Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Familientherapie Drogenabhängigkeit von Jugendlichen verhindern

05.10.2004


Drogenmissbrauch bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ein drängendes gesellschaftliches Problem. Doch trotz steigenden Konsums sind frühzeitige Behandlungen junger Suchtkranker einschließlich ihrer Familien in Deutschland noch immer die Ausnahme. Ein vielversprechender Ansatz ist die Familientherapie. Dies berichteten Experten auf dem 5. Europäischen Kongress für Familientherapie und Systemische Praxis in Berlin am Beispiel des "Eppendorfer Modells". Damit kann das "Abrutschen" der Jugendlichen in eine schwere Drogenkarriere verhindert werden.



Der Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung liefert alarmierende Zahlen: Über ein Viertel der Jugendlichen hat Erfahrung mit illegalen Drogen, 15 Prozent sind Alkoholsucht gefährdet. Oft mündet der frühe Konsum in Abhängigkeit: Das Risiko eines beginnenden Drogenmissbrauchs ist im Alter von 14 bis 15 Jahren in Europa und Nordamerika am höchsten. Die Folge: 5,3 Prozent der 18- bis 24-Jährigen sind süchtig nach illegalen Drogen, außerdem sind 4,8 Prozent der jungen Männer alkoholabhängig.

... mehr zu:
»Drogenmissbrauch


Die Sucht eines Angehörigen erschüttert meist die gesamte Familie. Die familiäre Struktur, die Beziehungen und der Zusammenhalt drohen zu zerbrechen. Im Unterschied zu Europa ist daher in den USA die Familientherapie bereits der empfohlene Standard für die erfolgreiche Behandlung von Jugendlichen und Heranwachsenden.

Die erste europäische Studie, die an der Hamburger Uniklinik in Eppendorf durchgeführt wurde, macht Hoffnung, dass sich auch hierzulande die Therapie von jungen Suchtkranken verbessern wird. Mit einer Behandlung, die das soziale Umfeld mit einschließt, kann den Betroffenen effektiv geholfen werden. "Es hat sich gezeigt, dass die Familientherapie einen entscheidenden Beitrag leisten kann, familiäre Ressourcen so zu stärken, dass der Drogenmissbrauch der Jugendlichen bereits in einem sehr frühen Stadium abgewendet werden kann", fasst Professor Dr. Rainer Thomasius aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, die Erfolge des "Eppendorfer Modells" zusammen.

Die reguläre Beendigung der Therapie - die so genannte Haltequote - liegt bei Familientherapien mit jugendlichen Drogenpatienten bei 70 bis 90 Prozent. Das ist weit über dem internationalen Durchschnitt: Bei anderen Therapien mit jugendlichen Drogenpatienten beträgt die Haltequote zwischen 60 bis 65 Prozent. Auch die Ergebnisse zu längerfristigen Erfolgen sind vielversprechend: Nach zwei Jahren nähern sich die Werte der erreichten Familien denen von "unauffälligen" Referenzfamilien.

Die Ergebnisse und ihre Einordnung in den internationalen Forschungszusammenhang wurden von Rainer Thomasius aktuell publiziert (R. Thomasius, Hrsg.: Familientherapeutische Frühbehandlung des Drogenmissbrauchs. Eine Studie zu Therapieeffekten und -prozessen, Hamburg, Kovac, 2004)

Der EFTA-Kongress wurde ausgerichtet von den beiden deutschen Verbänden für systemische Forschung, Therapie, Beratung und Supervision, der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) und der Systemischen Gesellschaft (SG).

Bernhard Schorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.efta2004.de
http://www.dgsf.org
http://systemische-gesellschaft.de

Weitere Berichte zu: Drogenmissbrauch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie