Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regelmäßiger Alkoholgenuss auch in geringen Mengen schädlich

08.09.2003


Hirnschädigungen durch Alkohol sind bereits lange bekannt, die Ursache lag jedoch bislang im Dunkeln. An der Psychiatrischen Universitätsklinik in Erlangen (Direktor: Prof. Dr. med. Johannes Kornhuber) konnte nun erstmals ein Zusammenhang zwischen Alkoholismus-bedingtem Hirnschwund (Hirnatrophie) und der Aminosäure Homocystein aufgezeigt werden.



"Das Homocystein wirkt im Hirn als falscher Botenstoff und schädigt dadurch die Nervenzellen", erklärt der Leiter der Forschungsgruppe Dr. Stefan Bleich. Je regelmäßiger der Alkoholkonsum sei und je größer die getrunkene Menge, desto höher sei auch der Homocysteinspiegel. Die Art des alkoholischen Getränks hingegen habe ebenso so wenig Einfluss auf die Konzentration der schädlichen Aminosäure wie ein einzelner Rausch.

... mehr zu:
»Aminosäure »Homocystein


"Die Ergebnisse meiner Arbeitsgruppe", so Bleich "widerlegen die Mär vom täglichen Glas Rotwein, das der Gesundheit zuträglich ist. Regelmäßig getrunken, sind auf Dauer auch geringe Mengen Alkohol schädlich." Gedächtnisstörungen und Hirnleistungsabbau seien die Folge. Die Schädigung der Hirnzellen setze ein, wenn der Alkoholspiegel sinke. Gerade bei alkoholkranken Menschen bewirke dies einen immer wiederkehrenden Angriff auf die Nervenzellen im Gehirn. Der Extremfall trete beim Alkoholentzug ein und könne in den ersten Tagen zu epileptischen Anfällen führen.

Aus ihren Erkenntnissen hoffen Dr. Bleich und seine Kollegen wirksame Behandlungsansätze gegen alkoholbedingte Hirnschäden ableiten zu können. Im ersten Schritt wird die erhöhte Einnahme von Folsäure als Therapie zum Schutz des Gehirns untersucht. Ein weiterer hoffnungsvoller Aspekt: Nach Einstellung des Alkoholkonsums normalisieren sich die erhöhten Homocysteinwerte und es bildet sich langfristig der Hirnschwund in ungefähr der Hälfte der Fälle zurück.

Die Aminosäure Homocystein entsteht beim Abbau von Methionin, einem lebenswichtigen Eiweißbaustein, als Zwischenprodukt. Ist der Folgeabbau gestört, steigt der Homocysteinspiegel an. Ursachen für solche Störungen sind neben Vitaminmangel auch Medikamenteneinnahme, erhöhter Kaffeegenuss und eben regelmäßiger, gesteigerter Alkoholkonsum. Erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Thrombosen, Schlaganfälle, aber auch der "offene Rücken" (Neuralrohrdefekt) bei Neugeborenen sind bereits bekannte Folgen eines Folsäuremangels - und daraus folgend eines erhöhten Homocysteinspiegels.

Weitere Informationen:

PD Dr. Stefan Bleich
Klinik mit Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Telefon: 09131 - 8534597
Email: stefan.bleich@psych.imed.uni-erlangen.de

Gertraud Pickel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Berichte zu: Aminosäure Homocystein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie