Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meilenstein im Kampf gegen Krebs

09.10.2003


Siemens und die GSI unterzeichnen einen Vertrag, um eine neue Methode zur Bestrahlung von Tumoren einer größeren Patientenzahl zugänglich zu machen



Krebs heißt die Diagnose, die bei jährlich weit über 300 000 Menschen in Deutschland gestellt wird - jeder vierte Deutsche stirbt an der damit zweithäufigsten Todesursache. Die Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) und Siemens Medical Solutions haben mit der Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages in Darmstadt eine neue Bestrahlungstherapie für den klinischen Einsatz zugänglich gemacht, sodass in Zukunft mehr Patienten behandelt werden können. Durch diese neue Methode, die "Partikeltherapie mit Schwerionen", steigen die Heilungschancen bei einigen Krebs-Tumoren - wie zum Beispiel bei bösartigen Tumoren, die vom Knorpel der Schädelbasis ausgehen, auf über 90 Prozent - wie Studien bei der GSI belegen. Siemens übernimmt die Produktion und Vermarktung der Bestrahlungsanlagen, basierend auf der bei GSI entwickelten Therapieform. Die Partikeltherapie zeichnet sich durch besonders hohe Präzision und Effizienz aus und bietet den Vorteil, auch Tumorerkrankungen behandeln zu können, die aufgrund ihrer Lage oder Nähe zu Risikoorganen nur schwer oder gar nicht zu behandeln sind - ein Meilenstein in der Krebstherapie.

... mehr zu:
»Partikeltherapie »Schwerion


Die Partikeltherapie mit Schwerionen ist ein sehr präzises und biologisch hochwirksames Therapieverfahren. Über eine Beschleunigeranlage werden die Schwerionen auf eine sehr hohe Geschwindigkeit gebracht und in den Tumor geschossen. Dort fügen die Schwerionen den Tumorzellen irreparable Schäden zu. Durch die exakt berechenbare Reichweite und mithilfe einer millimetergenauen Steuerung lässt sich der Tumor punktgenau bestrahlen, wodurch das umliegende gesunde Gewebe geschont wird. Ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist bei dieser Behandlung nur in Ausnahmefällen nötig, da bisher außer leichten Hautrötungen kaum Nebenwirkungen auftraten. "Die Ergebnisse haben unsere Erwartungen übertroffen, da wir eine sehr schnelle und auch dauerhafte Tumorreaktion in diesen Patienten gesehen haben. Wir möchten diese Art der Bestrahlung auch an anderen Tumoren und größeren Patientenzahlen einsetzen", sagte PD Dr. Dr. Jürgen Debus, ärztlicher Direktor der Klinischen Radiologie Heidelberg.

Die Kooperation von Siemens mit der GSI stellt für das ehrgeizige Projekt der Partikeltherapie mit Schwerionen einen entscheidenden Schritt nach vorne dar: Denn diese neue und effektive Methode zur Behandlung von Tumoren soll durch den Wissensaustausch zwischen Forschung und Industrie einer großen Zahl an Patienten zugänglich gemacht werden. "Die Anerkennung als Heilverfahren haben wir bereits für einige Indikationen. Daher ist es nun wichtig, weitere Möglichkeiten für klinische Erprobungen auch auf anderen Tumorgebieten zu erhalten", erläuterte Professor Dr. Walter F. Henning, Wissenschaftlicher Direktor der GSI. "Die Behandlung mit Schwerionen ist eine Therapiemaßnahme mit großen Zukunftschancen, welche wir als ganzheitlicher Lösungsanbieter für Diagnose und Therapie gerne in unser Produkt-Spektrum aufnehmen, um so unsere Stellung in der Onkologie weiter ausbauen zu können", erklärte Dr. Hermann Requardt, Mitglied des Bereichsvorstandes, Siemens Medical Solutions.

Finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Landes Hessen hat die GSI gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum, dem Universitätsklinikum Heidelberg und dem Forschungszentrum Rossendorf die Therapie mit Schwerionen entwickelt. In einer klinischen Studie konnten seit 1997 etwa 200 Patienten mit dieser Methode erfolgreich bei der GSI behandelt werden. "Schwerionentherapie ist ein Quantensprung in der Entwicklung der Strahlentherapie: Ionenstrahlen sind ein neues Skalpell in der Hand des Arztes, das besonders scharf und präzise geführt werden kann. Die Schwerionentherapie hat eine gute Chance sich zu einer unblutigen Strahlen-Chirurgie zu entwickeln mit allen positiven Folgen für den Patienten: höhere Heilungschancen, kürzere Behandlungsdauer und weniger Nebenwirkungen. Die bisherige klinische Studie hat diesen Trend voll bestätigt", sagte Professor Gerhard Kraft, Abteilungsleiter Biophysik der GSI. "Mit der Serien-Produktion von Ionen-Therapie-Anlagen durch Siemens wird diese Entwicklung in absehbarer Zeit für mehr Patienten zugänglich sein."

Dr. Ingo Peter | idw
Weitere Informationen:
http://www-new.gsi.de

Weitere Berichte zu: Partikeltherapie Schwerion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften