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Hautkrebs: Cremen statt schneiden

02.07.2004


Neue Therapieoptionen bei Hautkrebs



Die Neuerkrankungsrate bei Hauttumoren steigt jährlich um zwei bis acht Prozent. Jedes Jahr erkranken alleine in Deutschland mehr als 100.000 Menschen an Hautkrebs, etwa 2.000 sterben daran. Am häufigsten ist der helle Hautkrebs, vor allem das Basalzellkarzinom, das etwa 10 mal so häufig wie der allerdings wesentlich bösartigere schwarze Hautkrebs (Melanom) auftritt. Aber nicht nur Hautkrebs ist auf dem Vormarsch, auch die Behandlungsmöglichkeiten haben gerade beim hellen Hautkrebs enorme Fortschritte gemacht.

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So stehen neuerdings neben den bisher üblichen, invasiven Behandlungsverfahren auch nicht- oder minimalinvasive Methoden zur Verfügung. Diese sind sowohl für die häufigste Vorstufe von Hautkrebs, den sogenannten aktinischen Keratosen, als auch für oberflächliche und frühe Formen von hellem Hautkrebs geeignet und machen früher übliche operative Techniken in vielen Fällen überflüssig. Zu diesen neuen, sehr wirkungsvollen Behandlungsmethoden gehört der Einsatz von Immuntherapeutika in Cremeform und auch die photodynamische Therapie als weitere schonende Alternative, die ein Wirkstoff in Cremeform und die anschließende Bestrahlung mit rotem Licht kombiniert. "Die mit einer hohen Erfolgsquote verbundene Behandlung der Frühformen ist bei Hautkrebs viel leichter möglich als bei anderen Krebsformen. Die neuen Behandlungsoptionen erweitern dabei ganz wesentlich unsere Möglichkeiten", so Professor Roland Kaufmann, Direktor der Universitätshautklinik der J. W. Goethe-Universität Frankfurt a. M, der wesentlich an der Entwicklung der photodynamischen Therapie beteiligt war.

Die neuen Verfahren haben mehrere Vorteile gegenüber der klassischen Operation. Da sie spezifisch auf erkrankte Zellen wirken, können die Cremes auch über die direkt befallenen Areale hinaus aufgetragen werden. So lässt sich besser als bei einer Operation sicherstellen, dass alle erkrankten Zellen erfasst und bei mehreren benachbarten Stellen auch solche behandelt werden, die klinisch schwer erkennbar sind. Die Zahl der Rezidive ist gering. Auch hinterlassen die sanften Behandlungsmethoden keine Operationsnarben, was besonders bei im Gesicht auftretenden Tumoren von großer Bedeutung ist. Schließlich wird auch die Behandlung von operativ schwer zugänglichen Tumoren erleichtert.
Bei der Photodynamischen Therapie wird eine Creme aufgetragen, deren Wirkstoff sich besonders stark in Tumorzellen anreichert, wo sie besonders stark zu einer Substanz verstoffwechselt wird, die diese Tumorzellen dann anfällig für eine Lichtbestrahlung macht. Nach einigen Stunden wird diese photosensibilisierende Substanz durch die Bestrahlung mit Rotlicht aktiviert. In einer lichtinduzierten Reaktion werden Sauerstoffradikale freigesetzt, die zum Tod der Tumorzelle führen. Obwohl erst vor kurzer Zeit zugelassen, ist diese Methode bereits gut erprobt und bei vielen oberflächlichen Hautkrebsformen zu einer neuen Standardtherapieoption geworden.

Die Behandlung mit Immun-Creme setzt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. Die an den erkrankten Hautstellen aufgetragene Creme regt die lokale Ausschüttung von Zytokinen an und fördert die Vernichtung des Tumors durch das Immunsystem. Die Zahl der eingesetzten Immunmodulatoren wächst. Voraussichtlich in diesem Jahr wird das zur Behandlung von Feigwarzen bereits erfolgreich eingesetzte Imiquimod die Zulassung für die Anwendung beim Basalzellkarzinom und möglicherweise bei aktinischen Keratosen erhalten.

Trotz aller Vorteile gibt es jedoch auch einen Wehrmutstropfen. Denn noch werden die neuen Therapieformen nicht von den Kassen getragen. Die Folge: die Kosten für die Medikamente müssen von den Patienten selbst übernommen werden. "Die Cremes sind ziemlich teuer - da können schnell ein paar Hundert Euro zusammen kommen", so Kaufmann. Seiner Ansicht nach wäre es wünschenswert, wenn die neuen Therapien von den gesetzlichen Krankenkassen so schnell wie möglich anerkannt würden oder sich die Kosten infolge einer breiteren Anwendung auch auf Herstellerseite senken ließen. Das Argument, dass sie zu teuer seien, greife allerdings zu kurz. Denn "durch eine frühzeitige und schonende Behandlung können spätere eingreifendere und aufwändigere Methoden vermieden und daher eher Folgekosten gesenkt werden", so Kaufmann. Das führe mittelfristig nicht zu einer stärken Belastung sondern zu einer Entlastung der Kassen.

Dr. Georg Dönges | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

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