Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anstieg der Brustkrebsrate in den westlichen Industrienationen

06.12.2002


Lässt sich das Brustkrebsrisiko durch Ernährung und Lebensstil beeinflussen? Die steigende Anzahl von Brustkrebsneuerkrankungen in den westlichen Industrienationen hat den Verdacht nahegelegt, dass Brustkrebsfälle zumindest teilweise durch Veränderungen in der Ernährung und dem Lebensstil bedingt sein könnten.



Andererseits hat ein steigendes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung zu einer intensiven Suche nach diesen vermeintlich krebserregenden Faktoren eingesetzt.



Neben den "beeinflussbaren Risikofaktoren" gibt es sogenannte nicht-beeinflussbare Risikofaktoren wie zunehmendes Alter, familiäre Belastung, frühe Menarche, späte Menopause usw. Bei Japanerinnen, die in die USA eingewandert sind und die dortigen Lebensgewohnheiten angenommen haben, erhöhte sich die Brustkrebsrate deutlich gegenüber den in Japan lebenden Frauen. Ein ähnlicher Effekt lässt sich übrigens auch für in Deutschland lebende Türkinnen nachweisen. Diese Anstiege werden hauptsächlich auf die Änderungen in der Ernährung und dem Lebensstil zurückgeführt.

Die Folge einer falschen Ernährung ist meistens Übergewicht. Nach Ausbleiben der Regelblutung (Postmenopause) fallen normalerweise die weiblichen Sexualhormone aus, was sich in sogenannten Hormonentzugsbeschwerden (Hitzewallungen, Schweißausbrüche usw.) zeigen kann. Bei übergewichtigen postmenopausalen Frauen werden im Fettgewebe weibliche Sexualhormone (Oestrogene) weiterhin kontinuierlich gebildet. Diese sonst nicht mehr vorhandenen Sexualhormone führen zu einer anhaltenden Stimulierung der Brustdrüsenzellen. Dadurch können andere krebsauslösende Noxen eher zu einer Zellentartung führen. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 10 % aller Karzinome in der Europäischen Union durch Übergewicht bedingt sind. Die Ernährung ist deshalb ein bedeutender "Präventionsansatz". Allerdings ist die derzeitige Wissenslage nicht so eindeutig, dass man zu bestimmten Nahrungsmitteln raten muss, während man auf andere Nahrungsmittel gänzlich verzichten sollte. Eine besondere Bedeutung bei den Nahrungsmitteln sind die Zusammensetzung der Nahrung, der Anteil und die Herkunft der Fette, Olivenöl, Vitamine, Selen, Phytooestrogene etc. Zudem könnte aber auch die Nahrungszubereitung für das Brustkrebsrisiko bedeutsam sein, so werden in Europa und in USA die Nahrungsmittel vorrangig gebraten und gegrillt, während in den asiatischen und afrikanischen Ländern, die eine bekanntlich geringere Brustkrebsrate haben, vorzugsweise die Nahrungsmittel gedünstet und gekocht werden.

Neben den Ernährungsfaktoren kommt dem Lebensstil in den modernen Industriegesellschaften eine Bedeutung in der Brustkrebsentstehung zu. So hat sich in Schweden mit der Zunahme des durch Rauchen bedingten Anstiegs von Lungenkrebsfällen auch eine parallele Zunahme von Brustkrebsfällen gezeigt, was auf einen Zusammenhang von Rauchen und dem Anstieg des Brustkrebsrisikos hinweist. Entscheidend für den Anstieg des Brustkrebsrisikos sind jedoch das Alter bei Beginn des Rauchens und weitere Risikofaktoren wie das Alter bei Erstgeburt, Gewichtszunahme etc. Alkohol gehört in vielen Industrieländern zum "normalen Lebensstandard". Alkohol oder Äthanol selbst ist zwar kein Karzinogen, kann aber durch Blockierung von anderen schützenden Systemen oder Erhöhung der Zellmembranendurchlässigkeit die Wirkung anderer krebsauslösender Substanzen erleichtern. Galt früher eine geringe Alkoholmenge (20-30 g reiner Alkohol/die = etwa 200 ml Wein oder 500 ml Bier) "als erlaubt", so legen andere Untersuchungen bereits bei diesen geringen Alkoholmengen eine nachweisbare Risikosteigerung für das Brustkrebsleiden nahe. Es wäre eine leichte Übung, durch Verzicht von Alkohol und Nikotin das Risiko zu mindern.

Hormonpräparate (Pille bzw. Hormonersatztherapie) erfordern hinsichtlich Nutzen und Risiken eine sehr differenzierte Betrachtung. So mehren sich die Daten, die eine Steigerung des Brustkrebsrisikos unter einer Hormonersatztherapie nahelegen, wobei zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließende Bewertung möglich ist. Körperliche Aktivität (Freizeitsport oder körperliche Arbeit) werden als schützend gegen Brustkrebs angesehen. Allerdings muss man auch hier klar feststellen, dass sportliche Aktivität nicht isoliert betrachtet werden kann. Es ist eher davon auszugehen, dass sportlich aktive Frauen sich insgesamt auch gesünder ernähren, andere potenzielle Brustkrebsrisikofaktoren wie Alkohol und Nikotin meiden, so dass hier ein Komplex von gesunder Ernährungs- und Lebensweise zutreffend ist. Weitere Faktoren, die im Zusammenhang mit Brustkrebs untersucht wurden, sind: beruflicher oder privater Stress, der Einfluss elektromagnetischer Felder, radioaktive Strahlung, Nachtarbeit / Chemikalien etc., wobei bei diesen Faktoren eine endgültige Beantwortung in Bezug auf das Brustkrebsrisiko noch nicht möglich ist. Insgesamt bleibt festzustellen, dass Brustkrebserkrankungen durch Ernährung und Lebensstil sehr wohl beeinflussbar sind, hinsichtlich der Risikofaktoren ist von einem multifaktoriellen Geschehen auszugehen, so dass letztendlich zu einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung mit ausreichender körperlicher Aktivität, den Verzicht auf Genussmitteln und eine saubere Umwelt geraten werden muss.

Rückfragen an:
Professor Dr. med. Bernd Gerber
Telefon 089-5160-4111

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Brustkrebsrisiko Ernährung Industrienation Sexualhormon

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten