Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Ziele in der Leukämieforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum

27.09.2004


Gleich vier Wissenschaftlerteams am Deutschen Krebsforschungszentrum beginnen derzeit viel versprechende Forschungsprojekte, mit denen sie die Therapiemöglichkeiten bei Leukämie und verwandten Blutkrankheiten verbessern wollen. Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e. V. unterstützt diese Forschungsarbeiten, die jeweils zwei bzw. drei Jahre dauern werden, mit insgesamt rund 900 000 Euro. Die Wissenschaftler der vier Gruppen verfolgen dabei ganz unterschiedliche Forschungsansätze.



Warum steigt bei Lymphomen die Erkrankungs- und Sterberate unvermindert an - anders als bei der Mehrzahl der übrigen Krebsarten? Dieser bislang ungeklärten Frage gehen Dr. Alexandra Nieters und Kollegen von der Abteilung für Klinische Epidemiologie nach. In einer multizentrischen Studie haben sie 3 000 Patienten befragt, die an einer bösartigen Erkrankung des lymphatischen Systems leiden, und Informationen über ihren Lebensstil und zur medizinischen Vorgeschichte wie Erkrankungen in der Kindheit, Allergien etc. zusammengetragen. Außerdem sammelten sie Blutproben der Betroffenen und beginnen nun mit einer Reihe von Untersuchungen zu genetischen Risikofaktoren. Die Auswertung dieser Daten soll Klarheit darüber bringen, inwieweit ein Zusammenwirken von genetischen Faktoren und Umweltfaktoren das individuelle Lymphom-Risiko beeinflusst.



Mit den Ursachen für die Akute Myeloische Leukämie (AML) beschäftigt sich die Forschergruppe um Dr. Adelheid Cerwenka in Zusammenarbeit mit Dr. Elisabeth Suri-Payer. Beim gesunden Menschen werden entartete Zellen vom körpereigenen Immunsystem durch so genannte "natürliche Killerzellen" abgetötet. Es gibt Hinweise darauf, dass bei Patienten, die an Akuter Myeloischer Leukämie erkranken, genau dieser Abwehrmechanismus gegen die Leukämiezellen gestört ist. Das Forscherteam will herausfinden, wodurch die Killerzellen in ihrer Funktion gehemmt werden. Wenn das gelingt, so hoffen die Wissenschaftler, könnten Methoden entwickelt werden, diese "Immun-Bremse" speziell bei den Killerzellen zu entfernen und damit die Heilungschancen zu erhöhen.

Auch die Wissenschaftler um Dr. Ingrid Hoffmann von der Arbeitsgruppe für Zellzykluskontrolle und Carcinogenese forschen über die Entstehung der Akuten Myeloischen Leukämie. Sie nimmt das Enzym Plk2 unter die Lupe, das bei der Zellteilung die Verteilung der Centrosomen (Bestandteile des Zellteilungsapparates) auf die Tochterzellen steuert. Tumorzellen weisen eine abnorme Zahl von Centrosomen auf, wodurch es bei der Teilung zu einer fehlerhaften Trennung der Chromosomen kommt. Die unkontrollierte Vermehrung der mutierten Zellen kann eine Akute Myeloische Leukämie auslösen. Erkenntnisse darüber, wie das Enzym Plk2 die Verdoppelung der Centrosomen steuert, könnten zur Entwicklung von effektiven Therapieformen beitragen, die das Entstehen der Leukämie bereits im Frühstadium bekämpfen.

Die Entstehung der weniger aggressiv verlaufenden Chronischen Lymphatischen Leukämie (CLL) ist Forschungsgegenstand der Arbeitsgruppe um Professor Peter Lichter, Leiter der Abteilung Molekulare Genetik. Nachdem die Forscher bereits einen funktionalen Zusammenhang zwischen dem Fehlen eines Gens im Bereich des Chromosoms 13 und dem Auftreten der Erkrankung aufzeigen konnten, soll nun die Funktionsweise weiterer Gene in diesem Chromosom untersucht werden. Ziel ist es, damit neue Behandlungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Allein in Deutschland erkranken jährlich über 24 000 Menschen an Leukämie und verwandten Blutkrankheiten, bei Kindern sind Leukämie und Lymphome die häufigsten Krebsarten. Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. finanziert mit Spendengeldern Projekte zur Leukämiebekämpfung, insbesondere im Bereich der Forschung und im Ausbau von Kliniken. Allein 2003 konnte sie dafür rund 13 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) e.V.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.carreras-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Centrosom Chromosom Killerzelle Leukämie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise