Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bandscheiben-Implantat erhält die Beweglichkeit

01.10.2002


Sagittales MRT-Bild der LWS: Die beiden Implantate (Segment LWK5-SWK1) liegen voreinander und erreichen die ursprüngliche Bandscheiben-Höhe.
Fotos (2): Schönmayr


Axiales MRT-Bild mit dem Implantat in der Mitte. Das Implantat dehnt sich im Körper um 25 bis 30 Prozent aus, um das Volumen der Bandscheibe zu erreichen.


Neue Operationsmethode bei chronischen Rückenschmerzen, die durch Bandscheibendegeneration verursacht werden


Bei bestimmten Bandscheibenschäden kann mit dem Disc-Nucleus-Implantat die Beweglichkeit der Wirbelsäule aufrecht erhalten werden. Die ersten Implantate wurden vor sechs Jahren eingesetzt: mit gutem Erfolg, wie Kontrollen belegen.

"Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen", sagt Professor Robert Schönmayr, Chefarzt der Abteilung Neurochirurgie an den Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden. Der Chirurg hatte 1996 weltweit den ersten Patienten mit dem Disc-Nucleus-Implantat versorgt. "Zehn Patienten im Alter von 23 bis 56 Jahren tragen nun seit sechs Jahren das Implantat. Nach Untersuchungen im offenen Kernspintomographen, bei denen die Patienten sich während der Aufnahme beugen und strecken können, ist die Beweglichkeit der Wirbelsäule gegeben", so der Chirurg.


Bislang wurden in Deutschland etwa 100 Patienten operiert, weltweit 550. Das Implantat wurde von Charles Ray entwickelt, dem Gründer des Unternehmens Raymedica in Minneapolis im US-Staat Minnesota. Als Material wählte er dafür das Hydrogel Hypan aus, das auch für künstliche Linsen bei Katarakt-Operationen benutzt wird. "Die Linsen sind voll wassergesättigt, das Bandscheiben- Implantat dagegen nur teilweise. Es soll sich im Körper um 25 bis 30 Prozent ausdehnen, um das Volumen der ehemaligen Bandscheibe zu erreichen", sagt Schönmayr. Um diese Ausdehnung begrenzen zu können, entwickelte Ray einen mechanischen Schutz aus geflochtenem Polyäthylen, der das Hydrogel umschließt.

"Das Material ist stabiler als Kevlar, das für schutzsichere Westen verwendet wird", fügt Matthias Hornaus hinzu, Verkaufsmanager des Unternehmens in Deutschland. Mit anderen Polyäthylenen gibt es Probleme durch Abrieb wie etwa bei Hüftendoprothesen. Dieses ultrahochverdichtete Polyäthylen jedoch hat bei Vortests, bei denen es in Kälberserum eingebracht wurde, 50 Millionen Belastungszyklen durchlaufen. Bei spektrographischen Untersuchungen wurde kein Abrieb festgestellt. "Die Frage der Zukunft ist nicht, ob das Material versagen könnte, sondern was macht der lebende Knochen, der ja altert," meint Schönmayr.

Die Implantate sind nicht bei akutem Bandscheibenvorfall vorgesehen, sondern bei chronischen Rückenschmerzen, die durch Bandscheibendegeneration verursacht werden und bei denen konservative Behandlungsmethoden nicht wirken. Die kaputte Bandscheibe wird wieder aufgebaut, die normale Höhe wieder hergestellt. "Wenn Röntgenbilder geschickt werden, kann man meist schon beurteilen, ob ein Patient dafür in Frage kommt", so Schönmayr.

Weitere Infos: Professor Robert Schönmayr, Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken, Tel.: 06 11 / 43 30 70,
E-Mail: Robert.Schönmayr@HSK-wiesbaden.de

Professor Robert Schönmayr | BVMed-Link

Weitere Berichte zu: Bandscheiben-Implantat Implantat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kommunikation ist alles – auch im Immunsystem
28.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie der Stoffwechsel im Zellkern (Krebs-)Gene kontrolliert
28.11.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn

11.12.2017 | Physik Astronomie

Kaskadennutzung auch bei Holz positiv

11.12.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Meilenstein in der Kreissägetechnologie

11.12.2017 | Energie und Elektrotechnik