Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langzeitschäden durch rückenmarknahe Katheter: DGSS-Schmerzspezialisten warnen schon lange

10.02.2005


Spiegel: Fatale Langzeitschäden durch rückenmarknahe Katheter


DGSS-Schmerzspezialisten warnen schon seit langem

... mehr zu:
»Katheter »Schmerztherapie

Von einer Häufung schwerer Nebenwirkungen bis hin zur bleibenden Querschnittlähmung bei Patienten mit chronischen Schmerzen durch einen speziellen Katheter ("Racz-Katheter") berichtet die Zeitschrift "Der Spiegel" in seiner Ausgabe 5/2005. Diese Nachricht kommt für Schmerzspezialisten nicht überraschend: Sie warnen seit langem vor den Risiken dieser Therapie. Die Schmerzspezialisten Dr. Doris Kindler, Prof. Dr. Christoph Maier und Prof. Dr. Michael Zenz hatten bereits im Mai 2004 in "Der Schmerz", dem offiziellen Organ der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) drei alarmierende Fallberichte publiziert, um auf die extremen Gefahren auch bei der rückenmarknahen Morphintherapie hinzuweisen. Sie fordern einen verantwortungsvollen Umfang mit dieser Therapiemethode und die Behandlung besonders schwerer Fälle in spezialisierten Zentren.

Fatale Fehler bei der Behandlung


Im Schmerzzentrum der BG-Kliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum wurden in den letzten Jahren 18 Patienten behandelt, bei denen ernste Probleme nach rückenmarknaher Schmerztherapie aufgetreten waren. Die Patienten erhielten hochwirksame Medikamente über einen Katheter direkt in die Rückenmarkflüssigkeit. "Dieses Therapieprinzip kann bei schwersten Schmerzzuständen helfen, etwa bei Krebsschmerzen", so Prof. Maier, "aber es ist nur sehr selten und nur bei wenigen Patienten indiziert." Fatal kann sich vor allem die unsachgemäße Durchführung der Therapie auswirken: Die Bochumer Autoren hatten anhand von Fällen aus ihrer Klinik demonstriert, dass allgemein anerkannte Regeln der Schmerztherapie bei der Anwendung der Methode oft nicht eingehalten werden.

Hilflosigkeit der Therapeuten

Zudem stellten sie fest, dass die Therapie mitunter unbegründet angewendet wurde: In einem Fall hatte ein Patient nach wiederholter Behandlung mittels Katheter eine Rückenmarksschädigung erlitten, obwohl er lediglich an einem einfachen und gut krankengymnastisch therapierbaren Krankheitsbild litt. "Die voreilige Etikettierung solcher Patienten als ’nicht behandelbar’ ist oft nur Ausdruck der therapeutischen Hilflosigkeit der primär beteiligten Therapeuten", mussten die Spezialisten feststellen. Sie berichten auch über den Fall eines Patienten, der wegen angeblich unbeeinflussbarer Schmerzen sogar einen Katheter ins Gehirn gelegt bekam, unter dem er jedoch eher mehr als weniger Schmerzen hatte und lebendbedrohliche Zwischenfälle auftraten. In der Bochumer Klinik gelang es später, diesen Patienten auf eine ganz einfache Schmerztherapie mit Tabletten umzustellen. Er ist seit zwei Jahren ohne den Katheter im Kopf gut eingestellt.

Patienten gehören in spezialisierte Zentren

Die DGSS-Spezialisten weisen darauf hin, dass weder der Racz- Katheter oder noch vergleichbare Verfahren immer falsch sein müssen. "Aber sie gehören in spezialisierte Zentren, die interdisziplinäre Therapiemodelle, also medizinische, krankengymnastische und psychotherapeutische Ansätze gemeinsam realisieren", unterstreicht Prof. Maier. Dies sei in Bochum und einigen anderen Zentren in Deutschland seit Jahren realisiert. "Auch hier wird invasive Schmerztherapie durchgeführt, aber nur bei einem Bruchteil der Patienten." Die Bochumer Ärzte äußern ihre Befürchtung, dass derartige Exzesse, wie auch im Spiegel beschrieben, dazu führen müssen, die Verdienste der Schmerztherapie in Misskredit zu bringen. Diese Erfahrung unterstreicht jedoch erneut die Forderung der DGSS, dass in die Interprofessionalität der Schmerztherapie mehr investiert werden muss. Eine Forderung die von der Politik leider behindert wird. "Auch die neue Gebührenordnung für Ärzte begünstigt Monotherapien mit Spritzen oder Kathetern und begünstigt daher "Exzesse" wie jetzt beschrieben", bedauern die Experten.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Christoph Maier, Zentrum für Schmerztherapie, Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil, Klinikum de Ruhr-Universität Bochum, Bürkle-de-la-Camp Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-6366, E-Mail: christoph.maier@rub.de

Meike Drießen | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgss.org

Weitere Berichte zu: Katheter Schmerztherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte