Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ernährungsmediziner warnen: Ernährungsstatus entscheidet über Leben und Tod

18.02.2005


Die Dicken sieht man, die Mangelernährten nicht

... mehr zu:
»Mangelernährung

Der schlechte Ernährungsstatus der Bevölkerung stellt Medizin und Gesellschaft vor zunehmende größere Herausforderungen. Darauf machte heute (18.) die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) bei ihrem Jahreskongress "edi 2005" in Berlin aufmerksam. "Fehlernährung ist in Deutschland ungeheuer häufig. Jeder Dritte ist übergewichtig, gleichzeitig sind aber auch 20 bis 30 Prozent der Krankenhauspatienten unterernährt. Dadurch wird nicht nur Lebensqualität und Wohlbefinden beeinträchtigt. Mangelernährte Patienten erholen sich langsamer, erleiden häufiger ernste Komplikationen, sind stärker pflege- und intensivpflegebedürftig und bleiben länger im Krankenhaus, mit deutlich höheren Krankheitskosten", betonte der DGEM-Präsident Professor Berthold Koletzko vom Klinikum der Universität München. Eine effektive Vorbeugung und Behandlung der Mangelernährung helfe nicht nur den Patienten, sondern spare auch Kosten für die sozialen Sicherungssysteme.

Die Europäische Union fördert daher große Studien, wie die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition), um den Einfluss der Ernährung auf Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes und Krebs an 519.000 Studienteilnehmern zu untersuchen. Erste Ergebnisse legte Professor Dr. Heiner Boeing, vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke vor, das rund 27.500 Studienteilnehmer betreut. Boeing berichtete, dass im Fettgewebe vermehrt Hormone gebildet werden, die Diabetes begünstigen.


Während das wachsende Problem des Übergewichts schon im Straßenbild offensichtlich ist, das teuer zu behandelnde Krebs-, Diabetes- und Herzkreislauf-Erkrankungen begünstigt, bleibt ein anderes Ernährungsproblem, nämlich Unter- und Fehlernährung, insbesondere bei älteren Menschen, oft verborgen. Das angesichts der Bevölkerungsentwicklung dramatisch zunehmende Problem kommt erst durch umfangreiche Untersuchungen zu Tage. So gibt es immerhin bei 41 Prozent aller Menschen, die zu Hause oder in Heimen gepflegt werden, Mängel bei der Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit. Dies geht aus dem Pflegebericht hervor, den der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen im Herbst der Bundesregierung vorgelegt hat.

Müssen sich diese Menschen einer Operation unterziehen, ist die Komplikationsrate deutlich höher als bei normal ernährten Menschen, berichtete Professor Dr. Arved Weimann vom Städtischen Klinikum Leipzig. Daher sei es in vielen Fällen sinnvoll, Operationen zu verschieben und zunächst eine gezielte Ernährungstherapie zu beginnen. Die medizinischen Fachgesellschaften hätten dazu bereits entsprechende Empfehlungen und Leitlinien verabschiedet.

Die hohe Zahl von Menschen, die an Mangelernährung leiden, sei alarmierend, betonte auch der Vizepräsident der DGEM, Professor Dr. Herbert Lochs. Betroffen sind vor allem ältere und kranke Menschen. In einer deutschlandweiten Studie wurde gezeigt, dass etwa fünfzig Prozent der Patienten über 65 in Krankenhäusern bereits bei der Aufnahme mangelernährt sind. Bei älteren Menschen sind die Auswirkungen der Mangelernährung besonders kritisch, da sie dadurch in ihren Funktionen rasch eingeschränkt werden, häufiger stürzen, sich öfter verletzen und so auch häufiger ins Krankenhaus aufgenommen werden und dort länger behandelt werden müssen. Die gute Nachricht kommt aus einer ganz neuen Studie, in der solche Patienten mit einer Trinknahrung für zwei Monate nach der Krankenhausentlassung behandelt wurden. Im Gegensatz zu den "nor-mal" behandelten Menschen verbesserten sich bei den Patienten mit Trinknahrung nicht nur der Ernährungszustand, sondern auch die Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität.

Die Gesellschaft müsse auf die schlechte Ernährungssituation reagieren. Defizite sieht Lochs zum einem bei der Ausbildung der Ärzte. Viele seien nicht ausreichend geschult, um Mangelernährung zu erkennen. Glücklicherweise habe der Deutsche Ärztetag die Ernährungsmedizin inzwischen in der Musterweiterbildungsordnung fest verankert. Voraussetzung zur Weiterbildung "Ernährungsmedizin" seien bestimmte Facharztabschlüsse.

Nachbesserungsbedarf sieht Lochs jedoch auch bei der finanziellen Ausstattung von Praxen und Kliniken. Es müsste auch genügend Geld verfügbar sein, um den Ernährungszustand eines Patienten überhaupt angemessen untersuchen zu können. "Diese Untersuchungen helfen jedoch nichts, wenn die Ärzte anschließend keine Möglichkeit haben, adäquat zu therapieren." Ernährungsberatung allein reiche oft nicht aus.

Diesen Hinweis richtete Lochs auch an die Adresse des Gemeinsamen Bundesausschusses, in dem Krankenkassen und Ärzte festlegen, was die gesetzlichen Krankenkassen noch bezahlen dürfen. Er hatte am Dienstag dieser Woche beschlossen, die Erstattung künstlicher Ernährung in der ambulanten Versorgung durch Änderung der entsprechenden Arzneimittelrichtlinien drastisch einzuschränken. Lochs befürchtet eine Zuspitzung der ohnedies angespannten Situation in der ambulanten Pflege. Die Bemühungen der Ärzteschaft, der Ernährungstherapie durch geänderte Weiterbildungsvorschriften einen höheren Stellenwert einzuräumen, würde dadurch entwertet.

Brigitte Herbst | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.dgem.de

Weitere Berichte zu: Mangelernährung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie