Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sind Gesichtsfeldausfälle therapierbar?

09.01.2003


AOK Sachsen-Anhalt startete bundesweit einmaliges Modellprojekt mit NovaVision


Das Magdeburger NovaVision Zentrum für Sehtherapie bietet ein computergestütztes Sehtraining an, das Patienten mit Gesichtsfeldausfällen nach Schlaganfall oder Schädelhirntrauma hilft, die Sehfähigkeit wieder zu verbessern. Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt dies jetzt mit einem Modellvorhaben.

Pro Jahr erleiden in Deutschland etwa 450.000 Menschen einen Schlaganfall bzw. eine unfallbedingte Schädel-Hirn-Verletzung. Bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen treten in der Folge Sehstörungen auf, sehr häufig in Form von Gesichtsfeldausfällen. Diese galten bislang als untherapierbar.


Das computergestützte Sehtraining der NovaVision AG ist weltweit das erste Programm, das die Wiederherstellung der Sehfunktionen bei der Behandlung von neurologisch bedingten Gesichtsfeldausfällen zum Ziel hat. Durch angewandte Telemedizin wird außerdem eine ambulante Therapie möglich: Die Patienten können das Training, das ca. sechs Monate dauert, in ihren Tagesablauf integrieren und erworbene Fortschritte sofort in den Alltag übertragen. Das Sehtraining ist Ergebnis jahrelanger Forschung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

"Durch unser Sehtraining erlangen die Betroffenen ein wichtiges Stück verlorengegangener Lebensqualität zurück", so Prof. Dr. Bernhard Sabel, Vorstandsvorsitzender von NovaVision. "Einige haben durch das bessere Erkennen ihrer Umwelt überhaupt erst wieder das Selbstvertrauen, auf die Straße zu gehen, da sie Gefahren-Situationen nun rechtzeitig erkennen. Andere können wieder besser lesen, selbstständig einkaufen, Fahrrad oder Auto fahren."

Zudem können mehrwöchige Aufenthalte in Krankenhäusern oder Reha-Kliniken sowie unnötige Folgeverletzungen (z.B. Knochenbrüche durch Unfälle aufgrund der Sehstörung) vermieden werden. Letztlich besteht für die Betroffenen bei regelmäßigem Training die Chance, das Sehvermögen deutlich zu steigern. Das Programm ist für jeden handelsüblichen Personal-Computer geeignet. Auch ohne Vorkenntnisse kann es beim täglichen Training zu Hause leicht bedient werden.

Da diese Leistung bisher nicht zum Programm der Krankenversicherung gehört, testet die AOK Sachsen-Anhalt den medizinischen Erfolg und bietet betroffenen Versicherten die Chance teilzunehmen. "Wir verfolgen mit dem Modellprojekt das Ziel, die Sehleistung bei Patienten mit Schädelhirntrauma bzw. Schlaganfall zu verbessern und letztlich auch aussagekräftige Informationen über die Wirksamkeit sowie Wirtschaftlichkeit des Sehtrainings zu erhalten bzw. dies wissenschaftlich zu untermauern", erklärt Günter Kasten, Vorstandsvorsitzender der AOK Sachsen-Anhalt den Beweggrund der AOK für dieses Projekt. "Denn eine verbesserte Sehleistung bedeutet schnellere Integration in den Alltag." Bei positivem Ergebnis könnte das Verfahren mittel- bis langfristig zur Regelversorgung gehören.

Das Modellprojekt startete am 1. Dezember 2002 und ist auf ein Jahr begrenzt. Der Teilnehmerkreis ist vorab auf 100 Patienten beschränkt, die über 18 Jahre alt sind. Die Kosten für ihr Training übernimmt die AOK.

Natürlich können sich auch weiterhin alle anderen von Gesichtsfeldausfällen Betroffenen an das NovaVision . Zentrum für Sehtherapie in Magdeburg wenden. Allerdings müssen sie i.R. die Kosten für das computergestützte Sehtraining selbst tragen.

Heidi Sonntag | NovaVision AG
Weitere Informationen:
http://www.novavision.info

Weitere Berichte zu: Gesichtsfeldausfall Schlaganfall Sehtraining

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie