Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Unfallchirurgie: Weltweit erster künstlicher Knorpelersatz am Knie implantiert

03.07.2002


Menschen mit Knorpelschäden und beginnender Arthrose können auf ein aktiveres Leben hoffen


Weltweit erstmals gelang es Professor Dr. Ulrich Bosch und seinem Team an der Unfallchirurgischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), menschliches Knorpelgewebe am Kniegelenk durch künstlichen Knorpel zu ersetzen. Das neuartige minimal invasive Verfahren wurde am 12. Juni 2002 bei zwei Patienten angewandt, beide konnten bereits am Abend des Operationstages nahezu schmerzfrei aufstehen. Inzwischen haben sie die Klinik verlassen. Am 4. Juli 2002 wird Professor Bosch die Operationstechnik und seine klinischen Erfahrungen im Rahmen des 3rd International Orthopedic Symposium in Heidelberg Kollegen aus der ganzen Welt präsentieren.

"Die erste Operation bei einer 60-jährigen Patientin war aufgrund eines Knorpelverschleißes am Knie notwendig geworden. Mit herkömmlichen Behandlungsmethoden wäre es uns nicht gelungen, sie vor einer Teilprothese zu bewahren", sagte Professor Bosch. Der zweite Patient, ein 45-jähriger Mann, hatte über Jahrzehnte intensiv Sport getrieben und sich den Knorpelschaden durch Sportverletzungen zugezogen. Frühere operative Eingriffe konnten ihn nicht von seinen starken Schmerzen und seiner eingeschränkten Beweglichkeit befreien. "Bei der neuen Methode wurde über nur drei Zentimeter lange Hautschnitte der geschädigte Knorpel entfernt. In den darunter liegenden Knochen frästen wir eine etwa zehn Millimeter kleine Vertiefung und pressten die passgenauen Implantatzylinder hinein. So konnten wir eine glatte, widerstandsfähige Gelenkoberfläche herstellen", erklärte der MHH-Unfallchirurg. "Für die Patienten sind die kurze, fast schmerzlose Einheilungsphase, die sofortige Belastbarkeit und schnelle Wiederherstellung ihrer Gehfähigkeit ein wirklicher Gewinn."


Die großen Vorteile des Implantates und der speziellen Operationstechnik liegen nach Auffassung von Professor Bosch nicht nur in einer wesentlich kürzeren Rehabilitation - in Zukunft könne man in vielen Fällen auch auf die Verwendung von körpereigenem gesundem Knorpelgewebe verzichten oder einen erforderlichen Teilgelenkersatz hinauszögern. Profitieren werden vor allem Patienten mit Knorpelschäden nach Sportverletzungen und Unfällen sowie an Knorpelverschleiß leidende Menschen, die für einen Kniegelenkersatz zu jung sind. Eine frühzeitige Sanierung des Knorpelgewebes kann die Entstehung einer chronischen Gelenkerkrankung, einer Arthrose, verhindern; Folgekosten lassen sich vermeiden - ein wichtiger Gesichtspunkt angesichts der rund fünf Millionen Menschen, die allein in Deutschland von Gelenkverletzungen und Arthrosen betroffen sind.

Der künstliche Knorpelersatz (SaluCartilageTM) wurde in den USA von der Firma SaluMedica entwickelt. Seine Grundsubstanz ist vergleichbar mit der von weichen Kontaktlinsen. Beide Produkte bestehen aus so genanntem Hydrogel, einem wasserspeichernden Kunststoff. Das neue Implantat ähnelt sehr dem menschlichen Knorpelgewebe, es ist genauso weich und anpassungsfähig, gleichzeitig jedoch außerordentlich abnutzungssicher und kräftig. Zudem zeichnet sich das Material durch eine hohe Gewebeverträglichkeit aus. Die für die Operation benötigten Instrumente stellt ein Münchner Medizin-Unternehmen her.

Weitere Informationen gibt gern Professor Dr. med. Ulrich Bosch, Unfallchirurgische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover, Telefon: (0511) 532-2026, Handy: 0173 589 1558, E-Mail: Bosch.Ulrich@mh-hannover.de

Dr. Arnd Schweitzer | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie