Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Therapieansatz gegen Krebs-Metastasen

12.01.2004


Wachstumsfördernde Signale in Tumorumgebung ausschalten


Die Hauptgefahr eines bösartigen Tumors liegt in seiner Fähigkeit, Tochtergeschwülste zu bilden. Der Tumor ist dann nur noch schwer zu beherrschen - die Heilungschancen sinken rapide. Forscher aus Erlangen und München wollen jetzt genauer untersuchen, welche Mechanismen einen Tumor zur Metastasierung befähigen und wieso bestimmte Organe bevorzugt befallen werden. Das Ziel des Forschungsprojekts: eine spezifische Therapie zu entwickeln, welche die Metastasierung verhindert. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit rund 100.000 Euro.

Wie erlangen bösartige Tumoren die Fähigkeit in umliegendes Gewebe einzudringen und in bestimmten Organen Metastasen zu bilden? Um diese Fragen zu beantworten, verfolgen die Wissenschaftler einen neuen Ansatz: "Krebs beruht in erster Linie auf genetischen Fehlern in den Zellen. Unsere bisherigen Untersuchungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass auch im umliegenden gesunden Gewebe des Tumors Faktoren vorhanden sein müssen, die das Krebswachstum voran treiben und für die Bildung von Metastasen in bestimmten Organen mit verantwortlich sind", erklärt der Projektleiter Professor Dr. Thomas Brabletz, Institut für Pathologie der Universität Erlangen-Nürnberg. Zusammen mit Professor Dr. Thomas Kirchner aus Erlangen und Privatdozentin Dr. Christiane Bruns, Chirurgische Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximillian-Universität München, will er am Beispiel des Darmkrebses solche Faktoren aufspüren.


Das Forscherteam hat bereits eine Substanzgruppe im Visier, durch die das Krebswachstum möglicherweise gefördert wird: die so genannten Zytokine. Diese natürlichen Botenstoffe werden von körpereigenen Zellen freigesetzt und übernehmen im gesunden Organismus vielfältige steuernde Funktionen. "Bei der Krebsentstehung könnte sich ihre positive Wirkung umdrehen: Sie werden zur treibenden Kraft für die Bildung von Metastasen", erläutert Professor Brabletz. Damit würden sie viel versprechende Angriffspunkte für neue Therapien gegen Krebs darstellen.

"Die Zytokine regulieren im Tumor möglicherweise die Funktion eines Proteins, das bei der Ausbreitung von Darmkrebs eine Schlüsselrolle spielt", so der Projektleiter. Dabei handelt es sich um das "b-Catenin". Dieses Protein sitzt im gesundem Zustand an der Zellhülle und hält im Verbund mit anderen Molekülen als eine Art Kitt die Zellen zusammen. Dadurch verhindert es, dass die Zellen aus ihrem Verband ausbrechen. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich das b-Catenin während des Eindringens des Tumors in gesundes Gewebe und der Bildung von Metastasen nicht mehr in der Nähe der Zellwand befindet, sondern ins Zellinnere wandert. "Dieses Wanderungsverhalten des Proteins wird vermutlich von den Zytokinen aus der Tumorumgebung beeinflusst", erklärt Professor Brabletz. "Mit fatalen Folgen: Denn im Zellinnern wird das b-Catenin von der Bremse zum Motor. Als Onkogen aktiviert es nun eine Reihe weiterer Gene, die das Krebswachstum fördern."

Das Forscherteam will weiter aufklären, wie die Zytokine mit den Krebszellen und dem b-Catenin zusammen wirken. "Unser Ziel ist es, die Substanzen zu blockieren, welche das Wanderungsverhalten des b-Catenin beeinflussen, um so die Bildung von Metastasen deutlich zu verringern", erläutert der Mediziner.

Metastasierung

Bei der Bildung von Metastasen lösen sich die Tumorzellen aus dem Zellverband des Primärtumors, dringen in benachbartes Gewebe ein und gelangen über die Blut- oder Lymphbahnen in entfernte Körperregionen. Dort können sie sich ansiedeln und Tochtergeschwülste, so genannte Metastasen, des ursprünglichen Tumors bilden. Bei etwa einem Viertel aller Patienten mit Darmkrebs haben sich zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen in anderen Organen gebildet. In 75 Prozent der Fälle treten diese Absiedlungen in der Leber auf. Als zweithäufigstes Organ ist die Lunge betroffen (15 Prozent). Seltener findet man Tochtergeschwülste in Nieren, Gehirn und Knochenmark. Auch bei anderen Tumorarten sind Organe bekannt, in denen mit größerer Wahrscheinlichkeit Metastasen auftreten als in anderen. So sind zum Beispiel beim Brustkrebs häufig in der Lunge oder in den Knochen Krebsabsiedlungen zu finden.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Darmkrebs Gewebe Krebswachstum Metastase Organ Protein Tochtergeschwülst Zytokin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie