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Akupunktur sticht Standardtherapie aus

21.10.2004


Nadeln wirken gegen Kreuz- und Knieschmerz - Erste Ergebnisse der gerac-Studien

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Akupunktur ist wirksam: Sowohl die Akupunktur nach den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als auch die sog. Sham-Akupunktur, bei der an Nicht-Akupunkturpunkten gestochen wird, wirken besser gegen chronischen Kreuz- und Knieschmerz als die leitlinienbasierte konservative Standardtherapie. Das sind die ersten Ergebnisse der weltweit größten Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur gerac (German Acupuncture Trials), die in der Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Ruhr-Universität Bochum von Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch koordiniert werden. Für die gerac-Studien haben Orthopäden, Schmerztherapeuten, Neurologen und Biometriker mit Vertretern der Akupunktur zusammengearbeitet.

Die Statements aller Referenten der Pressekonferenz am 21. Oktober, 12.30 Uhr, stehen zum Download im Internet: http://www.gerac.de


Strenge Einschluss- und Behandlungskriterien

Je über 1000 Patienten mit länger als sechs Monate dauernden Kreuz- bzw. Knieschmerzen nahmen an den beiden kontrollierten, randomisierten Studien teil. Sie wurden zufällig einer der drei Gruppen - TCM-, Sham-Akupunktur oder Standardtherapie - zugeordnet. Die akupunktierten Patienten erfuhren nicht, welche Art Akupunktur sie erhielten: Die Akupunktur nach TCM-Regeln oder die für gerac eigens entwickelte Sham-Akupunktur an vermeintlich unwirksamen Punkten. Die Teilnehmer der Akupunktur-Gruppen erhielten zehn, bei Bedarf 15, Behandlungen binnen sechs bzw. zwölf Wochen. Falls notwendig, waren Schmerzmittel bis zu einem vorher definierten Höchstmaß erlaubt. Nicht erlaubt waren Zusatztherapien wie Spritzen oder bei Kreuzschmerz Krankengymnastik.


Akupunktierte Patienten brauchen weniger Medikamente

In die Kreuzschmerz-Teilstudie wurden 1162 Patienten eingeschlossen. Die Ergebnisse sechs Monate nach Ende der jeweiligen Therapie: Die Akupunktur nach TCM-Regeln erreichte bei 71,1 % der Patienten einen Erfolg, das heißt eine Schmerzlinderung und/oder Funktionsverbesserung gemäß der zur Erfolgsmessung eingesetzten Instrumente. Die Sham-Akupunktur war in 67,7 % der Fälle erfolgreich, die Standardtherapie jedoch nur in 57,6 %. Durch Einberechnen von nicht erlaubten Zusatztherapien wie Krankengymnastik oder Spritzen, die durch Telefoninterviews erfasst wurden, sanken die Erfolgsraten auf 47,6 % für die Akupunktur nach TCM-Regeln, 44,2 % für die Sham-Akupunktur und nur 27,4 % für die Standardtherapie. "Der über sechs Monate nachweisbare Effekt von Akupunktur führte zu einem geringeren Verbrauch an Medikamenten und weiteren Therapieformen im Nachuntersuchungszeitraum als unter Standardtherapie", so gerac-Teilstudienleiter PD Dr. Michael Haake (Orthopädische Klinik Universität Regensburg).


Nadeln erringen überzeugende Erfolge - Wirkungsmechanismus weiter offen

Ähnlich sehen die (unbereinigten) Ergebnisse drei Monate nach dem Behandlungsende für die Teilstudie Kniegelenksverschleiß (Gonarthrose) aus, an der 1039 Patienten teilnahmen: Eine Abnahme der Schmerzen und eine Verbesserung der Kniegelenkfunktion ließ sich in allen drei Gruppen nachweisen, wobei die Erfolgsraten unter den Patienten mit TCM-Akupunktur (51 %) und Sham-Akupunktur (48 %) deutlich höher sind als bei den Patienten mit der konventionellen Standardtherapie (28 %). Die Zahl der Patienten, die im Untersuchungszeitraum mindestens einmal ein schmerzlinderndes und entzündungshemmendes Mittel benötigten, sind in den beiden Akupunkturgruppen (Verum: 35 %, Sham: 31%) niedriger als in der Standardtherapiegruppe (56 %). Auffallend ist, dass es auch hier keine signifikanten Unterschiede zwischen den Effekten der TCM- und der Sham-Akupunktur gibt. Die Auswahl der Akupunkturpunkte sowie die spezifische Stichtechnik scheint somit keinen wesentlichen Einfluss auf den Therapieeffekt zu haben.


Grundlage für die Beratungen zur Aufnahme in den Leistungskatalog

Die Ergebnisse der gerac-Studien, die von den Krankenkassen AOK, BKK, IKK, Bundesknappschaft, Landwirtschaftliche Sozialversicherung und See-Krankenkasse finanziert werden, sollen dem Gemeinsamen Bundesausschuss helfen zu entscheiden, ob die Kosten für Akupunkturbehandlungen künftig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden oder nicht. Bundesweit führen etwa 20.000 Ärzte (rund 17 % aller niedergelassenen Mediziner) Akupunktur bei verschiedensten Erkrankungen durch. Die Wirksamkeit war bislang noch nie wissenschaftlich bestätigt worden. "Die vergleichbar hohe Wirksamkeit der TCM- und der Sham-Akupunktur wirft jedoch weitere Fragen auf, ohne dass der beobachtete Effekt aus den vorhandenen Ergebnissen erklärt werden kann", fügt Prof. Hanns-Peter Scharf (Teilstudienleiter Gonarthrose, Orthopädische Klinik Universität Heidelberg) hinzu, "hierzu wären weitere Studien notwendig."

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch, Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-27790, Fax: 0234/32-14325, E-Mail: info@gerac.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.gerac.de

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