Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Lungenkrebs auf der Spur

17.03.2008
Die gefährlichste Form von Lungenkrebs ist das so genannte kleinzellige Bronchialkarzinom, das für etwa einen von fünf Lungenkrebsfällen verantwortlich ist.

Dieser Krebs wird sehr schnell resistent gegen die zur Behandlung eingesetzten Medikamente und verläuft in der Regel tödlich - 95% der Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs versterben innerhalb von drei Jahren nach der Diagnosestellung. Die Ineffektivität der verfügbaren Behandlungsformen war der Grund dafür, dass wir in einem Forschungsprojekt an der Universität Zürich in der Schweiz herausfinden wollten, warum diese Form von Lungenkrebs so aggressiv ist und was sie so gefährlich macht.

Eine Wissenschaftlergruppe um Dr. Alexandre Arcaro untersucht dazu ein Molekül namens PI3K, das den Schlüssel zum Verständnis des kleinzelligen Lungenkrebses darstellen könnte. PI3K gehört zu den wichtigen Molekülen, die Botschaften von den Zellrezeptoren an die für Zellwachstum und Zellteilung zuständigen Mechanismen in der Zelle übermitteln. Der kleinzellige Lungenkrebs wird durch verschiedene Arten von hormonähnlichen Molekülen zum Wachstum angeregt.

Jedes dieser Moleküle bindet sich an einen anderen Rezeptor der Krebszelle. Sie alle zu blockieren wäre schwierig; daher besteht der aussichtsreichste Ansatz für eine neue Krebsbehandlung darin, die Rezeptoren an der Übermittlung ihrer Botschaften an das Zellwachstums- und Zellteilungssystem zu hindern. Die Signalübertragung geschieht durch Aktivierung von Molekülen entlang einer Art Molekülkette: Der Rezeptor aktiviert das erste Molekül, dieses das zweite, dieses das dritte, und so weiter.

Offenbar laufen die Molekülketten von verschiedenen Rezeptoren zusammen, und PI3K scheint an den meisten dieser konvergierenden Molekülketten beteiligt zu sein. Studien zum kleinzelligen Lungenkrebs zeigten, dass PI3K offenbar ständig aktiviert ist. Das passt gut zu der Vorstellung, dass es in den Krebszellen eine Schlüsselrolle bei der Stimulation der Zellteilung spielt. Kompliziert wird die Sache jedoch dadurch, dass es sich bei PI3K nach neuesten Erkenntnissen nicht um einen einzigen Molekültyp handelt. Wissenschaftler identifizierten vielmehr in Zellen acht verschiedene Versionen von PI3K, die offenbar alle geringfügig unterschiedliche Funktionen haben.

Als erstes stellt sich für Dr. Arcaro daher die Frage, welcher dieser PI3K-Typen verantwortlich ist für die Anregung von Zellwachstum und Zellteilung beim kleinzelligen Lungenkrebs. Um das herauszufinden, erzeugen die Wissenschaftler verschiedene Varianten von Lungenkrebszellen, in denen jeweils einer der PI3K-Typen inaktiviert ist, und untersuchen dann, in welchen dieser Varianten Zellwachstum und Zellteilung langsamer ablaufen als in den Originalkrebszellen.

Dr. Arcaro plant darüber hinaus, in anderen Krebszellen den Gehalt an bestimmten PI3K-Typen zu erhöhen um festzustellen, durch welchen Typ sich die Zellteilung beschleunigen lässt. Die Identifikation des am Wachstum des kleinzelligen Lungenkrebses beteiligten PI3K-Typs kann dann die Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente bilden, die die Wirkung genau dieses Moleküls blockieren und das Krebswachstum so zum Stillstand bringen können.

Kontakt: PhD Alexandre Arcaro, Zürich
Tel. +41 (44) 2667640 Fax +41 (44) 2667169
e-mail: alexandre.arcaro@kispi.uzh.ch
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Krebszelle Lungenkrebs Molekülkette Rezeptor Zellteilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet

20.07.2017 | Wirtschaft Finanzen