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Hormonersatz und Brustkrebs-Risiko

25.07.2002


Deutsche Krebshilfe fördert Studie für Frauen in den Wechseljahren

Jede dritte Frau in Deutschland bekommt im Klimakterium eine Hormonersatztherapie, um die Beschwerden der Wechseljahre besser ertragen zu können. Doch viele Frauen befürchten, durch diese Behandlung ein höheres Krebsrisiko zu haben. Eine große Studie an über 10.000 Frauen soll die Frage beantworten, ob das Brustkrebs-Risiko durch die Hormonersatztherapie beeinflusst wird. Die Deutsche Krebshilfe fördert diese Studie zunächst über zweieinhalb Jahre mit insgesamt 1,53 Millionen Euro.

Viele Frauen leiden während der Wechseljahre unter Hitzewallungen, Schlafstörungen, depressiver Verstimmung und trockenen Schleimhäuten. Diese Beschwerden lassen sich durch Hormongaben gut behandeln. Die Hormonersatztherapie (HRT) leistet schon seit Jahrzehnten den betroffenen Frauen gute Dienste: Ihre Lebensqualität steigt, die Leistungsfähigkeit bleibt erhalten und die Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) sinkt. Doch durch widersprüchliche Aussagen über eine mögliche Erhöhung des Brustkrebs-Risikos durch HRT, insbesondere nach den jüngsten Studienergebnissen aus den USA, sind viele Frauen verunsichert. Ist der Preis für das bessere Befinden möglicherweise zu hoch?

Brustkrebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jedes Jahr erkranken rund 46.000 Frauen in Deutschland neu daran und 19.000 Frauen sterben. Über die Risikofaktoren für Brustkrebs liegen bislang nur unzureichende Erkenntnisse vor. Gesichert ist ein erhöhtes Risiko aufgrund von familiärer Belastung, Kinderlosigkeit, Übergewicht und hohem Alkoholkonsum; diskutiert werden unter anderem auch das Rauchen und die Hormoneinnahme. Erstmals soll nun in Deutschland in einer großen Studie an über 10.000 Frauen der Zusammenhang zwischen HRT und Brustkrebs-Risiko geklärt werden.

Die Studie steht unter der Leitung von Professor Dr. Wilhelm Braendle, Direktor der Abteilung für gynäkologische Endokrinologie der Universitäts-Frauenklinik Hamburg-Eppendorf, sowie von Dr. Jenny Chang-Claude von der Abteilung Klinische Epidemiologie des Deutschen Krebsforschungszentrums. In Hamburg und in der Region Rhein-Neckar-Ortenau werden sowohl Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, als auch gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren befragt und untersucht. Es handelt sich um eine bevölkerungsbezogene Fall-Kontroll-Studie. "Die Studie wird wichtige Daten liefern, um Nutzen und Risiko einer Hormonersatztherapie besser abwägen zu können und die Beratung individuell zu optimieren", so Professor Braendle.

An dem Projekt beteiligt sind die Abteilung für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Frauenklinik sowie das Institut für Mathematik und Datenverarbeitung in der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Hamburgische Krebsregister, die Arbeitsgruppe Epidemiologie der Behörde für Umwelt und Gesundheit der Freien und Hansestadt Hamburg, die Abteilung Klinische Epidemiologie des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg und das Universitätsklinikum Heidelberg.

"Wir erhoffen uns Antworten auf eine ganze Reihe von ungeklärten Fragen: Nach fünf Jahren werden wir Genaueres über die Häufigkeit und die Form der Hormonersatztherapie bei Frauen in Deutschland wissen, und wir werden durch die statistischen Daten endlich auch Aussagen machen können über das tatsächliche Brustkrebs-Risiko. Für alle Frauen ab 50 Jahren ist dies ein ganz wichtiger Faktor", betonte Professor Dr. Dr. h. c. Robert Fischer, Vorsitzender des Medizinischen Beirats der Deutschen Krebshilfe, bei der Vorstellung der Studie in Bonn.

Die Studie startet am 1. August 2002. Die zu befragenden Frauen werden aus Daten des Hamburger Krebsregisters, über die Ärzte und aus den Karteien der Einwohnermeldeämter ermittelt. "Es ist ganz wichtig, dass viele Frauen mitmachen und uns detailliert Auskunft geben über ihre Gesundheit und eine eventuelle Hormonersatztherapie", sagte Braendle. Der Datenschutz ist umfassend gesichert.

Info-Kasten Brustkrebs

 

Jährlich erkranken etwa 46.000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs, 19.000 sterben daran. Auf der Liste der krebsbedingten Todesursachen in Deutschland rangiert das Mammakarzinom bei Frauen an erster Stelle. Steht die Diagnose Brustkrebs fest, so ist in den meisten Fällen ein chirurgischer Eingriff notwendig. Im Anschluss bestrahlen die Ärzte die Brust, um die bei einer Operation nicht entfernten Krebszellen zu vernichten. In bestimmten Fällen wenden sie ergänzend eine Chemo- oder Hormontherapie an. Wird ein Tumor im Frühstadium erkannt, so liegt die Heilungschance bei über 90 Prozent.


Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

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