. Über einen kleinen Kunststoffkatheter, der in den Bauch eingeführt wird, wird mehrmals täglich Dialyseflüssigkeit (Dialysat) aus einem Beutel eingelassen. Das Bauchfell filtert die Giftstoffe aus dem Blut und setzt sie in das Dialysat ab, das dann über den Katheter wieder aus dem Bauchraum abgelassen wird. Dadurch wird der Körper kontinuierlich und schonend entgiftet.

"Vor allem Patienten mit Kreislaufproblemen profitieren von dieser sanften Dialyse", erklärt Dr. Vedat Schwenger, Leitender Oberarzt der Sektion Nephrologie der Medizinischen Klinik. Denn für sie ist eine intensive Entgiftung mit starkem Flüssigkeitsentzug bei einer Hämodialyse, die dreimal wöchentlich für mehrere Stunden durchgeführt wird, problematisch. Weitere Vorteile sind: Der Patient muss nicht ins Dialysezentrum, sondern kann sich flexibel zu Haus selbst behandeln und stellt sich nur einmal alle sechs Wochen im Dialysezentrum vor.

Risiko Bauchfellentzündung / PD für ältere schwerkranke Patienten oft nicht geeignet

"Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen von Seiten des Patienten erfüllt sein", warnt Dr. Schwenger. Da das Risiko einer Bauchfellentzündung besteht, müssen Hygienevorschriften eingehalten werden. Durch technische Neuerungen wie sterile geschlossene Dialysatsysteme konnte das Risiko mittlerweile auf etwa eine Bauchfellentzündung pro 40 bis 70 Behandlungsmonate reduziert werden. Zudem ist die PD wenig für ältere Patienten mit Zusatzerkrankungen geeignet, die eine Überwachung im Dialysezentrum benötigen. Dagegen wird die Bauchfelldialyse häufig bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen und die Patienten und ihre Eltern den Umgang mit dem Verfahren beherrschen.

Ideal ist die Bauchfelldialyse außerdem für jüngere Patienten, die flexibler auf die Anforderungen des Berufslebens reagieren möchten und keine streng geregelten Arbeitszeiten haben. Hier hat sich auch der Einsatz des "Cyclers" bewährt, eines Geräts, das in der Nacht, während der Patient schläft, die Flüssigkeit im Bauchraum austauscht.

Bei Rückfragen:

Dr. Vedat Schwenger
Leitender Oberarzt der Sektion Nephrologie
der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 52 69
E-Mail: vedat_schwenger@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten