Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wieviel Zähne braucht der Mensch?

12.09.2002


Zahnersatz-Experten: "Zur Not reichen 20"

Abgesehen von seinen Weisheitszähnen hat der Mensch 28 Zähne im Mund – aber braucht er jeden einzelnen, muss daher jeder von ihnen ersetzt werden, wenn er eines Tages verloren geht? Diese Frage stellen sich nicht nur manche Patienten - auch die Wissenschaftler wollten das genauer wissen, die im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW) ihre Ergebnisse in der Studie "Bedarfsermittlung für prothetische Leistungen in der Zahnheilkunde bis zum Jahr 2020“ veröffentlichten. Bis zu welcher Anzahl fehlender Zähne (vom Weisheitszahn aus gesehen) können Menschen ohne einschneidende Funktionsbeeinträchtigung leben?

"Top 20“ Mehrere Untersuchungen lassen den Schluss zu: Es geht zur Not auch ohne hintere Backenzähne. Die wichtigsten Aufgaben erfüllen die "Top 20“, die zentralen zehn Zähne (Frontzähne sowie erster und zweiter kleiner Backenzahn (Prämolaren)) im Ober- und Unterkiefer – allerdings nur, wenn sie gesund bzw. funktionstüchtig restauriert sind. Mit dieser Konstellation waren die meisten Aufgaben der Zähne gut abzudecken. Die Frontzähne stellen vor allem Abbeißen, Sprechen und Ästhetik sicher, die Okklusion (Zusammenbeissen gegenüberliegender Zähne) bleibt stabil, die Funktion des Kiefergelenks wird nicht beeinträchtigt. Um auch noch das Kauen zu ermöglichen, reichten den meisten Untersuchten ihre Prämolaren. "Wir bezeichnen dies als sogenannte ‚verkürzte Zahnreihe’“, sagt dazu Prof. Dr. Thomas Kerschbaum, Präsident der DGZPW. "Es war wichtig, diese Frage zu klären, um im Falle enger finanzieller Grenzen des Patienten bei Zahnersatzbehandlung die richtigen Prioritäten setzen zu können.“ Man dürfe allerdings nicht denken, generell seien mehr als 20 Zähne und entsprechender Zahnersatz schlicht überflüssig oder Luxus: "Die verkürzte Zahnreihe ist das existenziell Notwendige wie ein Dach über dem Kopf, Brot und Wasser. Damit kann man überleben – aber Leben ist nun einmal mehr. Jeder weitere Zahn ist ein Stückchen Lebensqualität-plus, das ist auch jedem bewusst, der schon einmal mit einer größeren Zahnlücke leben und essen musste.“

"Wait and see“

Man habe früher immer gesagt, dass nach Zahnverlust die vollständige Rekonstruktion einer Zahnreihe notwendig sei, um die Stabilität des Gebisses zu sichern – dies sei Studien zufolge heute nicht mehr generell gültig. "Unsere Untersuchungen geben Patienten, aber auch Zahnärzten, eine wichtige Entscheidungshilfe“, sagt Prof. Kerschbaum, "denn die gesundheitspolitischen Anmerkungen der letzten Wochen und Monate machen deutlich, dass es bei der Behandlung nicht mehr lange ‚100-Prozent-Versorgung’ für alle geben wird.“ Wenn an allen Ecken gespart werden müsse und eine wachsende Anzahl von Patienten ihren Zahnersatz nicht mehr ohne Mühe werde bezahlen können, sei es notwendig, wissenschaftlich fundierte Prioritäten setzen zu können. "In Zeiten finanzieller Not sind zuerst die ‚Top 20’ zu versorgen und in bestem Funktionszustand zu erhalten. Man kann ohne Schaden zu befürchten mit der Versorgung der Molaren so lange warten, bis erkennbar ist, dass sie wirklich notwendig ist.“

Sollten wieder bessere Zeiten kommen, könne z. B. mit Hilfe der Implantologie auch ein zahnlos gewordener hinterer Kieferbereich wieder naturnah versorgt werden. Prof. Kerschbaum: "Die Angebote der modernen Zahnheilkunde von Prävention bis Zahnersatz sind so vielfältig, dass für alle Lebenssituationen angepasste Lösungen möglich sind – eben auch dann, wenn es einem wirtschaftlich einmal nicht so gut geht.“

Birgit Dohlus | pte.online

Weitere Berichte zu: DGZPW Zahnersatz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
21.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics