Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bakterien-Gift entzündet die Blutgefäße

15.08.2003


Elektronenmikroskopische Aufnahme von EHEC vom O157:H7 Serotyp, Foto: Rohde (GBF)


Elektronenmikroskopische Aufnahme eines EHEC vom O26:H11 Serotyp, Foto: Rohde (GBF)


GBF-Forscher erklären die Gefährlichkeit des Lebensmittel-Keims EHEC

... mehr zu:
»Blutgefäß »EHEC »HUS

GBF-Forscher erklären die Gefährlichkeit des Lebensmittel-Keims EHEC Akutes Nierenversagen kann - sofern keine aufwändige Dialysebehandlung vorgenommen wird - tödlich enden. Bei Kindern ist die Ursache dafür häufig das so genannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Wie Bakterien dieses lebensbedrohliche Krankheitsbild auslösen, das beschreiben Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Blood. Ihre Erkenntnisse, so hoffen sie, könnten zur Entwicklung der ersten Therapie beitragen, die das HUS von seinen Ursachen her bekämpft, anstatt nur die Symptome zu behandeln.

Erreger des HUS sind Bakterien, die man als EHEC bezeichnet - die Abkürzung für "enterohämorrhagische Escherichia coli". EHEC sind die gefährliche Abart eines harmlosen Darmbewohners und werden meist mit infizierter Nahrung - vor allem Rohmilchprodukten - aufgenommen. Nach einer EHEC-Infektion erkranken insbesondere Kinder häufig; auch Menschen mit geschwächter Immunabwehr sind gefährdet. Schuld daran ist ein Zellgift, das Shiga-Toxin, das in zwei verschiedenen Varianten vorkommt. Die EHEC-Bakterien produzieren Shiga-Toxin und geben es in den menschlichen Darm ab. In etwa zehn Prozent aller Fälle entwickeln die Patienten daraufhin das dramatische Krankheitsbild des HUS.


Warum das Shiga-Toxin im menschlichen Körper so verheerend wirkt - darauf liefern die Forschungen der GBF-Wissenschaftler Dr. Florian Gunzer, Dr. Jan Buer und Dr. Andreas Matussek eine überraschende Antwort: Das Gift löst offenbar in den menschlichen Gewebezellen eine Abfolge von entzündungsähnlichen Reaktionen aus, die auf Grund ihrer unkontrollierten Heftigkeit den eigenen Körper schwer schädigen. "Unter dem Einfluss von Shiga-Toxin werden in den Zellen der Blutgefäße Gene aktiv, die der Körper normalerweise nur in entzündetem Gewebe anschaltet", erklärt Gunzer. Solche Gene können beispielsweise dazu führen, dass sich Abwehrzellen des Blutes an den Wänden der Blutgefäße sammeln, um von dort aus in geschädigte Gewebezonen einzuwandern. Das HUS, bei dem sich rote Blutkörperchen auflösen und kleine Blutgefässe durch Gerinnsel verstopft werden, ist vermutlich ein außer Kontrolle geratener Prozess dieser Art.

Die Kenntnis der Prozesse, die diese Blutgefäß-Entzündung auslösen und dadurch EHECBakterien so gefährlich machen, könnte neue Heilungschancen eröffnen, hofft Jan Buer: "Möglicherweise kann man die bedrohliche Krankheit künftig auch bei schon infizierten Menschen stoppen - indem man Medikamente gibt, die die Kaskade des Entzündungs-Prozesses an irgendeiner Stelle unterbrechen."

Kontakt:

Thomas Gazlig, Dipl.-Biol./Dipl.-Journ.
Head of Public Relations
GBF - Gesellschaft für Biotechnologische Forschung mbH
GBF - German Research Centre for Biotechnology
Mascheroder Weg 1, D-38124 Braunschweig
Tel +49 (0) 531.6181-510, Fax -511
eMail: gaz@gbf.de

Thomas Gazlig | GBF
Weitere Informationen:
http://www.gbf.de

Weitere Berichte zu: Blutgefäß EHEC HUS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften