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Alkoholabhängigkeit: Gedächtnisstörungen, die nicht so leicht zu vergessen sind

29.05.2008
Trinken um zu vergessen: hinter dieser Redewendung könnte mehr stecken, als man meint.

Laut einer Studie des Inserm-Forschungsteams vom Labor "Kognitive Neuropsychologie und funktionelle Neuroanatomie des menschlichen Gedächtnisses" aus Caen sind Gedächtnisstörungen nicht ausschließlich auf alkoholabhängige Patienten beschränkt, die unter dem Korsakow-Syndrom (ein amnestisches Psychosyndrom) leiden.

Bislang wurde angenommen, dass eine chronische Trinksucht nur dann eine giftige Wirkung auf das Gedächtnis hat, wenn ein ernstes amnestisches Psychosyndrom vorliegt.

Vom Korsakow-Syndrom ist glücklicherweise nur ein geringer Teil der alkoholkranken Patienten betroffen und es tritt vorwiegend in Verbindung mit einem erheblichen Mangel an Vitamin B1, dem Thiamin, auf.

Die Untersuchung der Gedächtnisdefizite der unter diesem Syndrom leidenden Patienten stand im Vordergrund der Forschungsarbeiten der Inserm-Einheit von Francis Eustache. Drei verschiedene Gruppen wurden im Rahmen dieser Studie untersucht: eine Gruppe von alkoholabhängigen Patienten mit einem Korsakow-Syndrom, eine Gruppe von alkoholabhängigen Patienten ohne Korsakow-Syndrom und eine Vergleichsgruppe von nichtalkoholabhängigen Personen. Die Forscher schlugen beispielsweise 6 Wörter vor, die an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten bekannt gegeben wurden und die Probanden sollten sich so viele Wörter wie möglich davon einprägen. Mit Hilfe dieser neuropsychologischen Tests untersuchten die Forscher die Fähigkeit Informationen zu speichern und abzurufen und diese in einen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang zu bringen.

Die Ergebnisse waren eine große Überraschung: unabhängig davon, ob die alkoholabhängigen Patienten unter dem Korsakow-Syndrom litten oder nicht, konnten in beiden Gruppen ähnliche Gedächtnisstörungen in verschiedenen Stadien nachgewiesen werden. Bei diesen Störungen handelte es sich gleichzeitig um Schädigungen des Kurzzeitgedächtnisses (mit dessen Hilfe man sich an Ereignisse erinnert und vorausschauend denken kann) und des Arbeitsgedächtnisses (mit dessen Hilfe man sich z.B. an vor kurzem gelesene Telefonnummern erinnern kann). Der einzige Unterschied, der bei Patienten mit einem Korsakow-Syndrom beobachtet werden konnte, war ein bedeutend höheres Defizit im Kurzzeitgedächtnis. Was bei den alkoholabhängigen Patienten ohne Korsakow-Syndrom als die schwersten Defizite des Kurzzeitgedächtnisses beschrieben wurde, entspricht bei den Korsakow-Patienten den geringeren Defiziten.

Laut Anne Lise Pitel, der Leiterin dieser Studie, lassen diese Forschungsarbeiten auf eine progressive Schädigung der Gedächtnisleistung schließen, und zwar unabhängig von den Modalitäten des Alkoholkonsums (Menge, über welchen Zeitraum, Einstiegsalter, usw.). Der Schädigungsgrad ist möglicherweise mit der genetisch vorbestimmten persönlichen Empfindlichkeit für die Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn abhängig. In Frankreich sind 2 Millionen Menschen alkoholabhängig. Während des Entzugs werden die kognitiven Störungen dieser Patienten nicht notwendigerweise in Betracht gezogen, wenn diese nicht am Korsakow-Syndrom leiden. Aus diesem Grund sind die Forscher der Meinung, dass eine systematische neuropsychologische Beurteilung der alkoholkranken Patienten erforderlich ist. Des Weiteren könnte eine Früherkennung dieser Störungen die Versorgung der Patienten verbessern und die Ausbildung einer Amnesie vermeiden, zumal präventive Behandlungsmöglichkeiten für dieses Syndrom existieren.

Kontakt: Francis Eustache
Inserm Einheit 923, Labor "Kognitiv Neuropsychologie und funktionelle Neuroanatomie des menschlichen Gedächtnisses"
@ neuropsycho@chu-caen.fr
+33 (0)2 31 47 02 80
Quelle: Pressemitteilung des INSERM
(Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung), 21.05.2008
Redakteurin: Mathilde Renault, mathilde.renault@diplomatie.gouv.fr.
Wissenschaft-Frankreich (Nummer 142 vom 28.05.08)
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