Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bluthochdruck beschleunigt den Abbau des Gehirns

15.02.2005


Eine Langzeitstudie an gesunden Erwachsenen zwischen 20 und 77 Jahren zeigt, dass bereits ab dem mittleren Erwachsenenalter elf von zwölf untersuchten Hirnregionen schrumpfen. Zugleich gibt es bedeutsame Unterschiede zwischen verschiedenen Personen im Ausmaß der Schrumpfung. Vor allem das Volumen gedächtnisrelevanter Hirnregionen nimmt mit dem Alter ab. Bluthochdruck beschleunigt diesen Prozess.



Jeder Mensch empfindet das Älterwerden anders, aber Einbußen müssen alle hinnehmen. Alterungsprozesse des Gehirns lassen sich bereits ab dem mittleren Erwachsenenalter beobachten. Dies zeigt eine Langzeitstudie an gesunden Erwachsenen, die sich im Abstand von fünf Jahren freiwillig in einen Kernspintomografen legten, um die Volumina von bestimmten Regionen ihres Gehirns vermessen zu lassen. Naftali Raz von der Wayne State University in Detroit und Ulman Lindenberger vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin haben die Ergebnisse nun veröffentlicht (Advance Access Publication in Cerebral Cortex, 2005 unter http://cercor.oupjournals.org/misc/papfaq.dtl).

... mehr zu:
»Bluthochdruck


Bisher beziehen Altersforscher ihre Ergebnisse vor allem aus Querschnittsstudien, in denen sie Hirnaufnahmen oder Testleistungen von Menschen unterschiedlichen Alters miteinander vergleichen. Aus diesen Durchschnittswerten lassen sich jedoch nur indirekt Aussagen über den individuellen Alterungsprozess ableiten. Raz und Lindenberger wollten dagegen wissen, wie groß die individuellen Unterschiede beim Abbau des Gehirns sind und wie stark sich die verschiedenen Regionen des Gehirns im Lauf von fünf Jahren verändern. Für die Langzeitstudie untersuchten sie geistig und körperlich gesunde Erwachsene mit einem Ausgangsalter zwischen 20 und 77 Jahren an zwei Messzeitpunkten im Abstand von fünf Jahren.

Bei Elf der insgesamt zwölf untersuchten Regionen nahm das Hirnvolumen deutlich ab, nur der Bereich im visuellen Kortex (Sehrinde) hatte sich nicht systematisch verändert. Bei Frauen alterte das Gehirn nicht grundsätzlich anders als bei Männern. Auch Personen mit überdurchschnittlich großen Gehirnvolumina waren vor dem Abbau keineswegs gefeit. Insgesamt zeigten sich bei dieser Studie deutlich drastischere Einbußen in vielen Hirnregionen als in den Querschnittstudien. Raz und Lindenberger führen dies darauf zurück, daß Längsschnittstudien die Veränderungen innerhalb von Personen reiner erfassen können als Querschnittsstudien.

Die Volumenveränderungen waren bei den einzelnen Teilnehmern unterschiedlich stark ausgeprägt. Offensichtlich ist die Hirnalterung ein sehr individueller Prozess. Zumindest einige dieser Unterschiede scheinen mit Bluthochdruck zusammenzuhängen. 14 der 72 Versuchspersonen hatten bereits zu Untersuchungsbeginn Bluthochdruck und im Lauf der fünf Jahre entwickelten noch weitere 5 Teilnehmer Bluthochdruck. Obwohl der Bluthochdruck bei allen Betroffenen medizinisch gut kontrolliert wurde, stellten Raz und Lindenberger fest, dass gedächtnisrelevante Regionen wie der Hippocampus, aber auch die weiße Substanz im präfrontalen Kortex, bei den Bluthochdruckpatienten besonders stark geschrumpft waren. Und zwar umso stärker, je länger diese Patienten bereits unter Bluthochdruck litten. "Bluthochdruck ist offenbar noch gefährlicher als bislang vermutet, vielleicht erhöht er sogar das Risiko, an Alzheimer zu erkranken", meint Lindenberger. Beide Hirnregionen nahmen zwar auch bei den Teilnehmern ohne Bluthochdruck mit dem Alter immer stärker ab, der Bluthochdruck beschleunigte diesen Prozess jedoch merklich.

In methodischer Hinsicht wandten Raz und Lindenberger erstmalig ein 1994 von Jack McArdle und John Nesselroade an der University of Virginia entwickeltes statistisches Verfahren zur möglichst genauen (meßfehlerfreien) Abschätzung auf hirnphysiologische Daten an. "Dabei haben wir uns zunutze gemacht, daß im Hirn jede Region zweimal vorkommt," erklärt Lindenberger. Zusammen mit Paolo Ghisletta von der Universität Genf sind Raz und Lindenberger nun dabei, den Zusammenhang zwischen den Hirnveränderungen und den gleichzeitig beobachteten Veränderungen in psychologischen Leistungstests näher zu untersuchen.

Mit Fragen zur Studie können Sie sich gerne an
Prof. Dr. Ulman Lindenberger wenden.
Lindenberger@mpib-berlin.mpg.de, Tel.: 030/82406-572,
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Psychologie der Lebensspanne
Lentzeallee 94
14195 Berlin

Dr. Antonia Rötger | idw
Weitere Informationen:
http://cercor.oupjournals.org/misc/papfaq.dtl
http://www.mpib-berlin.mpg.de

Weitere Berichte zu: Bluthochdruck

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops