Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals Vermehrung des Hepatitis C Virus im Labor möglich

06.10.2004


Abteilung für Molekulare Virologie des Universitätsklinikums Heidelberg etabliert erfolgreich neues Zellsystem / Internationales Symposium "Hepatitis C und verwandte Viren" in Heidelberg / Neue Wirkstoffe in ersten klinischen Studien
Mit Hilfe eines neuen Zellsystems ist es erstmals möglich, Hepatitis C Viren (HCV) im Labor zu vermehren. "Dies ist ein Meilenstein in der Erforschung von Hepatitis C und wird sowohl der weiteren Grundlagenforschung als auch der Entwicklung geeigneter Wirk- und Impfstoffe gegen das Virus entscheidende Impulse geben", erklärte Professor Dr. Ralf Bartenschlager, Direktor der Abteilung Molekulare Virologie des Universitätsklinikums Heidelberg und hauptverantwortlicher Organisator des 11. Internationalen Symposiums "Hepatitis C und verwandte Viren" vom 3. bis 7. Oktober 2004 in der Stadthalle Heidelberg anlässlich einer Pressekonferenz am 4. Oktober. In Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Dr. Takaji Wakita, Universität Tokio, haben die Wissenschaftler in Heidelberg und Tokio das Zellsystem entwickelt, in dem der vollständige Lebenszyklus des HCV - also vom Eindringen in die Zelle über die Vermehrung innerhalb der Zelle bis zum Verlassen der infizierten Zelle - im Labor dargestellt werden kann.

... mehr zu:
»HCV »Hepatitis »Hepatitis C »Infektion »Virus


Die Infektion mit HCV ist weltweit eine der häufigsten Ursachen der chronischen Hepatitis (Leberentzündung), der Leberzirrhose und des hepatozellulären Karzinoms (Leberzellkrebs). In Westeuropa sind ca. 1-2% der Allgemeinbevölkerung und weltweit ca. 170 Millionen Personen chronisch mit diesem Virus infiziert. Das Leberversagen als Folge einer chronischen Hepatitis C stellt heute in den meisten industrialisierten Ländern die häufigste Indikation für eine Lebertransplantation dar. Trotz der zurückgehenden Anzahl von Neuinfektionen muss für die nächsten 20 bis 30 Jahre mit einer weiteren Zunahme von Patienten mit Spätfolgen der chronischen Hepatitis C gerechnet werden, wenn nicht verbesserte Therapien entwickelt werden.

Viel versprechende Wirkstoffe stören Vermehrungszyklus des Virus

"Wir brauchen Medikamente, die effektiver und verträglicher sind als die aktuellen Therapieformen mit den Wirkstoffen Interferon-alpha und Ribavirin", sagte Dr. Raffaele DeFrancesco, wissenschaftlicher Direktor der Abteilung Biochemie des Instituto Ricerche Biologia Moleculare in Rom. Auf diese Medikamente sprechen nur rund die Hälfte aller behandelten Patienten an. Außerdem muss die Therapie häufig wegen der starken Nebenwirkungen abgebrochen werden. Die Forscher konzentrieren sich jetzt auf zwei Virus-Faktoren (Enzyme), die das Virus braucht, um sich in einer infizierten Zelle zu vermehren: Die so genannte Polymerase vermittelt die Vermehrung des viralen Erbguts. Das zweite Angriffsziel ist die Protease. Sie spaltet Eiweiße und ist für die Produktion von Virus-Vermehrungsfaktoren verantwortlich. Ziel ist es, diese Enzyme gezielt in den infizierten Zellen zu hemmen und so die Virusausbreitung zu stoppen.

"Es befinden sich bereits sieben potentielle HCV-Wirkstoffe in ersten klinischen Studien", erklärte Dr. DeFrancesco, "und wir können damit rechnen, dass noch weitere folgen werden." Allerdings sind solche Studien langwierig und es können fünf bis sieben Jahren vergehen, bis erste wirksame Medikamente zur Routineanwendung am Patienten verfügbar werden.

Potentielle Impfstoffe sollen vor Leberschäden schützen

Auch die Impfstoffentwicklung wird vorangetrieben, wie Dr. Michael Houghton von der Chiron Corporation, USA und Entdecker des HCV berichtete. Mögliche Kandidaten befinden sich jedoch noch nicht in klinischen Studien. Große Hoffnungen setzen die Wissenschaftler auf therapeutische Impfstoffe, die einen Schutz vor Chronifizierung verleihen sollen. Zwar verhindert die Impfung mit einem solchen Wirkstoff nicht die Infektion, kann aber vor den schwerwiegenden Langzeitfolgen schützen. Denn ernsthafte Leberschäden entstehen quasi immer erst viele Jahre nach der Infektion, setzen also eine chronische Infektion voraus. Wenn es gelingt, das Virus rechtzeitig aus dem Körper zu eliminieren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Leberschaden entwickelt, äußerst gering. Eine Schutzimpfung gegen das HCV gibt es derzeit nicht. Dies liegt im Wesentlichen an der hohen Variabilität des Erregers, der in der Lage ist, seine für die Immunantwort relevanten Eigenschaften sehr schnell zu verändern.

Auf Grund des hohen Forschungs- und Entwicklungsbedarfs im Therapiebereich ebenso wie in der Grundlagenforschung, findet alljährlich eine Tagung zum Thema "Hepatitis C Virus und verwandte Viren" statt. An der diesjährigen Tagung nehmen ca. 650 Teilnehmer aus mehr als 30 verschiedenen Ländern teil. Sie wurde hauptverantwortlich von Professor Ralf Bartenschlager, Universität Heidelberg, organisiert unter Mithilfe von Professor Darius Moradpour, Universität Lausanne und Professor Heinz-Jürgen Thiel, Universität Giessen.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Ralf Bartenschlager
Direktor der Abteilung Molekulare Virologie
des Universitätsklinikums Heidelberg
E-Mail: Ralf_Bartenschlager@med.uni-heidelberg.de
Tel.: 06221 / 56 45 69

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: HCV Hepatitis Hepatitis C Infektion Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen