Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tag der Rheumakranken: Gesundheit aus der Tiefsee gegen den Rheumaschmerz

08.06.2001

Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, die Antioxidantien Vitamin C und E sowie das entzündungshemmende Spurenelement Zink reduzieren die Bildung von Entzündungsmediatoren bei Rheumatikern

DIET: Reichlich Fischfett und wenig Arachidonsäure reduzieren Entzündung, Schmerzen und Medikamentendosis bei Rheuma

Omega-3-Fettsäuren aus dem Öl fettiger Fische, die natürlichen Antioxidantien Vitamin C und E im Verhältnis zwei zu eins, das entzündungshemmende Zinkhistidin sowie eine arachidonsäurearme Kost reduzieren die Bildung von entzündungsvermittelnden und damit schmerzauslösenden Stoffen bei rheumatoider Arthritis, teilt heute der Sprecher des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.), Sven-David Müller, zum Tag der Rheumakranken, der am Samstag, dem 9. Juni 2001 bundesweit stattfindet, in Bad Aachen mit. Neben der medikamentösen, chirurgischen und physikalischen Therapie ist die richtige Ernährungsweise eine weitere wichtige Maßnahme bei der Behandlung von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, betont DIET-Ernährungswissenschaftlerin Birgit Junghans.

Die Fettsäure Arachidonsäure ist Ausgangsubstanz für Entzündungsvermittler, die der Arzt als Entzündungsmediatoren bezeichnet. Arachidonsäure kommt nur in fettreichen tierischen Lebensmitteln vor, so Junghans. Viel Arachidonsäure bedeutet Entzündung und Schmerzen, erläutert Sven-David Müller. Gegen die Schmerzen wirken die in fetten Fischen vorkommenden Omega-3-Fettsäuren. Diese als Eikosane, kurz EPA, bezeichneten langkettigen Fettsäuren verdrängen die Arachidonsäure aus ihrem Stoffwechselweg. Dadurch gehen die Entzündungsaktivität und Schmerzen zurück. Omega-3-Fettsäuren wirken gegen Entzündungen, betont Müller. Die durchschnittliche Arachidonsäureaufnahme in Deutschland liegt bei 300 Milligramm. Dem steht ein Verbrauch von nur 0,1 Milligramm gegenüber. Der Überschuss im Körper führt zu Bildung von Entzündungsmediatoren, die bei Rheumatikern zu den gefürchteten Schmerzen führen. Arachidonsäurefrei sind Obst, Gemüse, Getreide, Brot, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Reis, Wasser, Zucker sowie pflanzliche Fette.

Als beste Quelle für die entzündungshemmenden Eikosane gelten Makrele, Lachs, Hering, Thunfisch und Sardine. Der Omega-3-Fettsäure-Gehalt, der naturbedingten Schwankungen unterworfen ist, liegt zwischen 1,4 und 2,6 Gramm pro 100 Gramm Fisch. Um einen therapeutischen Effekt zu erzielen, müssten lebenslang täglich zwischen 100 und 200 Gramm der genannten Fettfische verzehrt werden, denn Studien ergaben, dass bei Rheuma 25 bis 35 Milligramm pro Körperkilogramm täglich zugeführt werden müssen, so Ernährungswissenschaftlerin Junghans. Nur 40 Gramm Fisch nimmt der Bürger in Deutschland durchschnittlich auf, betont Müller, denn die Deutschen sind leider Fischmuffel. Die Experten des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik betonen daher, dass die therapeutisch notwendige Eikosan-Dosis nur mit Fischölkapseln (Arzneimitteln) oder Fischölperlen (diätetische Lebensmittel) zu erreichen ist. Mit Messer und Gabel gegen Rheuma heißt zusammengefasst: Täglich und reichlich Fisch, Gemüse, Obst, Vollkornprodukte aber wenig Fleisch, Wurst, fetter Käse und ausreichend fettarme Milchprodukte zu essen. Da sich die Bildung der Entzündungsmediatoren nur langsam verändert und der Bestand an Arachidonsäure im Körper reduziert, kommt es erst vier Wochen nach einer Ernährungstherapie zu einer Verringerung der Schmerzen und der Steifigkeit der Gelenke. Verschiedene Studien beweisen, dass der Verzicht auf arachidonsäurereiche Lebensmittel und die reichliche Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren helfen, die Medikamentendosis zu verringern, gleichzeitig die Schmerzen zu vermindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Außerdem bedeuten weniger Rheumamedikamente auch weniger Nebenwirkungen, so Sven-David Müller.

Aber auch Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C, Zink und Selen vermindern die Bildung von Entzündungsmediatoren. Daher ist der Bedarf an diesen Mikronährstoffen bei Rheumatikern auch deutlich erhöht. Die entzündlichen Prozesse selbst, die bei rheumatischen Erkrankungen ablaufen, erhöhen beispielsweise den Vitamin-E-Bedarf. Auch das Spurenelement Zink wirkt entzündungshemmend und nimmt somit direkt Einfluss auf rheumatische Erkrankungen. Empfehlenswert ist die Einnahme von organisch gebundenem Zink, denn dieses ist für den Körper besonders gut verfügbar. Eine solche Verbindung ist Zinkhistidin, die den zusätzlichen Vorteil des entzündungshemmenden Histidins aufweist.

Weitere Informationen zur "Anti-Rheuma-Diät" erhalten Interessierte über die Hotline "Eikosane - Gesundheit aus der Tiefsee", die das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik dauerhaft eingerichtet hat. Die Ernährungsexperten des Instituts stehen werktags von 8.30 bis 9.30 Uhr für Anfragen unter der Telefonnummer 0241-6080832 zur Verfügung. Die Anrufer müssen lediglich die Telefongebühren tragen.

Journalistenservice:

Buchtipp zum Tag der Rheumakranken: Genussvoll essen bei Rheuma, Christiane Pfeuffer, Midena Verlag, 2000, 96 Seiten, 19,90 DM, Rezensionsexemplare, Journalistenservice (Rezepte, Texte und Fotos): ulrich.ehrlenspiel@droemer-weltbild.de

Hintergrundinformation: Der Begriff Rheumatismus kommt aus dem Griechischen und bedeutet "fließen" oder "strömen". Bereits 1930 führen Untersuchungen an Eskimos zu der Erkenntnis, dass entzündliche rheumatische Erkrankungen bei diesen außerordentlich selten sind. Das lässt sich direkt auf die fischreiche Kost der Eskimos mit reichlich Omega-3-Fettsäuren zurückführen.

| ots
Weitere Informationen:
http://www.diet-aachen.de

Weitere Berichte zu: Arachidonsäure Rheuma

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie