Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einfache Messmethode zur Bestimmung des Tremors, Hauptsymptom der Parkinson-Krankheit

16.12.2004


Sprialzeichnung eines Tremorpatienten mit gering ausgeprägtem Zittern.


Spiralzeichnung eines Tremorpatienten mit stark ausgeprägtem Zittern.


Wenn durch Parkinson die Hände zittern - Graphimetrie bestimmt das Ausmaß des Tremors - Mediziner der Ruhr-Universität entwickeln neue Messmethode

... mehr zu:
»Graphimetrie »Parkinson »Tremor

Eines der Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit ist Zittern (Tremor): Patienten können die Hände nicht ruhig halten, sie zittern unwillkürlich. Das Ausmaß eines solchen Tremors sicher, schnell und einfach zu bestimmen und somit auch die Wirkung von Medikamenten exakt zu prüfen, hilft eine neue, standardisierte Messmethode, die Mediziner der RUB-Klinik für Neurologie im St. Josef Hospital mit Unterstützung der Firma Boehringer-Ingelheim entwickelt haben: Der Patient zeichnet eine Spirale, der Arzt schickt sie an den Bochumer Fax-Server, und binnen drei Minuten ist das objektive Ergebnis per Fax in der Praxis des Arztes.

Zurück zu den Wurzeln


Nachdem sich zahlreiche aufwändige und komplizierte Methoden zur Analyse von Bewegungsstörungen in den letzten Jahren als untauglich für die tägliche Routine erwiesen haben, gingen die Bochumer Mediziner zurück zu den Wurzeln: Sie entdeckten die Graphimetrie neu, bei der eine einfache Zeichnung auf Papier Aufschluss über den Zustand des Patienten gibt. In einfachster Form wurde diese Methode schon im letzten Jahrhundert angewandt, sie hatte aber einige Tücken. "Üblicherweise wurden diese Zeichnungen vom Untersucher nach bestimmten subjektiven Kriterien befundet", erläutert Dr. Peter H. Kraus. "Bis vor einem Jahr verglich der Arzt das Ergebnis mit einem Satz aus mehreren Standardspiralzeichnungen mit unterschiedlicher Tremorausprägung und ordnete den Tremor seines Patienten dann in die Stufen 0 bis 10."

Objektive automatische Bewertung

Neben der Subjektivität der Ergebnisse war ein weiterer Nachteil der Methode, dass dem bewertenden Arzt die Behandlung bekannt ist - wenn er z.B. durch ein verabreichtes Medikament eine Besserung des Tremors erwartet, könnte er zu Fehleinschätzungen neigen. Da es sich in einer großen Feldstudie zeigte, dass auch andere Skalen, die den klinischen Eindruck ähnlich wie in einem Schulnotensystem bewerteten, nicht ausreichten, um die therapeutische Wirkung eines Medikaments zu beurteilen, entstand die Idee, die Spiralzeichnungen dieser Studie genauer und standardisierter auszuwerten. Die Forscher entwickelten einen Algorithmus, mit dem sich aus eingescannten Zeichnungen die Tremoramplitude bestimmen ließ (Spiralometrie). Ein Vergleich der Methoden "Rating-Skalen" und Spiralometrie zeigte eine deutliche Überlegenheit der objektiven automatischen Auswertung.

In drei Minuten zum Ergebnis

Nach der ersten Bewährungsprobe arbeiten die Spezialisten nun an der Alltagstauglichkeit des Verfahrens. In einer großen bundesweiten Feldstudie der Firma Boehringer Ingelheim mit ca. 1.000 Patienten und etwa 600 Ärzten zeichnen die Patienten alle drei Monate eine Spirale auf einem Formblatt. Das Blatt wird unmittelbar danach an den Fax-Server des St. Josef Hospitals geschickt, der dann automatisch die Tremoramplitude ermittelt und per Fax an den Arzt zurückschickt. "In der Regel dauert dieser Gesamtvorgang ca. drei Minuten", so Dr. Kraus. "Damit ist es erstmals möglich, vor Ort eine unkomplizierte Erfassung mit einer komplexen Auswertung zu verbinden und das Ergebnis zu erhalten, wenn der Patient noch in der Praxis ist." So könne der Arzt das Ergebnis unmittelbar in therapeutische Entscheidungen einbeziehen.

Einfach, billig, schnell

Inzwischen wurde die Technik auf weitere Erkrankungen ausgedehnt. So gibt es z.B. ein Set von Untersuchungsbögen für Überbeweglichkeit (Hyperkinesien), das u. a.. die Kontrolle der Huntington’schen Erkrankung ermöglicht. Weiterhin ist ein standardisierter Schreibtest mit automatischer Auswertung kurz vor der Fertigstellung. Zusätzlich verbessern die Forscher die Analyse der Zeichnungen, um zukünftig nicht nur Werte für Amplituden, sondern auch Formparameter zu erhalten. Diese verbesserte diagnostische Bewertung kann in Zukunft dann auch der Frühdiagnose (z. B. als Screening-Test) dienen. "In einer Zeit, in der die Mittel für Neuerungen in der Medizin knapp sind und deshalb die rasante Entwicklung im Bereich der Technik und ihr Einsatz in der praktischen Medizin zunehmend weiter auseinander klaffen, ist eine so einfache Methode wie die Graphimetrie ein Weg, der fast allen Bedürfnissen entgegenkommt", unterstreicht Dr. Kraus. "Die Methode kostet wenig, liefert viel Information, ist unkompliziert und schnell." Das inzwischen patentgeschützte Verfahren könne auch die Liegezeiten im Krankenhaus verkürzen, da die Patienten zu Hause standardisiert weiterkontrolliert werden können. Außerdem kann eine frühzeitige Erkennung von Erkrankungen kostenaufwendigere Spätfolgen verringere.

Weitere Informationen

Dr. Peter H. Kraus, Klinik für Neurologie der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef Hospital, Stadionring 23b, 44791 Bochum, Tel. 0234/509-0, E-Mail: peter.h.kraus@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de

Weitere Berichte zu: Graphimetrie Parkinson Tremor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise