Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bewusstlosigkeit nach Kopfverletzung

28.06.2001


Die Voraussage, ob ein bewusstloser, also komatöser Patient nach einer Kopfverletzung wieder aufwachen wird, ist in den ersten Tage nach dem Unfall auch mit den modernsten Mitteln der Intensivmedizin höchst unsicher. In der Fachzeitschrift Acta Neurochirurgica veröffentlichten vor kurzem Magdeburger Neurochirurgen und Radiologen Untersuchungsergebnisse, die genauere Aussagen zu bislang angenommenen Ursachen für eine Bewusstlosigkeit erlauben.

Nach feingeweblichen Hirnuntersuchungen an Verstorbenen nach Schädel-Hirn-Verletzungen sowie anhand von CT-Untersuchungen nach Schädel-Hirn-Verletzungen wurde bislang angenommen, dass diffuse, über das ganze Gehirn verteilte mikroskopische Verletzungen einzelner Nerven, also "diffuse axonale Schädigungen", die Hauptursache für Koma und nachfolgenden Tod seien. Untersuchungen an der Magdeburger Universitätsklinik ergaben ein neues Verständnis, die diese allgemeine diffuse Hirnschädigung als Ursache für die Bewusstlosigkeit als eher unwahrscheinlich ausweist.

Kernspintomogramme von neurochirurgischen bewusstlosen Patienten, die unmittelbar nach einem Schädel-Hirn-Trauma durchgeführt wurden, zeigen nicht nur die Läsionen der später Verstorbenen, sondern stellen auch die überlebbaren Schädigungen dar. Dies erfolgt wesentlich genauer als das bisher mit dem üblichen Computertomogramm möglich war.

Wegen des großen technischen Aufwandes bei bewusstlosen Patienten konnten bis heute keine größeren Serien weltweit untersucht werden. Die Magdeburger Neurochirurgen unter der Leitung von Professor Raimund Firsching und die Radiologen unter der Leitung von Professor Wilfried Döhring konnten nun bei über einhundert bewusstlosen Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma die Ergebnisse der Kernspintomographie in der international anerkannten Fachzeitschrift Acta Neurochirurgica (Bd. 143, S. 263-271, 2001) darstellen.

Zeigen sich im Kernspintomogramm nur Schädigungen der Großhirnhälften, so sind die Überlebensaussichten bei 87 Prozent überwiegend gut. Ist dagegen eine Verletzung des Hirnstammes im Kernspintomogramm erkennbar, so liegt die Sterblichkeit bei über 50 Prozent. Entscheidend für das Überleben ist, wo genau der Ort der Schädigung im Hirnstamm liegt. Die Untersuchungen zeigen auch, wo die Ursache für das Phänomen Bewusstlosigkeit, d.h. Koma, zu suchen ist. Da die Patienten ohne Hirnstammverletzungen rasch aus dem Koma aufwachen, bei ausgedehnten Hirnstammverletzungen jedoch nicht, scheint das menschliche Bewusstsein wesentlich durch die Unversehrtheit des Hirnstammes ermöglicht zu werden. Die bisher angenommene allgemeine diffuse Hirnschädigung als Ursache für die Bewusstlosigkeit wird damit eher unwahrscheinlich.

"Dies ist von fundamentaler Bedeutung für die Beurteilung bewusstloser Patienten überhaupt", so Professor Raimund Firsching, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Eine Bewusstlosigkeit auch aus anderen Ursachen als einer Schädel-Hirn-Verletzung, zum Beispiel nach einem Herzstillstand, bei Herzinfarkt, bei toxisch erhöhten Blutzuckerspiegeln, nach Stoffwechselentgleisungen, bei Lebererkrankungen oder nach Medikamenteneinnahme deuten damit immer auf einen Funktionsausfall des Hirnstammes zu dem Zeitpunkt hin, an dem die Bewusstlosigkeit eintritt.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden beim diesjährigen Deutschen Röntgenkongress in Wiesbaden mit einem Preis ausgezeichnet (Classification of Severe Head Injury Based on Magnetic Resonance Imaging).

Weitere Auskünfte erteilt gern:
Prof. Dr. med. Raimund Firsching, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel. 0391/67 15534, Fax 0391/67 15544,
E-Mail: neurochirurgie@uni-magdeburg.de

Kornelia Suske | idw

Weitere Berichte zu: Hirnstamm Koma Schädel-Hirn-Verletzung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften