Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Comeback eines Wirkstoffes

21.07.2004


Bis auf die Kinoleinwand schaffte es das Medikament Germanin. Der Grund für diese Popularität: 1916 entdeckt, setzen Ärzte den Wirkstoff seit den 20er Jahren erfolgreich gegen die in Afrika weit verbreitete Schlafkrankheit ein, eine durch Parasiten verursachte Erkrankung, die bis dahin zum Tod führte. Die Entdeckung von Germanin war ein solcher Durchbruch, dass es den Stoff für einen gleichnamigen Film lieferte.



Heute unter der Bezeichnung Suramin bekannt, hat sich das Medikament inzwischen in der Behandlung vieler Leiden als nützlich erwiesen. Es wirkt nicht nur gegen die Schlafkrankheit, sondern auch gegen Flussblindheit, eine tropische Wurmerkrankung, und gegen manche Tumorarten. Ebenso untersuchen Forscher seinen Einfluss auf eine HIV-Infektion.

... mehr zu:
»Apoptose »Leberversagen »Suramin


Jetzt macht der in die Jahre gekommene Filmstar wieder von sich reden. Eine Arbeitsgruppe um Sören Eichhorst und Alexander Gerbes an der Medizinischen Klinik II des Klinikums der Universität München hat offensichtlich ein neues mögliches Einsatzgebiet entdeckt: akutes fulminantes Leberversagen, eine meist tödlich verlaufende Leberfunktionsstörung, die zum Beispiel durch Medikamente, Pilzvergiftungen oder Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus verursacht wird. Bei einem Drittel aller Patienten mit Leberversagen lässt sich überhaupt kein bekannter Auslöser feststellen. Bei Leberversagen stirbt die Mehrheit der Leberzellen in Folge eines Prozesses, der als Apoptose bezeichnet wird. Dieses Selbstmordprogramm gehört zum Inventar jeder Zelle; an sich ist es ein lebenswichtiger Schutzmechanismus, etwa gegen geschädigte Zellen, die zum Tumor auswachsen könnten. Gegen den geballten Zelltod, wie er bei Leberversagen auftritt, sind die Mediziner bislang machtlos. Der neue Hoffnungsträger Suramin könnte das ändern.

Die anti-apoptotische Wirkung des von der Firma Bayer entwickelten Medikamentes untersuchte der Mediziner Eichhorst zunächst an Zellkulturen. Er entdeckte, dass Suramin manche Zelltypen vor Apoptose schützen kann, darunter auch Leberzellen. Neugierig geworden, ging der Forscher daran, bei Mäusen Apoptose auszulösen und so akutes Leberversagen hervorzurufen. 40 Prozent der mit dem Medikament behandelten Mäuse starben nicht, ihre Leber zeigte nicht das für Leberversagen typische Aussehen. Somit könnte Suramin eine neue Rolle in der Behandlung akuten Leberversagens zukommen. "Da das Präparat bereits für andere Indikationen zugelassen ist, sind Dosierungen und Nebenwirkungen bekannt und müssen nicht in zusätzlichen Studien bestimmt werden; das könnte die Zeit bis zu einem möglichen Comeback des Wirkstoffs verkürzen", betont Professor Dr. Alexander Gerbes.

Dr. Eichhorst und seine Mitstreiter untersuchen, worauf der anti-apoptotische Effekt genau beruht. Klar ist nur, dass Suramin die Aktivierung bestimmter Enzyme verhindert, die die Zelle zum Starten des Selbstmordprogramms benötigt. In naher Zukunft sollen im Rahmen einer klinischen Studie die ersten Patienten mit Leberversagen Suramin bekommen. Sind die Ergebnisse ähnlich gut wie am Mausmodell, dürfte einer Ausweitung der Indikation nichts im Wege stehen.

Rückfragen an: Dr. Sören Eichhorst, Telefon 089/ 7095-3176 oder 7095-2292

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Apoptose Leberversagen Suramin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik