Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie gut informiert das Internet über Arzneimittel?

13.01.2003


Studie zur Darstellung von Johanniskraut zeigt schwere Defizite auf / Kaum Information über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten



Welche Qualität hat die Information über Arzneimittel im Internet? Wissenschaftler der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Walter Haefeli) haben zufällig ausgewählte englischsprachige Homepages analysiert und bewertet, die über Johanniskraut informieren, ein auch in Deutschland häufig angewendetes pflanzliches Arzneimittel gegen Depressionen.

... mehr zu:
»Depression


Ihre Ergebnisse: Weniger als ein Viertel der Internetpräsentationen boten ausreichende und zuverlässige Informationen. Homepages, deren Betreiber kein kommerzielles Interesse an der Verwendung von Johanniskraut hatten, schnitten deutlich besser ab und sollten deshalb von Internet-Nutzern bevorzugt werden. Auch der Bezug auf wissenschaftliche Studien ist ein Qualitätsmerkmal. Die Heidelberger Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde, ist jetzt im "American Journal of Medicine" erschienen.

Das Internet ist mittlerweile eine der wichtigsten Informationsquellen zu allen Fragen der Gesundheit. Problematisch ist nach wie vor die Qualität der Informationsangebote, da es keinerlei Kontrolle der eingespeisten Information auf Vollständigkeit, Einseitigkeit und Mängel gibt. Zwar können sich Anbieter freiwillig bestimmten Auflagen unterwerfen, die von nationalen wie internationalen Organisationen erarbeitet worden sind, z.B. im sogenannten "E-Health Code of Ethics". Sie fordern klare Angaben zu allen Autoren, Informationsquellen sowie den Betreibern und der Finanzierung der Homepage. Doch haben sich diese bislang nicht als unverzichtbare Qualitätssiegel durchgesetzt.

Die Heidelberger Klinischen Pharmakologen untersuchten insgesamt 208 englischsprachige Websites zum Johanniskraut, da dessen Anwendung ohne die Beachtung bestimmter Informationen zu Komplikationen führen kann. "Johanniskraut beschleunigt den Abbau bestimmter Arzneimittel und kann dadurch ihre Konzentration und damit ihre Wirkung vermindern. Zum Beispiel kann es bei transplantierten Patienten, die das Medikament Ciclosporin einnehmen, zu Transplantatabstoßungen kommen" erklärt Dr. Meret Martin-Facklam. Bei ihrer Analyse zogen die Wissenschaftler einerseits formale Kriterien heran, wie Nennung der Autoren und des Datums. Andererseits überprüften sie die inhaltliche Qualität, d.h. ob die korrekte Anwendung für Johanniskraut (Depression) und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, z.B. orale Verhütungsmittel, und deren Konsequenzen erwähnt wurden.

"Nur 22 Prozent der Websites gaben an, dass die einzige wissenschaftlich belegte Indikation für Johanniskraut die Depression ist," sagt Dr. Martin-Facklam. "Ebenfalls 22 Prozent erwähnten wenigstens eine Wechselwirkung, nur zwei Seiten haben eine praktisch vollständige Liste der möglichen Wechselwirkungen aufgelistet." Internetseiten ohne kommerzielle Interessen und solche, bei denen die Informationsquelle in Form von wissenschaftlichen Studien aufgeführt ist, weisen eine höhere Qualität auf. Die Wissenschaftler stellten fest, dass auch bei der Arzneimittelinformation im Internet, ebenso wie in anderen Gesundheitsbereichen, erhebliche Defizite bestehen. "Gerade für Naturheilmittel wie Johanniskraut, die nicht verschreibungspflichtig sind und in anderen Ländern sogar unmittelbar über die Website angefordert werden können, ist korrekte und umfassende Information notwendig. Denn hier wird die Anwendung meist nicht mehr mit dem Arzt oder Apotheker besprochen", sagt Dr. Martin-Facklam.

"Ob diese negative Beurteilung auch für andere Arzneimittel zutrifft, wissen wir noch nicht", schränkt Prof. Dr. Walter Haefeli das Ergebnis der Studie ein. In einer zweiten Studie wird nun die Arzneimittelinformation zu dem verschreibungspflichtigen Potenzmittel Viagra untersucht. Erste Ergebnisse legen nahe, dass auch hier die Qualität der Information zu wünschen übrig lässt.

Ansprechpartnerin:

Dr. Meret Martin-Facklam
Medizinische Klinik und Poliklinik Universität Heidelberg
Abteilung Innere Medizin VI - Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie
Bergheimer Straße 58, 69115 Heidelberg
Tel.: 06221 - 565218
E-Mail: meret_martin-facklam@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Depression

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen