Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Etwa 30.000 Schwangere in Deutschland von kardiovaskulären Komplikationen betroffen

02.07.2008
DGK gibt Leitlinie über Herzerkrankungen in der Schwangerschaft heraus

Bei bis zu vier Prozent aller Schwangerschaften in Industrienationen treten Komplikationen aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen auf. Experten gehen für Deutschland von bis zu 30.000 betroffenen Patientinnen jährlich aus. Aufgrund der wachsenden Zahl von Frauen mit angeborenen Herzfehlern, die mittlerweile das Erwachsenenalter erreicht haben, soll diese Patientengruppe pro Jahr um weitere 5000 wachsen.

Trotz dieser großen Zahl hat der behandelnde Arzt vergleichsweise selten mit derartigen Erkrankungen zu tun. Grund genug für die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), nun die Leitlinie "Herzerkrankungen in der Schwangerschaft" zu veröffentlichen. Sie richtet sich an alle Ärzte, die Frauen im gebärfähigen Alter behandeln, also an Hausärzte, Internisten, Gynäkologen und Kardiologen. "Besonders Nicht-Kardiologen müssen wachsam sein, um ein mögliches Gefährdungspotenzial durch eine Herzerkrankung zur erkennen und die Schwangere bei Bedarf einer spezialisierten Behandlung zuzuführen", erläutert Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek aus Berlin, die federführende Autorin der neuen Leitlinie.

Angeborene Vitien, so erklärt Regitz-Zagrosek, stellten mit 74 Prozent die häufigsten Herzerkrankungen in der Schwangerschaft dar, gefolgt von erworbenen Klappenerkrankungen mit zirka 15 Prozent. Kardiomyopathien, Arrhythmien und koronare Herzerkrankungen seien deutlich seltener. Zu den häufigsten Problemen gehöre auch die arterielle Hypertonie. In den USA wären davon schätzungsweise 15 Prozent aller Schwangeren betroffen, für Westeuropa ginge man lediglich von fünf bis sieben Prozent aus. Ein Viertel der stationären Behandlungen Schwangerer sei auf Bluthochdruck-Komplikationen zurückzuführen. Ganz anders stellt sich die Situation in nichtindustrialisierten Ländern dar: Dort machten rheumatische Herzerkrankungen 90 Prozent aller kardiovaskulären Schwangerschaftskomplikationen aus.

Patientinnen mit angeborenen Herzerkrankungen oder mit Klappenerkrankungen rät Regitz-Zagrosek, sich von einem für diese Krankheiten besonders geschulten Kardiologen beraten zu lassen. "Dies gilt in besonderem Maße, wenn früher bereits kardiale Ereignisse wie Herzinsuffizienz, transitorische ischämische Attacke (TIA), Schlaganfall oder symptomatische Herzrhythmusstörung, Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse II oder Zyanose aufgetreten sind oder eine erhebliche Belastung des linken Ventrikels durch Aorten oder Mitralklappenvitien beziehungsweise eine eingeschränkte linksventrikuläre Funktion mit einer Auswurffraktion unter 40 Prozent vorliegt", berichtet die Kardiologin, die an der Charité und am Deutschen Herzzentrum Berlin den Forschungsbereich frauenspezifische Gesundheitsforschung mit Schwerpunkt Herz-Kreislauferkrankungen und Geschlechterforschung in der Medizin leitet.

Kontraindiziert sei eine Schwangerschaft bei Frauen mit schwerem Lungenhochdruck, schwerer Herzinsuffizienz, schweren Aorten- und Mitralfehlern oder einem Marfansyndrom mit signifikanter Aufweitung der Aorta aszendenz.

Frauen, die schwanger sind oder werden wollen, rät Regitz-Zagrosek generell dazu, ihr Risiko für Herzerkrankungen gemeinsam mit ihrem Arzt abzuschätzen. Dazu gehöre die Überlegung, ob bereits Herzerkrankungen bekannt sind, ob ein Bluthochdruck besteht, eine Stoffwechselstörung wie Diabetes vorliegt oder ob in der Familie eine vererbbare Herzerkrankung festgestellt wurde. Besonders Patientinnen unter 16 Jahren oder Patientinnen über 35 Jahren, so Regitz-Zagrosek, hätten ein erhöhtes Risiko, im Laufe einer Schwangerschaft Blutdruckkomplikationen oder eine Präeklampsie zu entwickeln ebenso wie Patientinnen mit Mehrlings-Schwangerschaften, chronischer Hypertonie, mit Diabetes oder deutlichem Übergewicht.

Den vollständigen Text der neuen Leitlinie "Herzerkrankungen in der Schwangerschaft" finden Sie auf der Homepage der DGK www.dgk.org unter "Leitlinien".

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Pressestelle
Prof. Dr. Eckart Fleck / Christiane Limberg
Achenbachstr. 43, 40237 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 600 692 - 61, E-Mail: limberg@dgk.org
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6700 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa.

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Weitere Berichte zu: DGK Herzerkrankung Schwangerschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops