Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Messerstiche im Auge": Neue Therapie-Empfehlungen zum "Blitz-Kopfschmerz"

05.01.2005


Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat ihre Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Clusterkopfschmerz nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin überarbeitet. Zusammen mit anderen kurzdauernden einseitigen Schmerzattacken bildet der Clusterkopfschmerz darüber hinaus seit einiger Zeit als "trigemino-autonome Kopfschmerzen" (TAK) eine neu definierte Gruppe von Kopfschmerzformen.



Sie kommen wie der Blitz aus heiterem Himmel: stechende, meist starke bis extrem starke Kopfschmerzattacken, die meistens nur mehrere Minuten bis maximal drei Stunden andauern, dafür aber bis zu zehn Mal pro Tag auftreten können. Alle Kopfschmerzsyndrome der neuen Gruppierung "trigemino-autonome Kopfschmerzen" kurz TAK genannt, haben mindestens zwei Gemeinsamkeiten: Die Attacken dauern nur kurze Zeit und gehen mit Beschwerden wie heftiges Tränen, stark laufender oder verstopfter Nase oder Lidschwellung einher. Zu den TAKs zählen der episodische und der chronische Cluster-Kopfschmerz. Das Wort "Cluster" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Haufen, Gruppe oder Schwarm". Der Clusterkopfschmerz meldet sich bis zu achtmal täglich mit heftigsten Attacken. Bei vier von fünf betroffenen Menschen tritt er episodisch auf, das heisst, zwischen den aktiven Phasen mit Schmerzattacken kommt es zu längeren inaktiven Phasen ohne Schmerzen. Ebenfalls zu der TAK-Gruppe gehören der anfallsartige einseitige Kopfschmerz (paroxysmale Hemikranie), sowie das sogenannte SUNCT- Syndrom. Hierbei handelt es sich um extrem kurz andauernde und häufige Schmerzattacken im Einzugsbereich eines Gesichtsnervs.

... mehr zu:
»Clusterkopfschmerz »TAK


Wenig evidenzbasierte Studien.

Die Deutsche Kopfschmerz- und Migränegesellschaft hat ihre bisherigen Empfehlungen einer kritischen Prüfung unterzogen. Die neuen Empfehlungen beruhen ausschließlich auf Daten, die nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin (EBM) überprüfbar sind. Jede therapeutische Option wird nach EBM-Kriterien beurteilt.
Zum Clusterkopfschmerz und den anderen TAKs liegen bislang allerdings nur wenige gute Studie vor, da die Erkrankungen sehr selten sind. "In der Praxis können wir aber die meisten Schmerzattacken positiv beeinflussen", betonen die Experten.

Späte Diagnostik fördert Fehlbehandlungen.

Bei Patienten mit TAKs vergehen zumeist mehrere Jahre bis eine korrekte Diagnose gestellt wird. "Weil diese Kopfschmerzvarianten relativ selten sind, werden sie häufig viel zu spät diagnostiziert - und das, obwohl beispielsweise der Cluster-Kopfschmerz von allen primären Kopfschmerzarten am leichtesten zu erkennen ist" , stellen die Experten der DMKG fest. Die Verzögerungen bei der Diagnostik führt dazu, dass die Attacken mit den falschen und daher wirkungslosen Medikamenten behandelt werden, was für die Betroffenen aufgrund der Schwere der Schmerzen schlimme Folgen hat.

Wenig zugelassene Medikamente.

Vor einer Selbstbehandlung warnen die Kopfschmerzexperten, zumal die Medikamente verschreibungspflichtig sind und individuell angepasst werden müssen.Weil die Schmerzen von sehr kurzer Dauer sind, setzt die Wirkung von Tabletten nicht rechtzeitig ein. Die Spezialisten empfehlen daher das Inhalieren von reinem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske. Die Behandlung ist nebenwirkungsfrei und wirkt bei sechs von zehn Patienten. Eine weitere Option ist das Einträufeln des Lokalanästhetikums Lidocain, einem Mittel zur örtlichen Betäubung, in die Nase. Diese Tropfen helfen jedoch nur jedem dritten Patienten. In Deutschland ist nur ein einziges Medikament für die Behandlung des Clusterkopfschmerzes zugelassen: das Sumatriptan zur Selbstinjektion aus der Gruppe der Triptane, die zur Migränetherapie eingesetzt werden. Bei Problemen kann der Arzt die Substanz auch als Nasenspray verordnen. In dieser Darreichungsform steht neben dem Wirkstoff Sumatriptan auch noch Zolmitriptan zur Verfügung.

Prophylaxe ist wichtig.

Bei chronischen und lange anhaltenden Kopfschmerzphasen ist die Prophylaxe wichtig. Es gibt einige Präparate, die vorbeugend gegen Clusterkopfschmerz wirksam sind, doch nur für ein einziges, nämlich Lithium, liegt in Deutschland eine Zulassung zur vorbeugenden Behandlung von Clusterkopfschmerz vor. Das Medikament der ersten Wahl ist nach Aussage der Experten allerdings das verschreibungspflichtige Verapamil. Dieser Wirkstoff ist jedoch nicht speziell für Clusterkopfschmerz zugelassen. Das Medikament kann zwar im Sinne des sogenannten "Off-label-use" verordnet werden, die Krankenkassen sind jedoch nicht automatisch zur Kostenübernahme verpflichtet. Da der Wirkstoff langsam aufdosiert wird, kann der behandelnde Arzt zur Überbrückung zusätzlich Lithium oder Kortison verordnen.

Für die anderen, sehr seltenen trigemino-autonomen Kopfschmerzen ist in Deutschland überhaupt kein Medikament zugelassen. Bei einigen Formen setzen die Ärzte beispielsweise die Subtanz Indometacin ein. Zur Behandlung des SUNCT-Syndroms setzen Spezialisten seit einiger Zeit das Antiepileptikum Lamotrigen ein.

Die neuen Empfehlungen stehen unter www.dmkg.de zum Download zur Verfügung, ebenso eine zusammenfassende Information für Patientinnen und Patienten.

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

Weitere Berichte zu: Clusterkopfschmerz TAK

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie