Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesucht: Enzym-Hemmstoffe aus Pflanzenextrakten

30.09.2003


Das Medikament Cyclosporin unterdrückt Abwehrreaktionen des Immunsystems und kommt zum Beispiel für organtransplantierte Patienten in Frage. Die könnten ihre Arznei auch mit Grapefruitsaft einnehmen - denn der macht das Medikament für den Körper wesentlich besser verfügbar. An der Uni Würzburg suchen Pharmazeuten nach weiteren Pflanzenextrakten mit ähnlichen Wirkungen.


(-)-Hydrastin (links) steckt in der Kanadischen Gelbwurz, (+)-Hydrastin (rechts) im Hohlen Lerchensporn. Beide können das am Arzneimittelstoffwechsel beteiligte Enzym Cytochrom-P450-3A4 stark hemmen. (+)-Hydrastin wirkt 25 Mal stärker. Grafik: Unger



Grapefruitsaft unterdrückt im Darm die so genannten Cytochrom-P450-Enzyme, und die gehören zu einem Entgiftungssystem, das die Wirkung von Arzneistoffen untergraben kann. Mit diesem System versucht der Körper, zum Beispiel Medikamente oder Umweltgifte so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Für diesen Zweck wandelt er die Fremdstoffe in wasserlösliche und damit gut über die Nieren ausscheidbare Substanzen um.

... mehr zu:
»Pflanzenextrakt


Fast alle Arzneistoffe geraten im Organismus des Menschen in die Fänge der Cytochrome. Der Hauptvertreter dieser Enzymgruppe (Kurzname: CYP 3A4) ist am Stoffwechsel von 60 Prozent der bekannten Arzneimittel beteiligt. Viele klinisch bedeutsame Wechselwirkungen zwischen Medikamenten beruhen auf einer Hemmung der Cytochrome, etwa die Erscheinung, dass ein Medikament die Wirkung eines anderen verstärkt.

Für die pharmazeutisch-medizinische Forschung ist es also durchaus von Interesse, wie es um die Aktivität dieser Enzyme steht. "Während deren Wechselwirkungen mit synthetischen Arzneistoffen sehr gut untersucht sind, weiß man darüber im Bereich der pflanzlichen Medikamente noch sehr wenig", sagt Dr. Matthias Unger. Der Würzburger Pharmazeut will nun Pflanzeninhaltsstoffe identifizieren, welche die Cytochrom-P450-Enzyme besonders stark hemmen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert sein Projekt.

Unger untersucht unter anderem Extrakte aus der Kanadischen Gelbwurz oder aus Johanniskraut, Hopfen und Küchengewürzen wie zum Beispiel Pfeffer. Im Labor bringt er die Pflanzenauszüge mit Lebergewebe (Mikrosomen) des Menschen oder direkt mit Cytochrom-P450-Enzymen zusammen. Hinzu kommt noch ein Arzneistoff, der von den Enzymen in bekannter Weise umgewandelt wird.

Dann analysiert der Würzburger Wissenschaftler, in welchem Ausmaß diese Umwandlung stattfindet, und zwar mittels einer Kopplung von Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie (LC/MS). Falls die enzymatische Reaktion gehemmt wird, isoliert Unger als nächstes den hierfür verantwortlichen Inhaltsstoff der Pflanze und klärt dessen Struktur mit massenspektrometrischen und spektroskopischen Methoden auf.

Stoffe, welche die Cytochrom-P450-Enzyme hemmen, besitzen auch eine therapeutische Bedeutung: Die gegen Pilzinfektionen verwendeten Azol-Antimykotika beispielsweise unterbinden die Entstehung von Ergosterol, das für den Aufbau der Pilz-Zellwand absolut notwendig ist. So haben die Arbeiten von Unger noch einen weiteren Aspekt, bei dem die Molekülstruktur der Pflanzeninhaltsstoffe als Vorbild dient: "Besonders starke Hemmstoffe der Cytochrom-P450-Enzyme können als Leitstrukturen für die Entwicklung neuer Arzneistoffe dienen", so Unger.

Weitere Informationen: Dr. Matthias Unger, T (0931) 888-5463, Fax (0931) 888-5494, E-Mail:
unger@pharmazie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Pflanzenextrakt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie