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Medikamente im Alter gezielter einsetzen

26.01.2001


Am Mannheimer Universitätsklinikum hat jetzt das "Zentrum fürGerontopharmakologie" seine Arbeit aufgenommen. Die Gerontopharmakologie befasst sich mit der Wirkung von Medikamenten speziell bei älteren Menschen. Aufgrund des zunehmenden Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung gewinnt dieser Aspekt der Pharmakologie zunehmend an Bedeutung: Sind heute rund 16 Prozent der Bevölkerung in Deutschland 65 Jahre oder älter, so werden es im Jahre 2030 schon 25 und im Jahre 2050 fast 30 Prozent sein.

Das "Zentrum für Gerontopharmakologie" will dazu beitragen, den Arzneimittelbedarf älterer Menschen besser einzuschätzen und auf diese Weise Medikamente noch gezielter einzusetzen - was manchmal auch bedeuten kann, bestimmte Präparate ersatzlos wegzulassen. Dabei versteht sich die neue Einrichtung als Ratgeber von Medizinern im Krankenhaus und von niedergelassenen Ärzten. Professor Dr. Martin Wehling, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie, und Professor Dr. Rainer Gladisch, Direktor der Abteilung für Geriatrie der
I. Medizinischen Klinik sind überzeugt: "Die Arzneimittel-Therapie zu rationalisieren, bedeutet nicht, sie zu rationieren. Es geht also nicht darum, notwendige Medikamente einfach abzusetzen, sondern es geht darum, das Zusammenspiel verschiedener Medikamente genau zu analysieren und bestmöglich aufeinander abzustimmen." Dies sei zum einen im Sinne älterer Menschen, von denen viele gleichzeitig an mehreren Erkrankungen leiden. Dies sei aber auch im Sinne der Gesundheitspolitik, weil damit fast automatisch ein gewisser Einspar-Effekt verbunden sei.

Neben der Beratung von Fachkollegen ist die Durchführung klinischer Studien ein weiterer Arbeitsschwerpunkt des Zentrums, um für verschiedenste Präparate zu ermitteln, welche Wirkungsmechanismen sie speziell im Körper älterer Menschen zur Folge haben. Eng damit verbunden ist das Ziel, Therapie-Standards speziell auf Senioren bezogen zu entwickeln. Derzeit entwirft Wehling beispielsweise solch ein Regelwerk bezogen auf Medikamente, die Thrombosen, also gefährlichen Verstopfungen der Blutbahnen, vorbeugen sollen.

Das "Zentrum für Gerontopharmakologie" wird personell von schon jetzt vorhandenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für Klinische Pharmakologie und der Abteilung für Geriatrie getragen, auch die räumliche Ansiedlung erfolgt in vorhandenen Örtlichkeiten.

Klaus Wingen | idw

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