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Das Auge als Fenster zum Hirn

04.08.2003



Unzweifelhaft kann chronisch erhöhter Blutdruck zum Schlaganfall führen. Um diesen Riskofaktor möglichst früh zu erkennen, genügt es manchmal nicht, den Druck lediglich am Oberarm zu messen. Denn das Gefäßsystem ist weit verästelt und Verengungen der Adern können zu lokal erhöhten Drücken führen. Doch wie kann direkt in Organen ohne einen Eingriff gemessen werden? Am Kopf zumindest befindet sich ein naturgegebenes Fenster: das Auge. In seiner Netzhaut liegen zahlreiche Blutgefäße, die der Augenarzt auf krankhafte Veränderungen hin untersuchen kann. Um den systolischen und diastolischen Druck in den Gefäßen zu messen, bedienen sich einige Ophthalmologen bereits einer eleganten, schnellen und nicht-invasiven Methode: der Kontaktglasdynamometrie. Die wohl fortschrittlichste Variante dieser Beobachtungslupe mit Messgerät bietet das Unternehmen Meditron an.

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Der Arzt setzt es bei seiner Untersuchung auf das Auge des Patienten auf. Während er ein Blutgefäß der Netzhaut beobachtet, presst er das Instrument allmählich stärker an. Dies erhöht den Druck auf Glaskörper und die Ader, die schließlich - wie bei einer klassischen Messung - zu pulsieren beginnt. Der Arzt speichert per Knopfdruck den Wert an einem Gerät, das mit dem Kontaktglas über ein Kabel verbunden ist. Der Wert plus dem zuvor ermittelten Augeninnendruck ist der diastolische Blutdruck. Wird das Glas noch stärker angepresst, so hört das Pulsieren des Gefäßes wieder auf; der systolische ist erreicht. "Am Kontaktglas befindet sich ein gefederter Rin", erläutert Physikerin Margit Biehl das Messverfahren, das am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT integriert wurde. "Messstreifen an den Federn dehnen sich mehr oder weniger. Aus deren variablem elektrischen Widerstand errechnet das Gerät den Anpressdruck des Glases"

Was selbst viele Augenärzte nicht wissen: Ohne großen Aufwand lässt sich gleichzeitig der Druck des Liquors bestimmen. Wie bereits im Jahr 1925 beschrieben, wird der Sehnerv von dieser Hirnflüssigkeit umspült und ist somit dem gleichen Druck wie das Gehirn ausgesetzt. Auf kurzer Distanz verläuft im Nerv die Zentralvene des Auges. Über deren Blutdruck kann auf den Druck des Liquors geschlossen werden. "Dieser Parameter, der noch genauer nur mit einer schmerzhaften Punktion ermittelt werden kann, liefert dem Arzt oft weitere wichtige Hinweis", betont Erfinder und Meditron-Geschäftsführer Dr. Bernhard Löw. "Die sehr einfache Diagnose hat schon viele meiner dankbaren Patienten vor einem zu frühen Tod durch Schlaganfall bewahrt."

Dipl.-Phys. Margit Biehl | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de

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