Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gynäkologen: Erste Brustzentren nach europäischen Standards akkreditiert

14.09.2004


Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe will nicht warten, bis die bislang in Deutschland praktizierte Zertifizierung von Brustzentren alle Anforderungen der europäischen Standards erfüllt. (Nach diesen Standards wurden bis Juni diesen Jahres 44 Zentren akkreditiert.) Darum beauftragte die Gesellschaft zwölf große Universitätsfrauenkliniken, sich nach den strengen EU-Richtlinien akkreditieren zu lassen. "Die großen Universitätskliniken haben keine Probleme damit, die strengeren Kriterien der EUSOMA zu erfüllen und den politischen Vorgaben zu folgen", erklärt Professor Walter Jonat, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein - Campus Kiel. Die beiden Frauenkliniken des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein - Campus Lübeck (Direktor: Professor Klaus Diedrich) und Campus Kiel (Direktor: Professor Walter Jonat) wurden als erste der zwölf Kliniken Ende letzter Woche akkreditiert.

... mehr zu:
»EUSOMA

Die Akkreditierung erfolgt durch ein international besetztes Expertengremium des EUSOMA-Vorstandes. "Wenn die Akkreditierung in allen europäischen Ländern angelaufen ist, dürfte es langfristig nationale Gremien geben, welche diese Funktion übernehmen und koordinieren", sagt Jonat. Als erste europäische Klinik überhaupt wurde von der EUSOMA die Frauenklinik der Universität Zürich akkreditiert. Das Gremium überprüft bei der ersten Akkreditierung die Strukturqualität der Kliniken. Doch binnen eines Jahres, wenn die erneute Akkreditierung fällig wird, steht bereits die Behandlungsqualität auf dem Prüfstand: Dann geht es um Überlebensraten von Patientinnen, die Rate an Krankheitsrückfällen oder den Anteil brusterhaltender Operationen.

Kritik an bisheriger Zertifizierungspraxis.


Die in Deutschland bislang von zwei Fachgesellschaften - Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Senologie - aufgestellten Zertifizierungskriterien, ließen beispielsweise Hintertüren für jene Zentren offen, welche die nötigen Operationszahlen nicht erfüllen: Mindestens 150 neu diagnostizierte Brustkrebserkrankungen soll ein Zentrum jährlich behandeln, jeder Operateur soll mindestens 50 Eingriffe pro Jahr vornehmen. Da dies manche Kliniken nicht schaffen, können sich mehrere Häuser einer Region zusammenschließen, um so diese Hürde zu nehmen. Insbesondere diese Regelung löste in Fachkreisen und bei Patientinnen-Organisationen scharfe Kritik aus. Ebenso fordert die EUSOMA, dass jedes Mitglied des Kernteams in seinem Fachgebiet auf Brustkrebs spezialisiert ist - auch dies fehlt in den bisherigen deutschen Richtlinien.

Abgeschwächt wurde auch die EU-Vorgabe, dass jede Patientin interdisziplinär beraten und behandelt wird. Die hierzulande bislang zertifizierten Zentren müssen in den ersten beiden Jahren 20 Prozent der Patientinnen und binnen drei Jahren die Hälfte der Frauen interdisziplinär behandeln. Ebenso fehlt in den deutschen Richtlinien die unabhängige und externe Überprüfung der Behandlungsergebnisse.

"Es ist nicht auszuschließen", so Jonat, "dass es in Deutschland noch eine Zeit lang zwei Stufen der Zertifizierung geben wird: eine mit geringeren Anforderungen, die regional oder lokal zum Einsatz kommt und eine für die überregionalen Zentren, die auch heute schon die europäischen Kriterien erfüllen."

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dggg.de
http://www.awmf.org

Weitere Berichte zu: EUSOMA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

nachricht Was Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv macht
18.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten