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Neuer Prognosefaktor für Brustkrebs gefunden

14.07.2003


Für die rund 47 000 Frauen, die in Deutschland jährlich neu an Brustkrebs erkranken, gehört zu den wichtigsten Fragen die nach der Prognose, also nach der Überlebenszeit insgesamt oder nach der symptomfreien Zeit bis zum erneuten Ausbruch der Krankheit. Denn für die Lebensgestaltung und die Nutzung der möglichen Therapien kann es entscheidend wichtig sein, zu wissen, ob man für Monate oder für Jahre planen kann. Zwar gibt es bereits zahlreiche Anhaltspunkte für die wahrscheinlich verbleibende Zeit. Dazu gehören das Alter der Patientin zum Zeitpunkt der Diagnose, die Größe des Tumors, Vorhandensein oder Fehlen von Hormonzeptoren im Tumor, sowie von Tochtergeschwülsten in Lymphknoten oder anderen Organen.



Einen neuen, eigenständigen Marker hat jetzt Dr. Carsten Denkert mit seiner Arbeitsgruppe am "Institut für Pathologie" in Zusammenarbeit mit dem Brustzentrum der Charité identifiziert (und im renommierten Fachjournal "Cancer" ([2003] 97, 2978-2987) publiziert. Bei dem Marker handelt es sich um ein Enzym, das die Medizin schon lange kennt: um die sog. Cyclooxygenase-2, (COX-2). Das Enzym ist an der Schmerzentstehung und am Wachstum von Tumoren, unter anderem durch Anregung der Gefäßbildung beteiligt.

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Die Konzentration dieses Enzyms im Tumorgewebe - so fanden die Forscher heraus - gibt starke Hinweise auf den Grad der Bösartigkeit des jeweiligen Krebses und damit auch auf die symptomfreie Zeitspanne bzw. die Gesamtüberlebenszeit.

Diese Erkenntnis beruht auf der immunhistologischen Untersuchung des Tumorgewebes von Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren. Die Tumorpräparate wurde so angefärbt, daß aus der Intensität der Farbgebung und der Zahl der angefärbten Zellen die Konzentration von COX-2 ermittelt werden konnte. Bei einem Drittel (36%) der untersuchten Frauen war die Konzentration von COX-2 stark erhöht. Diese Patientinnen hatten auch eine Reihe von schon bekannten, ungünstigen Prognosefaktoren aufzuweisen (großer Tumor, Fernabsiedelungen (Metastasen) in den Lymphknoten, feingeweblich wenig ausgereifte Zellstrukturen und fehlende Hormonrezeptoren).

Insgesamt konnte festgestellt werden: COX-2 Präsenz ist ein unabhängiger Prognosefaktor für eine ungünstige Krankheitsentwicklung bei Frauen mit Brustkrebs. Je stärker COX-2 im Tumor angereichert ist, desto ungünstiger wird die Prognose. In gesundem Brustgewebe wird COX-2 nicht gebildet.

Neben ihrer Bedeutung als Prognosefaktor ist die Cyclooxygenase-2 möglicherweise auch interessant für Prävention oder gar Therapie von Brustkrebs. Denn die Funktion der COX-2 kann durch bestimmte (sogenannte nicht-steroidale) Schmerzmittel gebremst werden. Dazu gehören etwa das Aspirin oder auch sog. COX-2 Blocker, die zur Zeit als Mittel gegen Rheuma verwendet werden. Möglicherweise wirken Schmerzmittel vorbeugend gegen Brustkrebs. So hat schon eine Studie in Amerika gezeigt, dass sich bei Frauen, die regelmäßig nicht-steroidale Schmerzmittel einnahmen, das Risiko für Brustkrebs deutliche verringerte.

Ob sich manifester Brustkrebs mit COX-2 Blockern zurückdrängen läßt, ist noch offen, wird aber derzeit schon in klinischen Studien überprüft. Im Tiermodell an Ratten konnte immerhin gezeigt werden, dass insbesondere ein sog. selektiver COX-2 Blocker die Entwicklung von Brustkrebs reduzierte und sogar das Tumorvolumen bereits erkrankter Tiere verringerte.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

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