Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Körpereigenes Eiweiß mindert Schäden am Herzen

29.04.2008
Schäden am Herzen lassen sich durch einen körpereigenen Stoff verringern: Zu dieser Erkenntnis gelangte ein Team aus Medizinern des Universitätsklinikums Rostock in Zusammenarbeit mit internationalen Forschern. Untersucht wurde der so genannte Reperfusionsschaden: Wird Herzgewebe nach einem Infarkt erneut durchblutet, entstehen Schäden im Gewebe, die das erkrankte Organ zusätzlich schwächen.

Einer Forschergruppe aus Bristol und Wien gelang es, eine körpereigene Substanz zu isolieren, die den Reperfusionsschaden verringert. In Kooperation mit Rostocker Wissenschaftlern wurden die schützenden Eigenschaften dieser Substanz experimentell untersucht, so dass eine internationale klinische Studie mit 250 Patienten durchgeführt werden konnte. Für ihre Entdeckung bekamen die Forscher jetzt den Hanse-Preis für Intensivmedizin, der jährlich von der Firma Fresenius AG verliehen wird und mit 5.000 Euro dotiert ist.

Ein Herzgefäß ist verschlossen und das Herz erleidet einen Infarkt. Schnelle Hilfe ist notwendig, damit das verschlossene Gefäß wieder geöffnet und der Herzmuskel wieder durchblutet werden kann. Ansonsten stirbt das vom Infarkt betroffene Gewebe dauerhaft ab. Methoden, Herzgefäße wieder zu öffnen, gibt es mehrere; häufig kommt zum Beispiel eine Gefäßstütze, ein Stent, zum Einsatz. Alle Behandlungsmöglichkeiten haben jedoch eines gemeinsam: Das frische Blut, das nun wieder durch das geöffnete Gefäß fließen kann, richtet im Herzen Schaden an, zerstört weiteres Herzmuskelgewebe. "Wir nennen das den Reperfusionsschaden", sagt Anästhesist Dr. Jan Patrick Roesner, der sich mit diesem paradoxen Phänomen beschäftigt hat.

Dr. Roesner von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Uniklinikum Rostock suchte nach Mitteln, die Schäden durch erneut ins Herz fließendes Blut möglichst gering zu halten. In Kooperation mit Wissenschaftlern aus Bristol und Wien untersuchte er die schützenden Eigenschaften einer körpereigenen Substanz, eines so genannten Fibrinogenspaltproduktes, auf den Herzmuskel nach durchgemachten Herzinfarkt und nach Wiedereröffnung des Herzkranzgefäßes. Am Anfang standen dabei experimentelle Untersuchungen an Tieren. "Wir konnten herausfinden, dass durch den Einsatz dieses körpereigenen Fibrinogenspaltproduktes die Schäden im Tierversuch deutlich verringert werden konnten." Dies war die Grundlage, auf der eine internationale Studie an 250 Patienten durchgeführt wurde. Die Erkenntnisse der Forscher sind deshalb von so großer Bedeutung, weil es bislang keine tatsächlich wirksame Behandlung des Reperfusionsschadens gibt.

Gewonnen wurden die neuen Erkenntnisse durch interdisziplinäre und internationale Forschung. Beteiligt waren Mediziner der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie sowie das Institut für Experimentelle Chirurgie am Universitätsklinikum Rostock. Außerdem kooperierten die Rostocker Mediziner um Dr. Roesner mit Professor Dr. Kai Zacharowski, Leiter der Abteilung für Cardio-Anästhesie und Intensivmedizin am Königlichen Krankenhaus Bristol, Großbritannien. Für die Forschungsarbeit wurde dem Mediziner jetzt der Hanse-Preis für Intensivmedizin verliehen, der jährlich durch die Firma Fresenius gestiftet wird und mit 5.000 Euro dotiert ist.

Kontakt
Professor Dr. Gabriele Nöldge-Schomburg
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Schillingallee 35
18057 Rostock
Tel. 0381/4946401
Professor Dr. Brigitte Vollmar
Institut für Experimentelle Chirurgie
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Schillingallee 70
18057 Rostock
Tel. 0381/4946220
Professor Dr. Emil C. Reisinger
Dekan der Medizinischen Fakultät
Universität Rostock
Rembrandtstraße 16/17
18057 Rostock
Tel. 0381/4945001
Professor Dr. Peter Schuff-Werner
Ärztlicher Direktor
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Schillingallee 35
18057 Rostock
Tel. 0381/4945011

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Anästhesiologie AöR Infarkt Intensivmedizin Reperfusionsschaden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften