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Was tun, wenn Arbeit krank macht?

12.05.2003


Institut Arbeit und Technik untersuchte Möglichkeiten nachhaltiger Arbeitsgestaltung

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»Ressource

Viele Unternehmen geraten in Gefahr, durch wenig pfleglichen Umgang ausgerechnet jene Humanressourcen zu verschleißen, von denen ihr wirtschaftlicher Erfolg am meisten abhängt. Klagen über Stress am Arbeitsplatz, hohe Arbeitsintensität, längere Arbeitszeiten und ihre negativen Folgen für die Gesundheit häufen sich. Standen früher eher körperliche Verschleißerscheinungen im Vordergrund, so bestimmen heute vor allem arbeitsbedingte psycho-somatische Reaktionen, Depressionen, Medikamenten- und Drogenmissbrauch und Burnout-Syndrome bis hin zu vorzeitiger Erwerbsunfähigkeit das Bild. Davon sind immer häufiger hoch qualifizierte Kopfarbeiter betroffen, deren Arbeit lange Zeit als selbst bestimmt, vielseitig, identitätsstiftend und eher privilegiert galt.

Ein Trendreport, den das Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) im Auftrag des BMBF erstellt hat, erhellt Entwicklungen in der modernen Arbeitswelt, die den "flexiblen Menschen" fordern: Er muss sich ständig neuen Aufgaben stellen und bereit sein, Arbeitsformen, Arbeitsstelle und Wohnort zu wechseln. Statt grundlegender organisatorischer Erneuerung im Unternehmen mit einer nachhaltigen Arbeitsgestaltung wird es der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Beschäftigten überlassen, Unzulänglichkeiten der Organisation zu überspielen und auf turbulente Marktanforderungen zu reagieren.


Allein die durch psychische Erkrankungen bedingten Produktionsausfälle in Deutschland werden von der ILO auf über 2,5 Mrd. Euro und die Behandlungskosten für berufsbedingte psychische Erkrankungen auf 3 bis 4% des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. "Angesichts der hohen Gesundheitsrisiken und ihrer wachsenden betrieblichen und gesellschaftlichen Kosten besteht deutlicher Handlungsbedarf", so Dr. Peter Brödner vom IAT. Mit der rasch wachsenden Zahl von Wissensarbeitern sowie der zunehmenden Bedeutung von Projektarbeit und qualifizierter Teamarbeit, die besonders Entgrenzung und Marktdruck unterliegen, muss den Arbeitsbedingungen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. In einer Reihe von Unternehmen sind die Belastungen und Risiken von Arbeitsprozessen mit ihren kostenträchtigen Folgen längst zum Dauerproblem geworden. Deshalb haben viele aus eigener Initiative damit begonnen, mit verschiedenen Ansätzen zur Beherrschung von Arbeitsintensität, zum pfleglichen, verschleißarmen Umgang mit qualifizierter Arbeitskraft und zur Bewältigung der Belastungen zu experimentieren.

Solche Ansätze, die derzeit bereits zum Teil erprobt werden, sind etwa:

  • Erweiterung der Praxis kontinuierlicher Verbesserung auf den Umgang mit personalen, organisationalen und sozialen Ressourcen,
  • mehr oder weniger regelmäßige Gewährung von längeren arbeitsfreien Zeiten - "Sabbaticals" - für hoch beanspruchte Leistungsträger,
  • nahtlose Verknüpfung von Arbeit und Lernen einschließlich der Reflexion von Belastungen und der Ressourcen ihrer Bewältigung,
  • Nutzung der zumindest in größeren Unternehmen bestehenden Gesundheitszirkel für die Reflexion von Arbeitsanforderungen und deren Bewältigung,
  • gezieltes Coaching von hoch beanspruchten Leistungsträgern, um deren Auseinandersetzung mit Belastungen und persönliche Bewältigungsstrategien positiv zu beeinflussen.

Im Hinblick auf die breite Realisierung sozial nachhaltiger Arbeitssysteme können die Ansätze zwar nur begrenzte Wirkungen entfalten, sie weisen aber in die richtige Richtung. Notwendig bleibt, in den Unternehmen eine für die ressourcenorientierte Perspektive auf Arbeit aufgeschlossene und begünstigende Kultur zu entwickeln und in der Gesellschaft insgesamt unterstützende Rahmenbedingungen zu entwickeln.

Weitere Fragen beantwortet:
Dr. Peter Brödner
Durchwahl: 0209 - 1707-222

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de

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