Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hepatitis A-und B-Impfstoff in der Kritik - Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Instituts

29.07.2002


Die Bild am Sonntag vom 28.07.2002 berichtet über den Fall einer Hepatitis-A-Erkrankung bei einem 55 jährigen Mann, der zuvor eine vollständige Immunisierung gegen Hepatitis A und B-Viren erhalten hatte. Sie stützt sich u.a. auf einen Artikel aus der Deutschen Medizinischen Wochenschrift vom 26.07.2002. Beide Berichte folgern, dass die kombinierte Impfung gegen Hepatitis A und B mit dem Impfstoff "Twinrix Erwachsene" bei älteren Personen keinen ausreichenden Schutz garantiert.


Prof. Dr. Johannes Löwer, der Präsident des für die Zulassung und Chargenprüfung von Impfstoffen in Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, erklärt dazu: "Wir nehmen die veröffentlichten Daten ernst. Jetzt müssen die möglichen Gründe für das Impfversagen analysiert und gegebenenfalls zusätzliche Untersuchungen eingeleitet werden. Eine Hepatitis A- Erkrankung trotz vollständiger Impfung ist nach unseren Erkenntnissen ein sehr seltenes Ereignis. Die aktuellen Daten und der momentane Kenntnisstand stellen den Nutzen der Impfung nicht in Frage. Im Zweifelsfall kann bei älteren Impflingen, die sich z.B auf Reisen in Risikogebieten aufhalten, durch die Bestimmung der Menge spezifischer Antikörper überprüft werden, ob ein ausreichender Schutz besteht."

Der Impfstoff "Twinrix Erwachsene" wurde 1996 nach positiver Bewertung durch den Arzneispezialitätenausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) von der europäischen Kommission zugelassen. Im Rahmen des Zulassungsverfahrens wurde die Immunantwort, also die Reaktion des Körpers auf die Impfung, bei Personen mit einem Lebensalter über 40 Jahre besonders aufmerksam und sorgfältig bewertet. Es ist nämlich bekannt, dass die Immunantwort älterer Personen vermindert sein kann. In der Zulassungsstudie, in die Impflinge der Altersgruppe von 40 bis 63 Jahren einbezogen wurden, zeigte sich, dass der Antikörpertiter bei den älteren Impflingen im Vergleich zu jüngeren verringert war. Der Antikörpertiter ist ein Messwert, mit dem die Menge der vom Impfling gebildeten Antikörper ausgedrückt wird. Alle Impflinge waren einen Monat nach der dritten Impfung gegen eine Hepatitis A Infektion geschützt. Die Antikörpertiter erreichten nach vollständiger Grundimmunisierung eine Höhe, bei der von einem Langzeitschutz auszugehen ist. Das Nutzen/Risiko-Verhältnis der Impfung wurde daher auch für diese Altersgruppe positiv bewertet. Zwischenzeitlich wurden weitere Studien an älteren Personen durchgeführt, die diese Befunde im wesentlichen bestätigen.


Dem Paul-Ehrlich-Institut ist aus Deutschland seit 1995 bis heute neben dem in der Bild am Sonntag beschriebenen Fall ein weiterer Fall eines so genannten Impfdurchbruchs, also einer Erkrankung nach vorheriger vollständiger Impfung, berichtet worden. Zusätzlich gibt es in der internationalen Fachliteratur zwei veröffentlichte Hepatitis-A-Impfdurchbrüche. In allen Fällen waren andere Impfstoffe verwendet worden.

Die in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift genannten Impfchargen wurden von der dafür zuständigen belgischen Behörde geprüft und zertifiziert. Das Paul-Ehrlich-Institut hat auf dieser Basis, entsprechend den europäischen und deutschen Regelungen, die Chargen für den deutschen Markt freigegeben. Es gibt keine Anhaltspunkte, die auf einen Qualitätsmangel bei diesen Chargen schließen lassen.

Dr. Susanne Stöcker | idw
Weitere Informationen:
http:///www.pei.de/pm/2002/3_2002.htm

Weitere Berichte zu: Antikörpertiter Hepatitis Impfling Impfstoff Impfung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ein neuer Ansatz bei Hyperinsulinismus
18.09.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie