Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nationales Aktions-Programm Diabetes mellitus: Diabetes besser behandeln und Zunahme verhindern

25.10.2004


Angesichts der steigenden Zahl von Menschen mit Diabetes haben Vertreter der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Diabetes Union (DDU) am 21. Oktober in München ein bundesweites Aktions-Programm vorgestellt. Das auf Initiative der DDU und des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) bundesweit gestartete mehrjährige "Nationale Diabetes-Programm Deutschland" verfolgt zwei Hauptziele: in der Öffentlichkeit die Wahrnehmung des Diabetes als Volkskrankheit zu verbessern und zur Vorsorge zu motivieren; in der Fachwelt, die Diabetes-Prävention, -Versorgung und -Forschung zu koordinieren und zu fördern.

... mehr zu:
»DDG »DDU »Diabetes

Der Handlungsbedarf für ein Nationales Aktions-Programm Diabetes ist groß: Derzeit leben in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen mit Diabetes und eine unbekannte Anzahl Erkrankter, bei denen der Diabetes Typ 2 noch nicht diagnostiziert wurde. In den letzten 40 Jahren hat sich die Anzahl der Patienten mit Diabetes Typ 2 verzehnfacht und die Tendenz ist weiterhin steigend: "Die WHO schätzt eine Zunahme von 45 Prozent bis zum Jahr 2030", so Professor Dr. med. Wolfgang Kerner vom Herz- und Diabeteszentrum Mecklenburg-Vorpommern in Karlsburg. "Das ist eine konservative Schätzung, nach Meinung vieler Fachleute könnten es deutlich mehr sein." Doch auch diese vorsichtig geschätzte Zunahme würde bedeuten, dass mehr als jeder 10. Bundesbürger mit Diabetes Typ 2 und dem hohen Risiko von Folgeerkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung oder Dialyse leben müsste.

Angesichts dieser Prognosen beschlossen Vertreter aus Wissenschaft und Politik, von den medizinischen Fachgesellschaften, Krankenkassen, Ärzten und Apothekern, aber auch von Ernährungsindustrie, Medien und Stiftungen in einem Nationalen Diabetes-Programm zusammenzuarbeiten, berichtete Professor Dr. med. Eberhard Standl, Präsident der DDU. Die starke Zunahme des Diabetes mellitus habe soziologische, gesellschaftliche, ernährungsbedingte und medizinische Gründe. Dieser Ursachenvielfalt stehen bislang viele Aktivitäten gegenüber, die nun im Nationalen Diabetes-Programm gebündelt werden sollen. Finanziert werden soll das Programm aus Geldern, die bereits für Versorgungs-, Forschungs- und Präventionstätigkeiten zur Verfügung stehen. Weitere Fördermittel müssen aber erschlossen werden.


Behandlung interdisziplinär vernetzen

"Verschiedene Fachdisziplinen sitzen mit im Boot des Aktionsforums. Wichtige Partner sind beispielsweise Kardiologen, Nephrologen oder Orthopäden", so Standl: Drei von vier Patienten mit Gefäßproblemen am Herzen oder Gehirn sowie an den Nieren, Augen oder Füßen leiden an einem langjährigen Diabetes oder einer Vorstufe davon - der gestörten Glukosetoleranz. Die Rate von Herzinfarkten und Schlaganfällen ist bei Menschen mit "Zucker" drei bis fünffach höher als bei Gesunden. Deswegen müssen die Kompetenzen verschiedener Experten gebündelt werden. Eine wichtige Rolle im Netzwerk der Diabetesvorsorge und -behandlung spielen künftig auch die Heilberufler mit den häufigsten Kontakten zu Menschen mit Diabetes: die Hausärzte und die Apotheker.

Vorsorge und Früherkennung gezielt einsetzen

In der Theorie ist Diabetes-Vorbeugung einfach: "Mit Abnehmen und regelmäßiger körperlicher Bewegung könnten 60 Prozent der Erwachsenen mit gestörter Glukosetoleranz den Diabetes vermeiden", sagte Professor Dr. med. Hans Hauner, Ernährungsmediziner in München, und weist damit auf die Hauptursachen der Volkskrankheit Diabetes hin: Übergewicht und Bewegungsmangel. Die setzen immer früher im Leben des Einzelnen ein: Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland ist übergewichtig. Von den übergewichtigen Jugendlichen haben 30 bis 50 Prozent Zeichen des metabolischen Syndroms, das zu Diabetes führt. Deshalb wird das Nationale Aktions-Programm Diabetes in Kindergärten und Schulen Aktionen und Ernährungsschulungen initiieren und versuchen, auch die Ernährungsindustrie mit in die Verantwortung einzubinden. Aktuelles Ernährungswissen soll verstärkt in Schulbücher wie auch in die Medizinerausbildung Eingang finden.

Forschung in Deutschland fördern

Die Versorgung von Menschen mit Diabetes ist in Deutschland in 85 Prozent der Fälle gut. Trotzdem gibt es Fehl-, Über- und Unterversorgung. "Um eine bestmögliche Diagnostik und Therapie zu sichern, ist Forschung notwendig", erklärte der Präsident der DDG, Professor Dr. med. Wieland Kiess, Leipzig. Er kündigte eine Nationale Diabetes-Studie unter Beteiligung aller diabetologisch forschenden Institutionen Deutschlands an. Eine besondere Rolle kommt dabei den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierten Koordinierungszentren für Klinische Studien (KKS) in Düsseldorf und Leipzig zu, die sich noch stärker mit Diabetesforschung befassen werden. Außerdem soll nach dem Vorbild der erfolgreichen Kompetenznetzwerke anderer Fachrichtungen ein Netzwerk für Diabetesforschung eingerichtet werden, kündigte Kiess an. Mit eingebunden in die Gespräche sind das BMBF, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Max-Planck-Gesellschaft.

Kostenexplosion vermeiden

Zur weiteren Erarbeitung und Umsetzung des Nationalen Diabetes-Programms sind die nächsten Schritte bereits geplant und sollen möglichst rasch umgesetzt werden. Dafür ist es nicht nur aufgrund der steigenden Erkrankungszahlen höchste Zeit: "Die Behandlungskosten für den Diabetes mellitus lassen sich laut einer AOK-Studie in Hessen auf 15 Milliarden Euro bundesweit hochrechnen", so Professor Hauner. Dazu kommen noch zehn Milliarden Euro allgemeine Therapiekosten sowie acht Milliarden Euro an indirekten Kosten, beispielsweise durch den Verdienstausfall. "Einen weiteren Anstieg der Kosten kann unser Gesundheitssystem nicht verkraften", befürchtete Hauner.

Quelle: Pressekonferenz "Diabetes - Zeitbombe fürs Gesundheitswesen", veranstaltet von DDU und DDG; München, 21.10.2004

Kontakt für Rückfragen:
Beate Schweizer
Pressestelle DDG
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295
Fax: 0711 8931 167
info@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://mwm-vermittlung.de

Weitere Berichte zu: DDG DDU Diabetes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik