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Wenn das Virus der Liebe zuschlägt

11.05.2001


Die ersten heißen Sonnenstrahlen des Jahres bringen auch Herpes simplex wieder ans Tageslicht

Man nennt es Virus der Liebe und trotzdem hassen es die meisten. Die Rede ist von Herpes. Denn immer, wenn sich - wie jetzt im Frühjahr - die ersten Sonnenstrahlen zeigen, macht es sich unangenehm bemerkbar: Jucken und Blasen auf den Lippen sind noch die harmlosesten Erscheinungen. Wenn Herpes simplex - so nennen es die Wissenschaftler - zuschlägt, dann ist nicht nur Küssen tabu, sondern auch Sex.
Das Tückische an den Plagegeistern: Sie kommen oft völlig unverhofft. Auch wenn sie sich Jahrzehnte nicht gezeigt haben, kann eine plötzliche Schwächung des Immunsystems die lästigen Winzlinge wieder zu Tage fördern.
Professor Manfred H. Wolff, Mikrobiologe an der Universität Witten/Herdecke, weiß aus Untersuchungen, dass 80 Prozent der Altersgruppe der über 35-Jährigen das Virus in sich tragen: "Meistens findet die Durchseuchung mit dem Virus schon im Alter zwischen zwei und 20 statt", sagt der renommierte Immunologieexperte.
Der Grund für das massenhafte Auftreten von Herpes - besonders in der schöneren Jahreszeit - liegt darin, dass die ersten ausgedehnten Sonnenbäder zwar Balsam für die Seele sind, aber auch den winterträgen Körper kräftig strapazieren: "Stress ist der wichtigste Auslöser für Herpes", erklärt Wolff. Aber auch Hormonstörungen während der Menstruation können das Virus auf den Plan rufen. Frauen zwischen 16 und 40 Jahren sind von den Plagegeistern häufiger betroffen als Männer der gleichen Altersgruppe.
Hoffnungen auf wirksame Therapien gegen Herpes kann Wolff nicht machen. Der Grund: Das Virus ist erfinderischer, als jedes bisher bekannte Medikament. Wenn man es beispielsweise mit handelsüblichen Arzneien und Salben bekämpft, zieht es sich zwar für eine Weile von Lippen und anderen Körpergegenden zurück. Aber es bleibt weiter lauernd im Hintergrund. Es flüchtet gleichsam vor dem Medikament über die Nervenbahnen bis tief hinein in die Nervenknoten. Bis es Sonnenstrahlen und/oder eine Schwäche des Immunsystems wieder ans Tageslicht locken, vergehen oft Jahre oder gar Jahrzehnte, erklärt Professor Wolff.
Besonders tückisch: Bei manchen Menschen zeigt sich das Virus selbst dann nicht, wenn es sich bereits reaktiviert hat. Die Forscher nennen das eine "subklinische Reaktion". Damit meinen sie, dass die Herpesträger selbst gar nicht merken, dass sie virulent sind und ihre Mikroorganismen unbemerkt an andere weitergeben.

Institut für Mikrobiologie/Virologie, Prof. Dr. Manfred H. Wolff, Tel.: 02302/669-107
E-Mail: mhwolff@uni-wh.de

Christiane Bensch | idw

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